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Nosokomiale Infektionen, Antibiotikaeinsatz und multiresistente Erreger (MRE) in Langzeitpflegeeinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet

Proba, Patrick


Originalveröffentlichung: (2017) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (20.088 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-124486
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2017/12448/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Gesundheitsamt Frankfurt am Main
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6398-6
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.11.2016
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 23.01.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Nosokomiale Infektionen und multiresistente Erreger stellen ein zunehmendes Problem in Krankenhäusern dar. Obwohl diese Problematik mittlerweile auch die Altenpfle-geheime erreicht hat, ist die Studienlage zur Prävalenz nosokomialer Infektionen und multiresistenter Erreger in Langzeitpflegeeinrichtungen unzureichend. Um dem entge-genzuwirken, wurden im Rahmen dieser Studie aktuelle Punktprävalenzen zum Vor-kommen nosokomialer Infektionen und multiresistenter Erreger in Altenpflegeheimen im Rhein-Main-Gebiet 2013 ermittelt.
Insgesamt nahmen 29 Altenpflegeheime aus dem Rhein-Main-Gebiet mit 2606 Be-wohnern an dieser Studie teil. Mit Hilfe der etablierten HALT-Fragebögen (Anlage 2) wurden im Rahmen des HALT-2-Projektes Bewohnercharakteristika und Antibiotika-einsatz in den Altenpflegeheimen dokumentiert und zusätzlich, anhand der modi-fizierten McGeer-Kriterien, alle nosokomialen Infektionen erfasst. Zusätzlich dazu wurden in dieser Studie alle Bewohner, die dem schriftlich einwilligten, auf multiresistente Erreger (MRSA, ESBL/MRGN und VRE) untersucht. Insgesamt be-teiligten sich 690 Bewohner aus 26 Altenpflegeheimen an dieser weiterführenden Diagnostik. Hierzu wurden Abstriche aus Nase, Rachen und/oder der Analregion genommen und diese im „Institut für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene“ der Universität Frankfurt am Main auf MRSA, ESBL/MRGN und VRE untersucht. Die Datenerfassung in den Pflegeeinrichtungen erfolgte zwischen April und Juli 2013.
Ziel dieser Studie war die Erhebung aktueller Punktprävalenzen zu nosokomialen Infektionen und Antibiotikaeinsatz in Pflegeeinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet. Zudem wurde die Prävalenz der MRSA-, ESBL-/MRGN- und VRE-Besiedlung bei Bewohnern von Langzeitpflegeeinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet ermittelt und anhand der dokumentierten Bewohnercharakteristika (inkl. „medical devices“, Haut-barriereverletzungen, anamnestische Daten) wurden schließlich Risikofaktoren für eine MRE-Kolonisation sowie für nosokomiale Infektionen diagnostiziert.
Die Prävalenz nosokomialer Infektionen in Langzeitpflegeeinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet in dieser Studie lag bei 2,5%. Harnwegsinfektionen waren mit einem Anteil von 44,8% aller Infektionen die am häufigsten vorkommende Infektionsart, gefolgt von Hautinfektionen mit 29,8%. Atemwegsinfektionen (9%) und gastro-intestinale Infektionen (4,5%) kamen deutlich seltener vor.
Die Prävalenz des Antibiotikaeinsatzes lag bei 1,4%. Die am häufigsten eingenom-menen Antibiotika waren andere Beta-Laktame sowie Chinolone (je 27,8% aller Ant-ibiotika). Penicilline wurden eher selten eingesetzt (2,8% aller Antibiotika). Zusammen-fassend lässt sich sagen, dass der Antibiotikaeinsatz in Langzeitpflegeeinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet als vergleichsweise gering einzustufen ist. Dafür wurden häufig Breitspektrumantibiotika (v.a. Cephalosporine und Fluorchinolone) verwendet, welche einen hohen Resistenzdruck aufweisen.
Die in dieser Studie ermittelte Prävalenz von MRSA in Langzeitpflegeeinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet lag bei 6,5%. Die Prävalenz von ESBL und insbes. 3MRGN in Pflegeeinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet war mit 17,8% (ESBL) respektive 12,3% (3MRGN) unerwartet hoch. Insbesondere der hohe Anteil an 3MRGN wurde so bislang noch in keiner Studie beschrieben. Die Prävalenz von VRE war mit 0,4% sehr niedrig. Zusammenfassend zeigt sich eine hohe, jedoch stagnierende MRSA-Prävalenz sowie eine sehr hohe ESBL-Prävalenz (insb. 3MRGN). 4MRGN wurden im Rahmen dieser Untersuchung nicht gefunden. VRE stellt derzeit kein großes Problem dar.
