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Vergleich der Anwendung des Premature Infant Pain Profile (PIPP) bei akuten Schmerzen in Abhängigkeit von dem Ausbildungsstand und der Berufserfahrung von Pflegepersonal

Comparison of the use of Premature Infant Pain Profile (PIPP) for acute pain in dependence on the level of education, and the professional experience of nursing staff

Kaiser, Johanna


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-138720
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13872/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): PIPP , Schmerz , Neonatologie
Freie Schlagwörter (Englisch): PIPP , pain , neonatology
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Abteilung für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.11.2018
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 26.11.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Einführung
Neugeborenen - vor allem Frühgeborenen - wurde lange die Fähigkeit abgesprochen überhaupt Schmerzen empfinden zu können. Wie man heute weiß, sind die neuroanatomischen Voraussetzungen dafür bei der Geburt bereits gegeben. Bei Frühgeborenen liegt die Schmerzschwelle sogar niedriger als bei Reifgeborenen und deren Schmerzäußerungen fallen verhaltener aus. Die frühen Schmerzerfahrungen - zum Beispiel im Rahmen eines Intensivaufenthaltes - können langfristige strukturelle und funktionelle Schäden zur Folge haben. Das grundsätzliche Problem in der Neonatologie und der intensivmedizinischen Behandlung von Früh- und Neugeborenen liegt in der Beurteilung der verbalen Äußerungen der Patienten und in ihrem Unvermögen ein Selbsturteil abzugeben. Zur Objektivierung der kindlichen Empfindungen und richtigen Dosierung von Analgetika wurden bereits zahlreiche, für verschiedene Situationen und Gestationsalter passende Schmerzmessinstrumente, entwickelt. Der „Premature Infant Pain Profile“ (PIPP) setzt sich aus 7 Dimension zusammen. Er berücksichtigt das Gestationsalter, das Verhaltenslevel des Patienten und die Änderung der physiologischen Parameter und der Gesichtsausdrücke. Er gilt als sehr valide und reliabel und ist sowohl im Klinikalltag als auch in der Forschung geeignet. Nur wenn eine suffiziente Schmerzerfassung stattfindet, kann auch ein adäquates Schmerzmanagement – inklusive Analgesie - erfolgen.
Fragestellung
Im klinischen Alltag werden zunehmend Schüler bei der Versorgung von Patienten eingesetzt. Im Rahmen dieser Arbeit soll geklärt werden, ob Schüler und erfahrene Pflegekräfte zu den gleichen Ergebnissen bei dem Einsatz des PIPP zur Schmerzerfassung bei Neugeborenen kommen. Hat der Ausbildungsstand oder die Berufserfahrung einen Einfluss auf die Gesamtwerte des PIPP?
Methodik
Die Ermittlung der PIPP Werte erfolgte anhand von 10 Videosequenzen aus einer umfangreichen Videodatenbank. Dies ermöglichte die Erfassung der Gesamtwerte des PIPP von den gleichen 10 Patienten und eine bessere Vergleichbarkeit der Werte. Zur Datenerhebung wurden 44 Pflegeschüler der Krankenpflegeschule und 35 Personen des Pflegepersonals der Universitätsklinik Gießen rekrutiert. Im Rahmen einer Fortbildung zum Thema „Schmerzen bei Früh- und Neugeborenen“ wurde der PIPP vorgestellt. Mit Hilfe des PIPP ermittelten die Teilnehmer anschließend die Gesamtwerte für die 10 Videosequenzen. Die subjektive Wahrnehmung des Schmerzes wurde durch eine zusätzliche Numerische Rating Skala (NRS) verzeichnet. Zur Meinungsabfrage und der Erfassung der Stichprobencharakteristika kam ein separater Fragebogen zum Einsatz. Die Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Datenanalyse und t-Test.
Ergebnisse
Im Gegensatz zur Anwendung von eindimensionalen Schmerzmessinstrumenten lassen sich bei der Anwendung des PIPP keine Unterschiede zwischen den Ausbildungsständen „Schüler“ und „erfahrene Pflegekräfte“ entdecken. Auch die Berufserfahrung mit Neugeborenen hat scheinbar keinen Einfluss auf die Gesamtwerte des PIPP. Die Genauigkeit des PIPP ist ebenfalls in den Gruppen mit mehr oder weniger als einem Jahr Berufserfahrung gleich. Die Mehrzahl (51,62%) der Probanden kommt zu korrekten Werten und 36,46% überschätzen den Schmerz im Vergleich zum Expertenscore. Generell zeigten sich eine mäßige Streuung der Werte und eine gewisse Ungenauigkeit in beiden Gruppen. Bei der subjektiven Einschätzung der Schmerzen mittels Numerischer Rating Skala (NRS) schätzen die Schüler den Schmerz geringer ein als die erfahrenen Pflegekräfte. Die Beurteilung der Einzelitems und die Äußerungen der Teilnehmer ergaben einige Schwierigkeiten bei dem Einsatz des PIPP. Diese wurden zum Teil im Rahmen des PIPP-Revised, einer überarbeiteten Version des PIPP, berücksichtigt.
