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Das komplexe Geschehen des Ernährungsverhaltens - Erfassen, Darstellen und Analysieren mit Hilfe verschiedener Instrumente zum Umgang mit Komplexität : (Nutrition-ecological Modeling, Sensitivitätsmodell und Cross-Impact-Bilanzanalyse)

The complex phenomenon of nutritional behavior - capturing, depicting, and analyzing with different instruments for tackling complexity : (nutrition-ecological modeling, sensitivity model, and cross-impact balance analysis)

Hummel, Eva


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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-134683
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13468/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Ernährungsverhalten , Komplexität , Nutrition-ecological Modeling , Sensitivitätsmodell , Cross-Impact-Bilanzanalyse
Freie Schlagwörter (Englisch): nutritional behavior , complexity , nutrition-ecological modeling , sensitivity model , cross-impact balance analysis
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung; Max Rubner-Institut Karlsruhe
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Haushaltswissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.10.2017
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 19.02.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Das Ernährungsverhalten ist für die hohe Prävalenz ernährungsabhängiger Erkrankungen von zentraler Bedeutung. Bisherige Maßnahmen zur Veränderung des Ernährungsverhaltens zeigen häufig nicht den erhofften Erfolg. Dies kann teilweise auf die Komplexität des Themas zurückgeführt werden. Auch wenn häufig in der Literatur beschrieben ist, dass das Ernährungsverhalten komplex ist, wird dem selten Rechnung getragen. An dieser Stelle setzt die vorliegende Arbeit an, indem drei Instrumente zum Umgang mit Komplexität im Bereich Ernährung erprobt werden. Durch die Anwendung dieser Instrumente sollen das Systemverständnis für das komplexe Geschehen des Ernährungsverhaltens erhöht und aus systemischer Sicht erfolgversprechende Ansatzpunkte zur Veränderung des Lebensmittelverzehrs identifiziert werden.
Dazu wird das Ernährungsverhalten als komplexes Geschehen erfasst, dargestellt und analysiert. Hierfür werden drei Instrumente zum expliziten Umgang mit Komplexität angewandt: Nutrition-ecological Modeling (NutriMod; entwickelt von Katja Schneider und Ingrid Hoffmann; in der vorliegenden Arbeit erweitert zu NutriMod+ST), Sensitivitätsmodell (SeMo; entwickelt von Frederic Vester) und Cross-Impact-Bilanzanalyse (CIB; entwickelt von Wolfgang Weimer-Jehle). Zum Erfassen werden, basierend auf einer grundlegenden Systembeschreibung, Einflussfaktoren auf den Lebensmittelverzehr auf einer aggregierten Ebene identifiziert und beschrieben sowie durch Zustände konkretisiert. Außerdem werden alle direkten kausalen Zusammenhänge zwischen den Zuständen der Faktoren in einer Einflussmatrix erfasst und durch Stärke und Typ konkretisiert. Die Darstellung erfolgt als zweidimensionales Ursache-Wirkungs-Modell und als Hyperlinkversion des Modells. Die Analyse besteht aus vier Teilen: konsistente Szenarien, Rückkopplungen, Rollen der Faktoren und Wirkungen von Impulsen.
Das Ziel, das Systemverständnis für das komplexe Geschehen des Ernährungsverhaltens zu erhöhen, wird auf vier Ebenen erreicht. Bezüglich Faktoren des Ernährungsverhaltens (Ebene 1) liegt in der Literatur bereits Wissen vor, das in der vorliegenden Arbeit durch die Aggregation zu 19 Faktoren neu strukturiert wird. Wissen bezüglich Richtung, Stärke und Typ der direkten kausalen Zusammenhänge zwischen allen Faktoren (Ebene 2) wird anhand von Experteninterviews systematisch erhoben und zu einer Systemsicht integriert, da dieses Wissen in der Literatur bislang nicht vorliegt. Bezüglich des Zusammenspiels der direkten kausalen Zusammenhänge (Ebene 3) wird das Systemverständnis erhöht, indem Wirkketten, Rückkopplungen, Multikausalitäten und Nebenwirkungen aufgezeigt und analysiert werden. Außerdem wird das Systemverständnis durch die Darstellung und Beschreibung von 45 konsistenten Kombinationen von Faktorzuständen (Szenarien) erhöht (Ebene 4).
Das Ziel, aus systemischer Sicht erfolgversprechende Ansatzpunkte zur Veränderung des Lebensmittelverzehrs zu identifizieren, wird anhand sich gegenseitig ergänzender Analysen erreicht. Insbesondere vier der 19 Faktoren sind aus systemischer Sicht erfolgversprechende Ansatzpunkte: Sozialisationsinstanz Familie, sozioökonomischer Status, soziale Identität und psychische Ressourcen. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass es nicht ausreicht, wenn Maßnahmen an einem dieser Faktoren ansetzen; vielmehr müssen die relevanten Faktoren parallel berücksichtigt werden.
