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Überlebenszeitanalyse Totaler Prothesen unter besonderer Berücksichtigung des Nachsorgebedarfs : eine retrospektive Longitudinalstudie

Mäule, Katja


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-136667
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13666/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Totalprothese , Überlebenszeitanalyse
Freie Schlagwörter (Englisch): complete dentures , full dentures , survival analysis
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 26.06.2018
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 25.07.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Die Totalprothetik verlor in den letzten Jahren zu Unrecht immer mehr an Aufmerksamkeit. Daher wurden anhand dieser Studie neue Daten zur Überlebenszeit und zum Nachsorgebedarf von Totalprothesen ermittelt. Ob verschiedene Faktoren einen Einfluss auf die Überlebenszeit oder die Wiederherstellungsmaßnahmen nahmen, wurde ebenfalls analysiert. Hinsichtlich des Nachsorgebedarfs wurde zwischen zwei Zeiträumen unterschieden: einmal direkt nach Eingliederung des neuen Zahnersatzes und einmal nach einer Eingewöhnungsphase von etwa 30 Tagen.
Die statistischen Analysen wurden mittels Kaplan-Meier-Methode und multipler COX-Regression durchgeführt. Das Signifikanzniveau „p“ wurde standartmäßig auf p ≤ 0,05 gesetzt.
Die Daten dieser Studie stammen von 871 Totalprothesen, die bei 642 Patienten im Zeitraum von 2004 bis Januar 2017 in der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Justus-Liebig-Universität in Gießen eingegliedert und nachuntersucht wurden.
Das Zielereignis, die Neuanfertigung, erfolgte nur bei 59 (6,8 %) der Totalprothesen. Die mittlere Überlebenszeit aller Totalprothesen betrug 10,7 ± 0,2 Jahre. Die 5-Jahres-Überlebensrate betrug 88,8 %, die 10-Jahres-Überlebensrate 73,9 %.
Als statistisch signifikante Einflussfaktoren erwiesen sich die Kieferlokalisation und die Recallteilnahme. Die mittlere Überlebenswahrscheinlichkeit einer Oberkiefertotalprothese betrug 11,2 ± 0,2 Jahre, die einer Unterkiefertotalprothese 9,4 ± 0,5 Jahre. Im Oberkiefer zeigten sich 5-/10-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeiten von 92 % bzw. 81,5 %, im Unterkiefer von 80,1 % / 55 %. Für die Recallteilnahme ergaben sich mittlere Überlebenszeiten von 11,4 ± 0,2 Jahre bei positiver Teilnahme und 8,8 ± 0,5 Jahre bei negativer Teilnahme. Bei positiver Recallteilnahme waren nach 10 Jahren noch 82,5 % der Prothesen in Funktion, bei negativer Teilnahme am Recallprogramm nur noch 52 %. Anhand der COX-Regression erwies sich zusätzlich zu genannten Faktoren das Alter bei Eingliederung als signifikante Einflussgröße.
Insgesamt wurden bei allen 871 Prothesen 3035 Wiederherstellungsmaßnahmen dokumentiert. Mindestens eine Wiederherstellungsmaßnahme benötigten 86,4 % aller Prothesen. Die häufigsten Maßnahmen stellten mit knapp 60 % die Druckstellenbeseitigung und mit etwa 20 % die Unterfütterung dar. Es zeigte sich, dass bei Unterkiefer- und bei Sofortprothesen öfter Druckstellen beseitigt werden mussten. Unterfüttert wurde häufiger im Oberkiefer und bei Spätprothesen.
Die mediane Überlebenszeit bis zur allerersten Maßnahme direkt nach Eingliederung betrug etwa 8 Tage. Zu den am häufigst durchgeführten Maßnahmen zählten mit 67,2 % das Entfernen von Druckstellen und mit 13,3 % die Unterfütterung. Unterkieferprothesen, Immediatprothesen und Prothesen von weiblichen Patientinnen benötigten signifikant früher eine Korrekturmaßnahme.
