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Vergleichende Analyse der retinalen Gefäßveränderungen bei akuter Frühgeborenenretinopathie unter dem Einfluss von Laser-Photokoagulation oder intravitrealer Injektion des VEGF-Antikörpers Bevacizumab

Neumann, Marie Kerstin


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-160265
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2021/16026/


Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 22.01.2021
Erstellungsjahr: 2020
Publikationsdatum: 04.05.2021
Kurzfassung auf Deutsch: Einleitung: Die ROP ist eine seltene proliferative, vaskuläre Erkrankung; unbehandelt kann sie rasch zur Erblindung führen. Zur Behandlung werden derzeit zwei Verfahren angewandt: die Zerstörung avaskulärer NH-Bereiche durch Dioden-Laser-Photokoagulation (DLC) oder die intravitreale Injektion des VEGF-Antikörpers Bevacizumab (IVB). DLC zeigt eine gute Wirksamkeit für Zone II Erkrankungen, IVB hingegen kommt derzeit vor allem im posterioren Pol zum Einsatz (pZ II und Z I; APROP). Ziel dieser Dissertation war, die Auswirkung der Therapien bei pZII ROP auf das periphere Vaskularisationsmuster zu vergleichen.
Methoden: Dies war eine retrospektive multizentrische Studie. 51 Kinder wurden mit IVB (n=23) oder mit DLC (n=28) behandelt. Augen, die an einer pZ II erkrankten, wurden hinsichtlich 10 FA-Merkmalen untersucht (IVB n=8; DLC n=13). Weiterhin wurde das Gefäßwachstum nach erfolgter DLC untersucht.
Ergebnisse/Diskussion: Beide Therapien zeigten eine gute Wirksamkeit zur Behandlung der pZ II. Die Nachbehandlungsrate nach IVB lag bei 15%, die nach DLC bei 29%. Nach der DLC Behandlung wuchsen die Gefäße weiter und über die Lasernarben hinaus. Eine vollständige Vaskularisierung, wie nach IVB beschrieben, lag in keinem Auge vor. Beide Therapien zeigten einen Einfluss auf die Häufigkeit der FA-Merkmale. Hyperfluoreszierende Läsionen und kapilläre Veränderungen nahmen nach beiden Behandlungen ab, jedoch stärker nach IVB. Dies könnte als größerer Einfluss der IVB Therapie auf Gefäßveränderungen interpretiert werden. Hingegen zeigten unter anderem „naked shunts“ eine Zunahme der Prävalenz nach IVB, jedoch nicht nach DLC. Dies könnte für eine annähernd normale Vaskularisierung nach IVB sprechen.
Schlussfolgerung: IVB hat eine niedrigere Nachbehandlungsrate, zeigt einen stärkeren Einfluss auf die Gefäßpathologien und kann zu einer annähernd physiologischen Vaskularisierung der NH führen. Auch nach DLC kommt es zu einem Weiterwachsen der Gefäße in und über die Lasernarben hinaus, wobei die Netzhaut in diesem Bereich ohne Sehfunktion ist. Vielmehr birgt es die Gefahr der überschießenden Proliferation von NH-Gefäßen mit der Gefahr für Spätkomplikationen. Aufgrund der geringen Probandenanzahl und in Anbetracht der Gefahr von systemischen Nebenwirkungen nach IVB lässt sich jedoch keine eindeutige Empfehlung für die IVB Behandlung bei ROP in pZII benennen, auch wenn sie tendenziell effektiver zu sein scheint.
Kurzfassung auf Englisch: Introduction: ROP is a rare vasoproliferative disease. If untreated, it can rapidly lead to blindness. Currently, two treatment options exist – destruction of avascular retinal areas by diode-laser-photocoagulation (DLC) or intravitreal injection of VEGF antibodies like bevacizumab (IVB). DLC has been shown to be effective for Zone II diseases, whereas IVB is mostly used to treat ROP in the posterior pole (pZ II and Z I, APROP). The aim of this study was to compare the effect of these treatment options on the vascular pattern of ROP in pZ II.
Methods: This was a retrospective multicentre study. Fifty-one infants were treated with IVB (n=23) or DLC (n=28) for ROP. Eyes affected by ROP in pZ II were examined for a list of 10 FA-features (IVB n = 8, DLC n = 13). Additionally, the vascular outgrowth after DLC was analysed.
Results/Discussion: Both IVB and DLC were effective in treating ROP in pZ II. Retreatment rates were 15% after IVB and 29% after DLC. After treatment with DLC, vascular growth continued beyond laser-scarred tissue. However, a full vascularisation of the retina as reported after treatment with IVB was not observed. Both treatment modalities affected the prevalence of FA-features. Prevalence of hyperfluorescent lesions and capillary tuft formation decreased as an effect of either treatment, but to a larger extent after IVB. This may indicate a stronger effect on vascular changes of IVB. In contrast, the prevalence of other features like naked shunts increased after IVB, but not after DLC. Altogether, IVB may be associated with a more physiological vascularisation.
Conclusion: IVB exhibited a slightly lower retreatment rate, showed a stronger effect on vascular changes and led to a more physiological vascularisation of the retina. However, DLC was also associated with further vascular outgrowth, however without functional vision in the scarred tissue. Proliferation of retinal vessels in the peripheral retina may lead to late retinal complications. Even though IVB seems to be more effective in treating ROP in pZII, the results of this study cannot provide a clear recommendation for either therapeutic option due to the small sample size and the eventual risk of systemic side effects of IVB.
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