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Soziale Interaktion, Lebensqualität und Krankheitsverarbeitung bei Akne-Patienten : Fall-Kontroll-Studie mit 32 Akne-Patienten und einer parallelisierten Gruppe Gesunder

Dittmer, Julia Gesine Erdmute


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-122599
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2016/12259/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Universitäts-Hautklinik
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.06.2016
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 01.09.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund
Acne vulgaris ist mehr als ein vorübergehendes Pubertätsproblem: Sie kann schwere psychische Folgeerscheinungen verursachen.
Fragestellung
In der vorliegenden zweiarmigen Studie sollten Erkenntnisse zu sozialer Interaktion, Lebensqualität und Krankheitsverarbeitung von Akne-Patienten im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe gewonnen werden. Besonderes Interesse galt dabei der sozialen Interaktionsangst und dem Affekt Ekel. Ferner wurde die Entwicklung der genannten Parameter im Verlauf einer lokalen medikamentösen Therapie untersucht.

Methoden
Mittels Zeitungsannoncen und öffentlicher Aushänge im Stadtgebiet Gießen wurde eine Gruppe von 32 Teilnehmern mit leichter bis mittelschwerer Acne vulgaris im Gesicht im Alter von 15 bis 45 Jahren aus der Bevölkerung rekrutiert. Parallelisiert in Bezug auf Geschlecht, Alter und Schulbildung wurde zusätzlich eine Kontrollgruppe von 32 Gesunden erhoben.
Den ersten Studienarm bildete eine Fall-Kontroll-Studie. Zur Evaluation der gruppenspezifischen Unterschiede in Bezug auf die oben genannten psychischen Parameter wurde in beiden Gruppen ein Studienfragebogen erhoben, der sich aus mehreren renommierten Einzelfragebögen zusammensetzte: dem Hautzufriedenheitsfragebogen (HautZuf), der Social Interaction Anxiety Scale (SIAS), dem Fragebogen zur Beurteilung des eigenen Körpers (FBeK) und dem Fragebogen zum Gesundheitszustand (SF-36). Zudem wurden einige Sozialdaten erfasst.
Der zweite Studienarm war als Verlaufstudie konstruiert. Die Stichprobe mit Akne erhielt eine 12-wöchige lokale medikamentöse Behandlung. Vor Beginn und nach Abschluss der Therapie wurde der Schweregrad der Akne mittels ISGA-Skala und Auszählung der Effloreszenzen bestimmt und der Studienfragebogen ausgefüllt. Zusätzlich wurde zu beiden Messzeitpunkten der Cardiff Acne Disability Index (CADI) erhoben. Somit sollte in diesem Teil die Entwicklung der Prüfparameter unter dem Einfluss des Therapie-Effektes ermittelt werden.
Ergebnisse
Bezüglich der Sozialdaten fanden sich aufgrund der Parallelisierung zwischen beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede.
Fall-Kontroll-Studie. Die beiden Hauptzielkriterien präsentierten sich folgendermaßen: Die soziale Interaktionsangst (SIAS) erbrachte überraschend in beiden Gruppen gleich niedrige, unbedenkliche Punktwerte. Dagegen zeigte die Akne-Gruppe ein hoch signifikant erhöhtes Ekelgefühl (HautZuf). In der weiteren Auswertung beurteilten die Akne-Patienten ihre Attraktivität und ihr Selbstvertrauen im FBeK deutlich schlechter als die Kontrolle (hoch sign.). Im SF-36 wurde bei den Betroffenen nun doch eine signifikante Einschränkung der sozialen Funktionsfähigkeit nachgewiesen. Verlaufstudie. Im Therapieverlauf kam es bei der Akne-Gruppe zu einer hoch signifikanten Abnahme des ISGA-Wertes und der Gesamtzahl der Läsionen im Gesicht. Parallel sank die Lebensbeeinträchtigung gemessen im CADI ebenfalls hoch signifikant. Währenddessen nahm die herabgesetzte Selbstberührung im HautZuf signifikant zu. In der Skala „Unsicherheit/Besorgnis“ des FBeK kam es unerwartet im Laufe der Behandlung ebenfalls zu einer signifikanten Zunahme. Im Geschlechtervergleich zeigten sich die Frauen deutlich stärker durch die Erkrankung in der Lebensqualität beeinflusst als die Männer (CADI). Dafür erlangten sie einen größeren prozentualen Rückgang der Akne-Läsionen.
Schlussfolgerung
Insgesamt kam es durch die lokale, medikamentöse Therapie zu einer hoch signifikanten Herabsetzung des Akne-Schweregrads.
Bezüglich der sozialen Interaktion und Funktionsfähigkeit ergaben sich bei den Akne- Patienten widersprüchliche Ergebnisse. Die Lebensqualität zeigte sich zunächst im Vergleich mit der Kontrollgruppe kaum beeinträchtigt, bei Auswertung des Akne- spezifischen CADI konnte jedoch eine deutliche Minderung der Lebensqualität, verstärkt bei den weiblichen Patienten, nachgewiesen werden, die sich im Therapieverlauf besserte. Die Krankheitsverarbeitung wird bei Menschen mit Akne durch mehrere Faktoren beeinflusst und erschwert: Die Patienten erleben ein signifikant erhöhtes Maß an Ekel, auch gegenüber sich selbst, was eine Distanzierung vom eigenen Körper begünstigt. Dadurch können sie Berührung und Pflege des eigenen Körpers nicht als wohltuend empfinden. Das Gefühl, für andere Menschen unattraktiv und abstoßend zu sein, wirkt sich negativ auf das Selbstvertrauen aus und kann zu Complianceproblemen führen.