Als Risikofaktoren für eine MRE-Kolonisation stellten sich die klassischen, aus der Literatur bekannten, Risikofaktoren dar. Eine Harnwegskatheterisierung (OR 4,228), die Versorgung mit einer PEG (OR 2,746) sowie eine Antibiotikatherapie (OR 2,610) innerhalb der letzten 3 Monate wurden als signifikante Risikofaktoren für eine MRSA-Kolonisation ermittelt. Eine ESBL-Kolonisation war signifikant lediglich mit dem Vorhandensein eines Harnwegskatheters (OR 1,962) assoziiert.
Als signifikante Risikofaktoren für eine Harnwegsinfektion wurden Harnwegskatheter (OR 6,7965) sowie männliches Geschlecht (OR 2,6890) diagnostiziert. Da Männer we-sentlich häufiger mit einem Harnwegskatheter versorgt waren als Frauen, müssen diese beiden Risikofaktoren jedoch kombiniert betrachtet werden. Als signifikante Risiko-faktoren für Hautinfektionen stellten sich Gefäßkatheter (OR 15,0702), Dekubiti (OR 9,4621), andere Wunden (OR 18,5909) sowie eine MRSA-Besiedlung (OR 5,9442) dar.
Kurzfassung auf Englisch: Nosocomial infections and multidrug-resistant organisms (MDRO) are an increasing problem in hospital care. Although this complex of problems has meanwhile reached nursing homes, data on the current prevalence of MDRO and nosocomial infections in long-term care facilities (LTCFs) are rare. To counter this deficit, this study determined carriage rates of MDRO and nosocomial infections in LTCF residents in the German Rhine-Main region in 2013.
A total of 29 LTCFs from the Rhine-Main region with 2606 inhabitants participated in this study. Using the well-established HALT questionnaire, characteristics of the in-habitants (e.g. sex, age, health characteristics…) and antibiotic treatment in the LTCFs were registered and additionally, according to the McGeer criteria, all nosocomial in-fections were recorded. Furthermore, all inhabitants who agreed to having swabs from nose, throaht and/or perineum, were analyzed for MDRO-colonization (MRSA, ESBL and VRE). A total of 690 inhabitants from 26 LTCFs took part in this continuative diagnostics. The swabs were tested in the „Institute for Medical Microbiology and In-fection Control“ from the university of Frankfurt for MRSA, ESBL/MRGN and VRE. The data acquisition in the LTCFs lasted from April to July 2013.
The aim of our study was to asses the current prevalence of nosocomial infections, antibiotic treatment and MDRO (MRSA, ESBL/MRGN and VRE) in LTCFs in the Rhine-Main district in Germany. Analyzing the determined data, risk factors for MDRO-colonization and nosocomial infections were identified.
The prevalence of nosocomial infections in LTCFs in the Rhine-Main-district in this study was 2,5%. Urinary tract infections (UTI) were the most frequent infections (44,8%), followed by skin infections (29,8%). Respiratory infections (9%) and gastro-intestinal infections (4,5%) were scarce.
The prevalence of antibiotic treatment was 1,4%. The most frequently reported anti-biotics were „other beta-lactams“ and Chinolone (each with 27,8%). Penicillins were used more scarcely (2,8%). Summing up, antibiotic treatment in LTCFs in the Rhine-Main district is comparatively low. In return, a high amount of broad-spectrum anti-biotics with a high resistance pressure were used (especially Cephalosporines and Fluor-chinolones).
The prevalence of MRSA in this study was 6,5%. The ESBL- and in particular the 3MRGN-prevalences were unexpected high, reaching 17,8% (ESBL) respectively 12,3% (3MRGN). Especially the high amount of 3MRGN has not been described in any other study yet. The prevalence of VRE in the studied LTCFs was very low (0,4%). Summing up, our study revealed a high but stagnating MRSA-prevalence and a much higher prevalence for ESBL/MRGN carriage, whereas VRE prevalence was very low in the participating LTCFs. 4MRGN have, as yet, not been detected in the residents in our studies.
Significant risk factors for a MRSA-colonization identified in this study proved to be urinary catheters (OR 4,228), percutaneous endoscopic gastrostomy tubes (OR 2,746) and an antibiotic therapy during the last three months (OR 2,610). The odds ratios for ESBL/MRGN carriage were significantly increased merely by having a urinary catheter (OR 1,962).
Urinary tract infections proved to be significantly associated with urinary catheters (OR 6,7965) and male gender (OR 2,6890). Given that male inhabitants were more frequently supplied with a urinary tract catheter than females, these two risk factors can only be regarded in combination. Skin infections in contrast were significantly associated with vascular catheters (OR 15,0702), decubiti (OR 9,4621), „other“ types of wounds (OR 18,5909) and MRSA-carriage (OR 5,9442).
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