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Onkologisches und funktionelles Outcome nach Therapie des frühen Stimmlippenkarzinoms

Glatt, Florian Michael


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-139869
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2019/13986/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Glottiskarzinom , transzervikal , endolaryngeal , Überlebensanalyse , Stimmanalysen
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.01.2019
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 22.02.2019
Kurzfassung auf Deutsch: Das Stimmlippenkarzinom ist eine häufige Tumorerkrankung des Kopf-Hals-Bereiches. Eine Heiserkeit ist ein frühes Symptom und führt dazu, dass viele Patienten bereits im frühen Tumorstadium behandelt werden können. Zur Tumorkontrolle kommt die Operation oder eine perkutane Strahlentherapie mit gleichwertigen onkologischen Ergebnissen in Betracht. In Deutschland wird häufig die Operation zur Tumortherapie durchgeführt. Bei den Operationen wird, wenn möglich, eine endoskopische Tumorentfernung aus dem Kehlkopf durchgeführt. Wenn dies nicht möglich ist, kann alternativ eine offene Operation mit Hautschnitt und Tumorentfernung durch das eröffnete Larynxskelett durchgeführt werden. Dieser Eingriff hat jedoch anerkannt mehr Komplikationen als die endoskopische Operation.
Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, die beiden operativen Verfahren hinsichtlich onkologischem und funktionellem (Stimmqualität) Outcome sowie hinsichtlich Komplikationen zu vergleichen. Diese Analyse wird monozentrisch durch die hohe Zahl offen chirurgisch durchgeführter Operationen am Universitätsklinikum Gießen ermöglicht.
Es wurden alle Patienten mit frühem Stimmlippenkarzinom, die zwischen 2003 und 2013 in der HNO-Abteilung des Universitätsklinikums behandelt wurden (n=238) eingeschlossen und ausgewertet. Die Patientendaten wurden zunächst aus dem Gießener Tumordokumentationssystem akquiriert sowie weiterhin aus elektronischen stationären Akten vervollständigt. 219 der 238 Patienten wurden demnach primär operativ behandelt, davon 51 offen chirurgisch. Die statistische Auswertung erfolgte mit dem Statistikprogramm SPSS durch Kaplan-Meier-Kurven, Log-Rank-Tests, Cox-Regressionen sowie durch Chi-Quadrat-Tests. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse von 65 Patienten aus prä- und postoperativ erhobenen Stimmanalysen ausgewertet, davon wurden 22 offen chirurgisch operiert.
Nach Auswertung der Daten kann im Gesamtüberleben statistisch kein Nach- und kein Vorteil für offen chirurgisch behandelte Patienten beobachtet werden. Das 5-Jahres Gesamtüberleben beträgt nach offener und endoskopischer Operation 92% bzw. 78%. Nach Behandlung von größeren Tumoren (T1b, T2) erzielte die offene Operation jedoch einen Überlebensvorteil (92% vs. 67% nach endoskopischer Operation im 5-Jahres Überleben). Hinsichtlich des Rezidiv freien Überlebens sind beide Verfahren vergleichbar; lediglich bei größeren Tumoren wurde ein höheres Rezidivauftreten beobachtet als bei T1a-Tumoren, unabhängig vom Operationsverfahren. Nach Auswertung des peri- und postoperativen Verlaufs zeigte sich ein deutlicher Nachteil der offen chirurgischen Therapie im Hinblick auf die Dauer der stationären Aufenthaltszeit, auf die Häufigkeit an Tracheotomien und das Verweilen einer Magensonde, sowie das Auftreten von Emphysemen. Der Bedarf an Re-Operationen bestand in beiden Gruppen bei etwa 50% der Patienten, wobei darunter sowohl Eingriffe zur Tumorkontrolle als auch stimmverbessernde Operationen fallen. Im Vergleich der stimmfunktionellen Ergebnisse zeigt sich das offen chirurgische Verfahren dem endoskopischen als gleichwertig. Negativer Faktor für das stimmliche Ergebnis ist vielmehr die Tumorgröße und damit der Substanzdefekt postoperativ. Außerdem verzeichnen die postoperativen Werte generell schlechtere Ergebnisse als bei präoperativer Datenerhebung. Dagegen zeigt die Selbsteinschätzung der Patienten (gemessen an der visuellen Analogskala) als einziger Parameter tendenziell eine Verbesserung durch den Eingriff.
Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass das offen chirurgische Verfahren onkologisch nicht besser ist und es eine höhere Komplikationsrate hat – jedoch sind die Funktionsergebnisse nicht schlechter. Daher kann dieses Verfahren weiter angeboten werden, wenn eine endoskopische Resektion nicht möglich ist.
Kurzfassung auf Englisch: Glottic cancer is a common malignancy of the head and neck region. Hoarseness is an early symptom leading to early detection and treatment. For disease control surgical resection and external beam radiation have similar long term results. In Germany, surgical resection is more commonly performed. If possible, endoscopic resection by laryngoscopy is preferred. Alternatively, if this is not possible, an open surgical approach, in which the skin is incised, and the tumor is resected through the opened laryngeal skeleton can be performed. However, open surgical operations are known to have more complications than endoscopic procedures.
The objective of the present analysis is to compare the two surgical procedures with regard to oncological and functional outcome (voice quality) and complications. This single institution analysis is possible due to the high number of open surgeries performed at the University Hospital Giessen. All patients with early glottic carcinoma treated between 2003 and 2013 at the ENT department of the University Hospital Giessen (n = 238) were included and evaluated. Patient data were obtained from the ‘Giessen tumor documentation system’ and the electronic medical records of the University Hospital. 219 of 238 patients underwent primary resection of the tumor 51 of which by open procedures. For the statistical analysis SPSS software was used for Kaplan-Meier survival curves, log-rank-tests, Cox proportional hazards models, and chi-square tests. In addition, pre- and postoperative voice analyses of 65 cases were statistically evaluated, of which 22 underwent open surgical resection.
Our study did not reveal a statistical difference in overall survival with regard to the open surgical versus the endoscopic approach. 5-year overall survival was 92% and 78%, respectively. Open surgical technique, however, was beneficial in treating larger tumors (T1b, T2) as compared to its endoscopic counterpart (5-year survival of 92% and 67%). Both methods were comparable with regard to recurrence-free survival, although we observed a higher rate of recurrence in larger tumors (T1b) independent of the surgical procedure. Patients who underwent open surgery had a significant worse peri- and postoperative course with longer hospital stay, higher frequency of tracheotomies and longer need for nasogastric tubes as well as more frequent occurrence of emphysema. Approximately 50% of patients in both groups required reoperations for either disease control or to improve vocal function. Functional results were comparable for both procedures. However, the tumor size and therefore the size of postoperative tissue defect were unfavorable predictors for voice rehabilitation. Treatment in general caused functional decline from baseline in all data points. However, the self-assessment (measured on a visual analogue scale) revealed a trend to functional improvement by surgery.
The present study shows that open surgical procedures offer comparable oncological and functional outcomes to an endoscopic approach but leads to more complications. Therefore, this method continues to be a valid treatment option if endoscopic resection is not possible.
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