Das Ziel, NutriMod+ST, SeMo und CIB als Instrumente zum Umgang mit Komplexität im Bereich Ernährung zu prüfen, wird erreicht, indem Stärken und Schwächen der Instrumente diskutiert und die Instrumente anhand von Herausforderungen für den Umgang mit Komplexität bewertet werden. NutriMod+ST liefert insbesondere bei der Darstellung und durch die Berücksichtigung der Mehrdimensionalität einen besonderen Beitrag zum Umgang mit Komplexität. Allerdings fehlen automatisierte Analysemöglichkeiten. Das SeMo ermöglicht über die Systembeschreibung einen guten Einstieg ins Thema. Anhand der Analyse der Rollen der Faktoren können mit dem SeMo Ansatzpunkte zur Veränderung des Systems identifiziert werden, allerdings ohne die Berücksichtigung indirekter Zusammenhänge. Andere Schritte des SeMo, wie die Kriterienmatrix, bringen nur wenige Erkenntnisse. Die CIB ist insbesondere aufgrund der umfangreichen Erfassung der Zusammenhänge zwischen Zuständen von Faktoren sowie aufgrund der vielfältigen Analysemöglichkeiten zielführend beim Umgang mit Komplexität im Bereich Ernährung. Allerdings fehlt eine Möglichkeit der Darstellung eines komplexen Geschehens. Die Ergebnisse zeigen, dass jedes einzelne Instrument, aber insbesondere die Kombination der drei Instrumente dazu beiträgt, ein umfassenderes Bild des komplexen Geschehens des Ernährungsverhaltens zu erhalten.
Kurzfassung auf Englisch: Nutritional behavior is of fundamental importance to the high prevalence of nutrition-related diseases. So far, approaches to modify nutritional behavior fail, partly because they do not consider the complexity of the issue. Even though complexity of nutritional behavior is often emphasized in literature, it is rarely taken into account. Here, the present work starts by testing three instruments for tackling complexity in the field of nutrition. By applying these instruments, understanding of the complex phenomenon of nutritional behavior is to be increased and starting points for modifying food consumption which are promising from a systems perspective are to be identified.
Thereto, the complex phenomenon of nutritional behavior is captured, depicted and analyzed. For this, three instruments for explicitly tackling complexity are applied: nutrition-ecological modeling (NutriMod; developed by Katja Schneider and Ingrid Hoffmann; further developed to NutriMod+ST in the present work), sensitivity model (SeMo; developed by Frederic Vester) and cross-impact balance analysis (CIB; developed by Wolfgang Weimer-Jehle). For capturing, based on a basal description of the system, factors influencing food consumption are identified and described on an aggregated level and specified by statuses. Additionally, all direct causal relationships between the statuses of the factors are captured in a cross-impact matrix and specified by strength and type. Depicting includes a two-dimensional cause-effect model and a hyperlink version of the model. Analyzing comprises four parts: consistent scenarios, feedback loops, roles of factors, and effects of external impulses.
The aim of increasing understanding of the complex phenomenon of nutritional behavior is achieved on four levels. Knowledge on the factors decisive for nutritional behavior (level 1) already exists in literature, which is newly structured by being aggregated to 19 factors in the present work. Knowledge on direction, strength, and type of the direct causal relationships between all factors (level 2) is systematically assessed by expert consultations and integrated to a systems perspective, because the required information cannot be found in literature so far. Regarding the interplay of the direct relationships (level 3), understanding of the system is increased by revealing and analyzing cause-effect chains, feedback loops, multicausalities, and side effects. Additionally, understanding of the system is increased by depicting and describing 45 consistent combinations of factor statuses (scenarios, level 4).
The aim of identifying starting points for modifying food consumption which are promising from a systems perspective is achieved by means of complementary analyses. Particularly four of the 19 factors are starting points which are promising from a systems perspective: agent of socialization family, socio-economic status, social identity, and psychological resources. Additionally, the results show that it is not sufficient if measures consider one of these factors; instead, the relevant factors need to be considered in parallel.
The aim of testing NutriMod+ST, SeMo and CIB as instruments for tackling complexity in the field of nutrition is achieved by discussing strength and weaknesses of the instruments and rating the instruments by means of challenges for tackling complexity. Especially with depicting and due to considering multidimensionality, NutriMod+ST provides a special contribution for tackling complexity. However, automatic possibilities for analysis are lacking. The SeMo enables a good start into the topic because of the description of the system. Analyzing the roles of factors with the SeMo enables to identify starting points for modifying the system, though without considering indirect relationships. Other steps of the SeMo, like the criteria matrix, yield only few findings. The CIB is worthwhile for tackling complexity in the field of nutrition, particularly due to the extensive capturing of the relationships between statuses of factors and due to the manifold possibilities for analysis. However, a possibility to depict a complex phenomenon is lacking. The results suggest that each single instrument, but especially the combination of the three instruments contributes to receiving a comprehensive picture of the complex phenomenon of nutritional behavior.
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