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Validierung des Mini Dental Assessments

Velten, Julian


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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-146626
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2019/14662/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 09.05.2019
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 23.05.2019
Kurzfassung auf Deutsch: Mit der vorliegenden Studie sollte das Mini Dental Assessment (MDA) validiert werden und zudem überprüft werden, ob eine Augmentation des MDA, um die Parameter Oral Health Impact Profile (OHIP), dem Dental Impact on Daily Living (DIDL), einem Kaueffizienztest mit zweifarbigem Kaugummi nach SCHIMMEL et al. (KTKS) oder einem Kaufeffizienztest mit Fruchtgummis nach SLAVICEK et al. (KTFS), zu aussagekräftigeren Ergebnissen hinsichtlich des Behandlungsbedarfes von Patienten führt.
Es wurden 155 Patienten (Zahnärztliche Prothetik, Gießen; Bonifatius Hospital, Lingen) untersucht, die keine akuten dentalen Beschwerden aufwiesen. Nach objektiver Bewertung des vorhandenen Zahnersatzes oder des Restzahngebisses anhand der Parameter der multizentrischen Dokumentation für zahnärztliche Prothetik (Einteilung in "Romeo" - keine Mängel; "Sierra" - akzeptable, kleine Mängel; "Tango" - zukünftige Mängel sollen abgewendet werden, korrekturbedürftig; und "Viktor" - akute Mängel, korrekturbedürftig), erfolgte die Durchführung der Kaufunktionstest mit Karotten, KTKS und KTFS. Im Anschluss wurden die Fragebögen nach OHIP-G5 und DIDL vom Patienten ausgefüllt. Es wurde das Lebensalter, das Geschlecht, die Zeit seit dem letzten Zahnarztbesuch (ZLZB) und das Alter des neusten Zahnersatzes (AZE) erfragt. Die Analyse des Kaufunktionstests mit Karotten erfolgte durch Abgleich des Speisebolus mit den sechs Graden der Referenzbilder. Der Grad der Durchmischung des KTKS wurde durch die Software ViewGum© (dHAL Software, Greece) bestimmt. Den KTFS betreffend wurde lediglich geschaut, ob eine Zerkleinerung der Fruchtgummis mit 3 verschiedenen Härtegraden möglich war. Der MDA-Gesamtscore, bestehend aus "ZLZB" (dreifache Wertung), "AZE" (einfache Wertung) und dem Ergebnis des Kaufunktionstest mit Karotten (zehnfache Wertung), wurde ermittelt. Alle Werte, die kleiner als 30 waren, wurden Kategorie 1 (kein akuter Behandlungsbedarf) zugeordnet. Werte zwischen 31 und 60 wurden Kategorie 2 zugeteilt (sollte kontrolliert werden) und alle Werte größer als 60 entfielen auf Kategorie 3 (Behandlungsbedarf sehr wahrscheinlich).
Vor der statistischen Auswertung wurden die Patienten, die mit "Romeo" oder "Sierra" bewertet wurden, zu Gruppe A zusammengefasst. Der Gruppe B wurden Patienten mit der Klassifizierung "Tango" oder "Viktor" zugeordnet. Es zeigten 83 Patienten keinen akuten Behandlungsbedarf. Nach binärer logistischer Regression konnte mithilfe des MDA ein Vorhersagewert hinsichtlich der Behandlungsbedürftigkeit von 65,6 % erreicht werden. Alle durch das MDA in Kategorie 3 zugeteilten Patienten (n=14) waren gleichzeitig Gruppe B zugeordnet. Von 72 Patienten in Kategorie 1 erkannte das MDA 68,1 % (n=49) als richtig gesund. Da der im MDA enthaltene Kaufunktionstest mit Karotten die höchste Wertigkeit am MDA-Gesamtscore hatte, wurden separat die Zusammenhänge zwischen Gebisszustand (Gruppe A/B) und dem "Karottentest" betrachtet. Es zeigte sich hierbei ein verbesserter Vorhersagewert des Behandlungsbedarfes von 66,5 %. Auffällig erwies sich, dass 38 (= 82,6 %) von 46 Patienten mit einem Zerkleinerungsgrad von 1 oder 2 keinen akuten Behandlungsbedarf aufwiesen. Umgekehrt konnte gezeigt werden, dass in 33 (= 78,6 %) von 42 Fällen ein hoher Zerkleinerungsgrad (Grad 5 oder 6) mit einem akuten Behandlungsbedarf einhergeht. Durch Augmentation des MDA um den OHIP und den KTKS konnte zwar der Vorhersagewert weiter gesteigert werden (= 67,5 %), jedoch ist die Vorhersage aufgrund des großen Konfidenzintervalls (19,1 - 226,22) als unsicher einzustufen. Die Hinzunahme des DIDL und des Parameters festsitzender/herausnehmbarer Zahnersatz zum MDA führte zu einem Vorhersagewert von 68,2 %. Der höhere Vorhersagewert geht zu Lasten der Praktikabilität und das Ziel, ein simples, von Laien ohne viel Aufwand durchzuführendes Assessment zu verwirklichen, geht verloren. Der KTFS wurde bei 111 Patienten durchgeführt, von denen 63 (=56,8 %) nicht in der Lage waren das grüne, softe Fruchtgummi zu zerteilen. Aufgrund der schlechten Ergebnisse wurde der Test nicht weiter berücksichtigt.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das MDA in den Kategorien 1 und 2 valide und reliable Aussagen und Tendenzen liefert, ob ein Zahnarztbesuch notwendig ist oder nicht. Betrachtet man isoliert den Kaufunktionstest mit Karotten kann ebenso aufgezeigt werden, dass ein Zerkleinerungsgrad von 5 oder 6 mit einem akuten Behandlungsbedarf assoziiert ist, wohingegen Grad 1 oder 2 mit keiner Behandlungsnotwendigkeit einhergeht. Durch Hinzunahme verschiedener Parameter zum MDA kann der Vorhersagewert in Bezug auf den Behandlungsbedarf nur unwesentlich gesteigert werden. Der mögliche Mehrwert steht in keinem Verhältnis zum höheren Aufwand und der schlechteren Praktikabilität.
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