Auch wenn nicht bei jedem Menschen mit Akne zwingend eine psychische Beeinträchtigung zu erwarten ist, verdeutlicht diese Untersuchung doch, dass die Akne ernstzunehmende Folgeerscheinungen provozieren kann, die im Ursprung erkannt und einer adäquaten Therapie zugeführt werden sollten.
Kurzfassung auf Englisch: Background
Acne vulgaris is more than just a passing problem of adolescence: It can cause severe psychological morbidity.
Objective
This two-armed study was aimed to obtain perceptions about social interaction, quality of life and coping of individuals with acne compared to a healthy control group. In particular we were interested in social interaction anxiety and the emotion of disgust. Furthermore, the changes of the criteria named above under a local medical treatment were investigated.
Methods
Using press advertisement and notices at public places in the urban area of Giessen a group of 32 subjects with mild to moderate facial acne aged 15 to 45 years was recruited from the population. Parallelized in gender, age and education to the acne patients a control group of 32 individuals without skin disease was formed.
The main methodological features of the present study can be divided into two distinct areas. The first area was a case-control study. In the effort to index group-specific differences related to the mentioned psychological criteria, both of the groups had to answer a sample of well-respected self-report questionnaires including the Skin Satisfaction Questionnaire (SSQ = Hautzuf), the social interaction anxiety scale (SIAS), a questionnaire evaluating the own body (FBeK) and the Short Form 36 (SF-36). Additionally, demographic data were collected.
The second area had a follow-up design, to assess changes of the psychological criteria under the effect of a local medical treatment. Subjects with acne received a local medical treatment for 12 weeks. Clinical severity was measured using Investigator’s Static Global Assessment (ISGA) and total lesion count. Facial skin examinations and questionnaires were held at baseline and 12 weeks. Additional to the mentioned questionnaires the acne group had to fill in the Cardiff Acne Disability Index (CADI) at both measuring times.
Results
The statistical analyses showed that because of parallelisation acne and control group did not significantly differ in their social status.
Case-control-study. The main objects presented the following results: surprisingly, in social interaction anxiety (SIAS) both groups scored on an uncritical level. Acne group showed a significantly increased grade of disgust (SSQ). Further analyses elucidated that patients with acne rate their attractiveness and self-confidence at FBeK much lower than control subjects. At SF-36, however, acne sufferers reported a significant reduction of social functioning.
Follow-up study. Treatment produced highly significant improvements of ISGA-level and total facial lesion count. Simultaneously, impairment of life measured by CADI declined with high significance as well. The reduced level of self-touching at SSQ improved under dermatological treatment. As an unexpected effect, the FBeK scale of “self-consciousness/anxiety” even scored significantly higher after therapy. Women with acne were significantly more affected in their quality of life than their male counterparts (CADI). However, percentage decrease of acne lesions was bigger in them.
Conclusion
Concerning social interaction and functioning of individuals with acne results in this study were inconsistent. Quality of life initially showed no significant differences compared to the control group, but the analysis of acne-specific CADI revealed distinct limitations in everyday life, particularly in women, which improved under treatment. Coping with acne is affected and complicated by several factors: Patients suffer from a significantly increased level of disgust, even regarding themselves, which may cause alienation of the own body. Thus, they don’t benefit from self-touching. The feeling of being less attractive and disgusting has a negative impact on self-confidence and can lead to lack of compliance.
Of course, psychological morbidity should not be suspected in every human being with acne. However, the results of this study demonstrate, that acne frequently may have serious psychological consequences, which should be recognised in the early stages and obtain appropriate treatment.
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