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Selbstwert und Prüfungsangst : die Rolle der Selbstwertkontingenz bei der Entstehung der Prüfungsangst

Schulz, Jessika


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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-139388
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2019/13938/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Prüfungsangst , Selbstwert , Selbstwertkontingenz
Freie Schlagwörter (Englisch): Test Anxiety , Self-Esteem , Contingency of Self-Esteem
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Pädagogische Psychologie
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.12.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 02.01.2019
Kurzfassung auf Deutsch: Bezüglich der Prüfungsangstgenese wird neben subjektiven Zielen, Überzeugungen und Kontrollerwartungen der Selbstwert als Einflussvariable diskutiert. So beschreibt die Selbstwerttheorie (Covington, 2009), dass Prüfungsangst entsteht, weil Personen ihren Selbstwert als bedroht wahrnehmen. Empirisch lässt sich jedoch ein eindeutiger Einfluss des Selbstwerts auf Prüfungsangst nicht zeigen, was auf die isolierte Betrachtung der Höhe des Selbstwerts zurückgeführt wird. In dieser Arbeit wird postuliert, dass nicht die Selbstwerthöhe, sondern die Selbstwertkontingenz Prüfungsangst bedingt. Selbstwertkontingenz wird definiert als Abhängigkeit des Selbstwerts von bestimmten internen oder externen Standards in selbstwertrelevanten Bereichen (Crocker & Wolfe, 2001). Macht eine Person ihren Selbstwert abhängig von Leistung, Kompetenz oder sozialer Anerkennung, sollte sie in Prüfungssituationen ihren Selbstwert als bedroht wahrnehmen, d.h. Prüfungsangst erleben, da durch eine Prüfung nicht nur Leistung, sondern subjektiv der mit der Leistung verknüpfte Selbstwert beurteilt wird. Auf Grundlage des transaktionalen Prüfungsangstmodells (Lazarus, 1966) wurden für den postulierten Zusammenhang zentrale Wirk- und Schutzmechanismen untersucht.
In zwei Studien wurde zunächst geprüft, ob Selbstwertkontingenz Prüfungsangst bedingt. Getestet wurde dabei in Studie 1 experimentell anhand einer studentischen Stichprobe (N = 120), ob Kontrollerwartungen diesen Zusammenhang moderieren. Studie 2 prüfte querschnittlich mittels einer Fragebogenstudie bei Schülern und Schülerinnen (N = 412), ob situative Kosten einer Prüfung sowie die situative persönliche Bedeutsamkeit den Zusammenhang zwischen Selbstwertkontingenz und Prüfungsangst mediieren. Als zentrales Ergebnis dieser Studien zeigt sich, dass in beiden Stichproben Selbstwertkontingenz situative Prüfungsangst bedingt. Studie 2 zeigte zusätzlich, dass dieser Zusammenhang mediiert wird über die mit der Prüfung assoziierten Kosten und die subjektive Bedeutsamkeit. Eine Moderation durch Kontrollerwartungen konnte nicht gezeigt werden. Niedrige Kontrollerwartungen bedingten jedoch über die Selbstwertkontingenz hinaus situative Prüfungsangst. In Studie 3 wurde der Zusammenhang zwischen Selbstwertkontingenz und Prüfungsangst an einer studentischen Stichprobe (N = 62) repliziert und dabei zudem experimentell geprüft, ob Self-Compassion der Entstehung von Prüfungsangst entgegenwirkt. Erwartungskonform bewirkte Self-Compassion ein Absinken situativer Prüfungsangst, während Selbstwertkontingenz das Auftreten von Prüfungsangst förderte.
Die Ergebnisse dieser Arbeit verdeutlichen insgesamt, dass durch die Berücksichtigung der Selbstwertkontingenz Einfluss auf die Entstehung von Prüfungsangst genommen werden kann, was insbesondere Implikationen für den pädagogischen und therapeutischen Bereich eröffnet.
Kurzfassung auf Englisch: Regarding the development of test anxiety, self-esteem is discussed as an influencing variable in addition to subjective goals, personal beliefs and control expectations. The self-worth theory (Covington, 2009) describes that test anxiety arises in evaluative situations because people perceive their self-esteem as threatened. Empirically, however, an influence of self-esteem on test anxiety cannot be shown, which is attributed to the isolated consideration of the level of self-esteem. In this work, it is postulated that not the level of self-esteem, but contingency of self-esteem causes test anxiety. Self-esteem contingency is defined as the dependence of self-esteem on the achievement of certain internal or external standards in areas relevant to self-worth (Crocker & Wolfe, 2001). If a person’s self-esteem is dependent on performance, competence or social recognition, he or she should perceive his or her self-esteem as threatened in evaluative situations, i.e. experience test anxiety, because the examination not only assesses performance, but subjectively also the self-esteem associated with performance. Based on Lazarus´ transactional test anxiety model (1966), central operating and protective mechanisms linking the postulated relationship were investigated.
Two studies first examined whether self-esteem contingency in performance-relevant areas was a cause of test anxiety. In Study 1, an undergraduate student sample (N = 120) was used to experimentally test whether control expectations moderated this correlation. By means of a questionnaire among pupils (N = 412), Study 2 examined the situational costs of an examination and the situational personal importance as mediators between self-esteem contingency and test anxiety. As a central result of both studies, it can be stated that the higher the contingent self-esteem of both undergraduate students and pupils, the more they experience situational test anxiety. Study 2 additionally showed that this relationship is mediated by the costs and subjective significance associated with the test. A moderating effect of control expectations could not be shown. However, low control expectations caused situational test anxiety in addition to self-esteem contingency. In Study 3, the relationship between self-worth contingency and test anxiety was replicated by means of an undergraduate student sample (N = 62). Furthermore, within this study it was experimentally tested whether self-compassion counteracted the development of test anxiety. In line with expectations, self-compassion contributed to a reduction of situational test anxiety, while self-worth contingency enhanced test anxiety.
The overall results show that self-esteem contingency in the areas of performance, competence and social recognition can influence the development of test anxiety, which opens up implications for the educational and therapeutic interventions in particular.
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