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Unterschiede beim Stillverhalten türkischer Migrantinnen in Deutschland und türkischer Frauen in der Türkei

Gökmen Sepetcigil, Suzan


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-122653
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2016/12265/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Ernährungswissenschaft
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.06.2016
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 05.10.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Einleitung
Internationale Organisationen empfehlen, Kinder bis zu einem Alter von zwei Jahren und, wenn möglich, darüber hinaus zu stillen (WHO 1995, UNICEF 1999, Linkages 1999). Langes Stillen verringert die Entwicklung von Übergewicht, kindlichem Diabetes mellitus und Allergien. In Entwicklungsländern gibt es Hin-weise auf ein geringeres Erkrankungs- und Mortalitätsrisiko bei lange gestillten Kindern. Durch das Stillen kommt es bei der Mutter zur verbesserten Uterusrück-bildung, geringeren Blutungs- und Infektionsrisiken, mittelfristig rascher Ge-wichtsnormalisierung. Hinzu kommt eine bessere psychische Befindlichkeit und Schlafqualität sowie die begünstigte Entstehung einer intensiven Mutter – Kind - Beziehung. Langes Stillen schützt die Mutter vor Karzinomen, wie Brust-, Ge-bärmutter- und Eierstock-Karzinomen. Gesunde und reife Säuglinge mit einem Gewicht innerhalb der Referenzwerte bis zu sechs Monaten sollten ausschließlich gestillt werden (WHO 1998). Eine zu frühe Gabe von Muttermilchersatz-Produkten und/oder Beikost hat nachweislich einen entscheidenden Einfluss auf die Verkürzung der gesamten Stilldauer (DGE 2000). Zurzeit werden weltweit durchschnittlich etwa 44 % der Säuglinge drei Monate ausschließlich gestillt (UNICEF 2001). Die Stilldauer und das ausschließliche Stillen werden durch eine Reihe von Faktoren begünstigt: Der Integrationsgrad stellt bei Migrantinnen einen der wichtigsten Einflussfaktoren dar. Ziel der vorliegenden Arbeit war die Erfas-sung der Stilldauerunterschiede zwischen türkischen Müttern in der Türkei und türkischen Migrantinnen in Deutschland.
Methodik
Das Patientenkollektiv dieser Studie umfasste 91 Mütter im Alter zwischen 20 und 46 Jahren, aus dem Bundesgebiet Hessen und aus der Türkei am Schwarzen Meer. Das Patientenkollektiv wurde unterteilt in türkische Migrantinnen in Deutschland und türkische Frauen in der Türkei. Es wurde ein Fragebogen zur Ermittlung von persönlichen Daten und Stillcharakteristika vor Ort zusammen ausgefüllt. Außerdem wurden soziodemographische Unterschiede, wie z.B. das Alter der Mütter, die Bildung der Eltern sowie die Rauchgewohnheiten der Mutter daraufhin überprüft, ob sie zu einem Unterschied in Bezug auf das Stillen beitragen. Die deskriptive und analytische statistische Auswertung der Daten erfolgte mit dem Programm Superior Performance Software System (SPSS®).
Ergebnisse
In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass türkische Migrantinnen in Deutsch-land ihre Säuglinge weniger und kürzer stillen als deutsche Mütter und als türki-sche Mütter in der Türkei.
Diskussion
Die Gesundheitsberatung für türkische Mütter in Deutschland kann das türkische, lückenlose Unterstützungssystem und das daraus resultierende Stillverhaltende der in der Türkei lebenden Mütter als Vorbild übernehmen. Innerhalb der Studi-enpopulation haben die türkischen Mütter in Deutschland ein niedrigeres Bil-dungsniveau als Mütter in der Türkei. Sie und ihre Ehemänner benötigen bessere Informationen über die Vorteile des Stillens und die Nachteile des frühen Abstil-lens und des Zufütterns. Türkische Mütter in Deutschland sollten über das Still-verhalten der deutschen Mütter mit mittlerem und hohem Bildungsniveau, die mehr und länger gestillt haben, informiert werden. Speziell muss Wert auf das Stillen der Säuglinge von türkischen Migrantinnen nach einem Kaiserschnitt gelegt werden. In der Zusammenschau der oben genannten Studien mit anderen Ländern stellt der Migrationshintergrund der Mütter den Hauptgrund für das frühe Abstillen oder für die ausschließliche Gabe von industrieller Fertignahrung dar. Mütter, die aus anderen Ländern immigriert sind, stillen kürzer als in ihrem Hei-matland; und diejenigen, die ihre Kinder trotz Migrationshintergrund stillen, sind in den meisten Fällen jene Mütter, die ein Unterstützersystem in Anspruch nehmen konnten.
Kurzfassung auf Englisch: Introduction
Exclusive breastfeeding is recommended by International Organizations up to two years of age and beyond. Long breastfeeding can reduce obesity, infantile diabetes and allergies. In developing countries, there are hints of a lower morbidity and mortality risk associated with long breastfeedings. Breastfeeding improves mothers’ uterus healing, causes a reduction of bleeding and infection risks and in middle term fast normalization of weight. In addition, it generates a better mental status and sleep quality. Additionally, it is developing an intense relationship between mother and child. Long breastfeeding protects the mother against dangerous carcinomas like breast, cervical and ovarian carcinomas. Healthy infants at a weight within the reference range up to six months age should be feed exclusively with the mother’s milk from the breast. Too early feeding with breast milk compensation products and/ or additional foods has a proven significant impact on the reduction of the total of breastfeeding period. Currently about 44 % of infants worldwide are fed with mother’s milk from the breast in average just for three months (UNICEF, 2001). The period of breastfeeding and breastfeeding itself are benefited by a number of factors: The progress of integration of female immigrants is one of the most important factors. The purpose of this study was to compare the differences in duration of breastfeeding between mothers in Turkey and Turkish migrants in Germany.
Methodology
The study sample consists of 91 mothers with age between 20 and 46, in the State of Hessen and from the Black Sea region of Turkey. The patient population was divided into Turkish migrant mothers in Germany and Turkish mothers in Turkey. A questionnaire was filled in together to identify personal data and the character-istics of the breastfeeding. Socio-demographic differences were checked as well, such as the age of the mothers, the education of parents and the smoking habits of the mother to see whether they contribute a difference in relation to breastfeeding. The descriptive analytical and statistical evaluation of the data was performed with the program Superior Performance Software System (SPSS ®).
Results
In this study it was shown that Turkish migrants in Germany feed their sucklings shorter and less than German mothers in Germany and Turkish mothers in Turkey with breast milk.
Discussion
The health advice for Turkish mothers in Germany can be taken over from the
Turkish complete supporting system. The results of the suckle behavior of mothers living in Turkey should be used as a model for Germany. Turkish migrant mothers in Germany in our study have a lower level of education than mothers in Turkey. They and their husbands need better information about the benefits of breastfeeding and the disadvantages of early weaning and feeding without breast milk. Turkish mothers in Germany should be informed about breastfeeding
behavior of German mothers with medium and high level of education, which have breastfed more and longer. There has to be given value especially on breast-feeding of sucklings from Turkish migrants mothers after a caesarean section. In the synopsis of the studies above with other countries, the migration of the moth-ers is the main reason for early weaning or for the exclusive administration of finished industrial food. Mothers who are immigrated in other countries, breast-feed shorter than those in their home country. Those with migration background, who breastfeed their children for a long time, were in most cases able to benefit from a supporter system.
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