Nach 30-tägiger-Eingewöhnung war die häufigste Maßnahme mit knapp 40 % die Unterfütterung der Kunststoffbasis. Das Beseitigen von Druckstellen stellte nur noch zu 33,1 % die erste Maßnahme nach der Anpassungsphase dar. Die mediane Überlebenszeit bis zu solch einer Maßnahme betrug etwa 4,1 Monate. Für Immediatersatz, Unterkiefertotalprothesen und für Prothesen, die nicht im Recall auf Mängel überprüft wurden, zeigten sich signifikant verkürzte Überlebenszeiten. Die Gegenkieferbezahnung stellte sich ebenfalls als signifikant heraus. Aufgrund zu kleiner Fallzahlen in den Unterkategorien kann dieses Ergebnis allerdings angezweifelt werden.
Anhand dieser Ergebnisse lässt sich schlussfolgern, dass die Totalprothese nach wie vor gute Überlebenszeiten aufweist und somit weiterhin Mittel der Wahl bei der Versorgung des zahnlosen Kiefers ist.
Kurzfassung auf Englisch: In recent years the treatment of patients with complete dentures has moved out of focus. Therefore, the aim of this study was to analyze the survival probability as well as the need for maintenance of full dentures. Moreover, it was analyzed, if different factors had an influence on the survival time or the aftercare measures. Regarding the maintenance measurements two different time periods were observed: a) initial adjustments directly following the dentures’ insertion and b) need for maintenance during the functional period, starting 30 days after insertion.
The statistical analysis was performed using a Kaplan-Meier estimate, with a 95 % confidence interval (CL), for survival analysis as well as a Cox regression.
A total of 871 complete dentures which were incorporated in 642 patients between 2004 and January 2017 at the Department of Prosthodontics at the Dental Clinic in Gießen were observed.
During the observation period 59 (6.8 %) complete dentures had to be renewed (target event). The mean survival time of all complete dentures was 10.7 ± 0.2 years. The 5-year survival probability was calculated to be 88.8 % and the 10-year survival probability was calculated to be 73.9 %.
The localization of complete dentures (upper/lower jaw) and participation in follow-up visits were the only parameters influencing the survival time significantly. Complete dentures in the upper jaw showed a mean survival time of 11.2 ± 0.2 years, whereas complete dentures in the lower jaw showed mean survival times of 9.4 ± 0.5 years. The 5-/10-year survival probability of complete dentures in the maxilla was calculated to be 92 % / 81.5 %, in the mandible it was calculated to be 80.1 % / 55 %. If the patients attend into follow-up visits regulary the mean survival time of complete dentures was calculated to be 11.4 ± 0.2 years, in comparison to 8.8 ± 0.5 years if they did not attend. After 10 years the survival probability of complete dentures was calculated to be 82.5 % for patients who attend into follow-up visits and 52 % for patients who did not attend. The COX regression showed that the patients’ age at insertion had a significant influence on the survival time too.
In total, 3035 maintenance procedures were documented. 86.4 % of all complete dentures needed at least one adjustment. The most frequent treatments were the removal of pressure spots (60 %) and relining procedures (20 %). Complete dentures in the lower jaw and immediate complete dentures needed a removal of pressure spots more often. Relining procedures were performed more frequently in the upper jaw and in complete dentures, which were not manufactured directly.
The median survival time until the very first maintenance measurement was performed was about 8 days. Most frequent treatments were the removal of pressure spots (67.2 %) followed by relining (13.3 %). Dentures in the lower jaw, immediate dentures and dentures of female patients needed adjustments at a significantly earlier time.
30 days after insertion the most frequent treatments were relining (40 %) followed by removal of pressure spots (33.1 %). The median survival time until the first maintenance was performed was calculated to be 4.1 months. Immediate dentures, dentures located in the lower jaw and dentures, who were not examined in follow-up visits regularly, showed significant shorter survival times. Opposing teeth showed a significant impact on the survival time too.
In summary it can be said that complete dentures still provide good survival times and therefore they should be seen as a reliable treatment option for patients with edentulous jaws.
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