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Windenergie in Deutschland : planerische Steuerung und Dynamik der Akzeptanz

Gardt, Manuel


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-153335
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2020/15333/


Freie Schlagwörter (Deutsch): Windenergie , Akzeptanz , Raumplanung , Planungsrecht
Universität Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen
Institut: Institut f√ľr Geographie
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geowissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der m√ľndlichen Pr√ľfung: 01.07.2020
Erstellungsjahr: 2020
Publikationsdatum: 20.08.2020
Kurzfassung auf Deutsch: Die Nutzung erneuerbarer Energien hat sich in den vergangenen Jahren in Anbetracht des globalen Klimaschutzes und der systematischen Abl√∂se konventioneller Energietr√§ger als eine erfolgversprechende Strategie zur Anpassung und Minderung der Klimaver√§nderung etabliert. Eine der tragenden Schl√ľsseltechnologien in diesem Prozess ist die Nutzung der Windenergie, die im System der hier relevanten Energien einen gro√Ņen Beitrag zur Versorgung mit CO2-neutralem Strom einnimmt. Der von einem fast uneingeschr√§nkten Konsens der wissenschaftlichen Gemeinschaft getragene Ausbau der Windenergie hat jedoch, zumindest im Pionierstaat Deutschland, ein Akzeptanzproblem. Die systemweite Integration der Variable Wind in die deutsche Energielandschaft legt seit Jahren weitreichende Konfliktkonstellationen offen, die seitdem im Zuge einer nachhaltigen Planungspraxis der kraftwerksgleichen Strukturen abgestimmt werden m√ľssen. Der Fokus der Dissertation liegt auf den essentiellen Schnittstellen zwischen einer √ľberfachlich agierenden raumordnerischen Steuerung von Windenergieanlagen und ihrer Akzeptanz. Die hier zu beobachtende Dynamik wird im Rahmen der vorliegenden Untersuchung analysiert, mit dem Ziel, eine weitere empirische Evidenz der Spannungsfelder zu geben.
Die Ergebnisse zeigen, dass Windenergieanlagen durch ein abgestimmtes, historisch gewachsenes Wechselspiel von Rechtsgrundlagen und Planungsinstrumenten einer abschlie√Ņenden, positivplanerischen Standortzuweisung zugef√ľhrt werden k√∂nnen. Obwohl in diesem System akzeptanzf√∂rdernde Mechanismen auf allen Planungsebenen zum Tragen kommen, verm√∂gen es diese in letzter Zeit jedoch nicht mehr einem Entstehen von lokalen Oppositionen entgegenzuwirken. Letztere entstehen entsprechend nicht grundlos und zeigen eine klare, sich selbst verst√§rkende Entwicklungsdynamik im gesamten Bundesgebiet. Getragen von den negativen Begleiterscheinungen der Windenergieanlagen mobilisieren sich Entscheidungstr√§ger und Anwohner gegen neue Projekte zu einer geschlossenen Konfliktlandschaft. Weitergehend zeigt die Untersuchung, dass sich die Windenergie auf die Lebenswirklichkeit der Menschen auswirkt. Hierbei ist der Einfluss der Windenergie auf den Tourismus - insbesondere in Hessen - differenziert zu bewerten. Auf der einen Seite zeigen befragte Tagestouristen kein systematisches Meideverhalten in naturnahen und durch die Windenergie intensiv beanspruchten Gebieten. Auf der anderen Seite legt eine umfassende Zeitreihenanalyse einen erstmals zu beobachteten dynamischen Wandel des Einflusses von Windenergieanlagen auf die √úbernachtungszahlen in Hessen offen. Dieser ist insbesondere im letzten Untersuchungsraum von signifikanter und leicht negativer Auspr√§gung.
Kurzfassung auf Englisch: In recent years, the use of renewable energies has become one of the most promising approaches to adapt and mitigate the negative effects of climate change. A key pillar in this process is the expansion of wind energy, which represents a major contribution to the supply of CO2-neutral electricity.
The expansion of wind energy is supported by an almost unlimited consensus among the scientific community. However wind turbines have - at least in the pioneering state of Germany - an acceptance problem. The system-wide integration of the variable wind into the German energy landscape has exposed extensive conflicts over the years, and these are fine-tuned in the course of collaborative planning approaches ever since. The focus of this dissertation is on the essential interfaces between an interdisciplinary spatial governance of wind turbines and their acceptance. The dynamics to be observed here are examined in the context of the present study with the aim of providing further empirical evidence of the areas of tension.
The study shows that wind turbines can be sited via a conclusively regulated and historically grown interplay of legal codes and planning instruments. Although acceptance-promoting mechanisms are used in this system on all levels, they are unsuccessful to counteract the formation of local oppositions. Accordingly, the latter do not arise for no reason and show clear, self-reinforcing development dynamics throughout Germany. Supported by the negative side effects of wind turbines, decision-makers and residents mobilize against new projects to create a novel conflict landscape that has to be accounted for in future planning procedures.
Furthermore, the results show that wind energy can affect people¬īs lives and the influence of wind energy on local tourism economics - especially in Hesse - has to be assessed twofold. While day tourists do not show a systematic avoidance behaviour in rural and wind-prone areas, a slightly negative effect can be observed with regard to a time series analysis. In this context, a comprehensive and long-term panel regression shows a dynamic change of the impact of wind turbines on the number of overnight stays for the first time.
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