Schlussfolgerung
Die Anwendung des PIPP durch Schüler ist der Anwendung durch erfahrene Pflegekräfte ebenbürtig. Auch die Berufserfahrung mit Neugeborenen in den beiden Gruppen hat scheinbar keinen Einfluss. Beide Gruppen zeigen eine mäßige Streuung der Gesamtwerte und die Neigung die Schmerzen zu überschätzen. Obwohl das Wissen über Schmerzmanagement bei Neugeborenen und mögliche Maßnahmen zur Analgesie umfangreich war, sollten zusätzliche Schulungen und ein Training zur Schmerzmessung in Erwägung bezogen werden. Durch zusätzliche Übung kann vermutlich die Genauigkeit in der Anwendung verbessert werden. Der Gebrauch von subjektiven Verfahren (NRS) zur Schmerzmessung sollte bei Schülern genauer beobachtet werden.
Kurzfassung auf Englisch: Introduction
Newborn - especially Preterm - have been assumed to be unable to perceive pain for a long time. As we know now by the time of birth the infant fulfils the neuroanatomic requirements for pain perception. The threshold of pain is even lower for Preterm infants and their pain expression is difficult to pick up. Early pain experiences as they occur on the intensive care unit can lead to longterm structural und functional deficits. The main problem in diagnosing pain in neonatology and intensive care treatment is the lack of the patients ability to verbally state their pain. There are dozens of tools available to measure the infants pain in different ages and situations to objectify the neonatal pain and induce the right dose of analgesia. The “Premature Infant Pain Profile” is a seven-dimensional tool for pain measurement. It contains the gestational age, the behavioural state, changes of physiological parameters and facial activity. It is assumed to be valid and reliable and suitable for practical use and research. Only a sufficient measurement of pain can lead to adequate pain management und analgesia.
Aims of investigation
In clinical practice the role of nurse students in taking care of patients is increasing. Do students and experienced nurse score equal using the PIPP for pain measurement in newborn? Does the status of education or the work experience have an influence on the total PIPP score?
Methods
The collection of PIPP scores resulted from the use of 10 video sequences of an extensive video sequences database. It was possible to collect the pain scores of the same 10 patients leading to a higher comparability. For data collection 44 students of the nursing school of university hospital Gießen and 35 members of the staff of university hospital Gießen and Marburg have been recuited. Within further education concerning the topic of Pain in Pre- and Newborn the PIPP Score has been introduced. After introduction and basic education in PIPP the participants rated and calculate the total score for the 10 Video sequences. The subjective impression of the patients pain has been noticed by a numeric rating scale (NRS). A separate questionnaire served to state the characteristics of the sample and their opinion and knowledge about the topic. For statistical analysis t-Tests and descriptive data analysis have been used.
Results
In contrast to the application of one dimensional measurement tools there are no differences between the people of a different educational status detectable. Also the work experience does not seem to influence the total PIPP score. The accuracy of PIPP equal for the groups with more or less than one year of work experience. The majority (51,62%) scores correct und 36,46% overestimate the pain compared to the expert score. Generally the sums showed a moderate variance in both groups. Examining the NRS it becomes apparent that the student nurses rated the pain lower than experienced nurses did. Difficulties in practicing the PIPP arising from the examination of the single items and the opinions of the participants have been considered when establishing the PIPP-Revised.
Conclusion
The application of PIPP by student is equal to the application by experienced nurses. The work experience does not seem to be influencing the rating. Certainly both groups total scores vary from the median and they both tend to overestimate the patients pain. Although the knowledge in pain management of newborn und possible interventions for analgesia is substantial, additional trainings and education in pain management should be considered. Additional practice may improve the accuracy using the PIPP. The utilization of subjective measurement tools by students (NRS) needs to be observed.
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