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Zonenspezifische Ergebnisse nach matrixgekoppelter autologer Chondrozytenimplantation bei isolierten Knorpelschäden am Kniegelenk: MRT-Ergebnisse nach 1 und 2 Jahren

Bender, Fabienne


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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-122335
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2016/12233/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik und Poliklinik für Orthopädie und orthopädische Chirurgie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.07.2016
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 19.08.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Bei stark limitierter Selbstheilungsfähigkeit von hyalinem Knorpel stehen mehrere Therapieverfahren zur Verfügung, um Knorpeldefekte zu behandeln und einer möglichen Arthrose präventiv zu begegnen. Als Weiterentwicklung der Tissue-Engineering-Verfahren konnte als eine weitere Therapieoption die matrixgekoppelte autologe Chondrozytenimplantation (MACI) in der Absicht etabliert werden, körpereigene Chondrozyten in vitro auf einer Kollagenmatrix zu kultivieren und anschließend in einen isolierten Knorpeldefekt zu transplantieren. Im Rahmen dieser kontrollierten retrospektiven Studie sollte geklärt werden, ob im zeitlichen Verlauf nach der Operation radiologisch eine Defektauffüllung durch das Transplantat zu erkennen war und ob dieses MR-morphologisch dem gesunden Umgebungsknorpel entsprach. Dabei sollte auch untersucht werden, ob zonenspezifische Unterschiede zwischen den Femurkondylen und dem patellotrochlearen Kompartiment bestanden. Außerdem wurde geprüft, ob eine Korrelation zwischen radiologischen und klinischen Ergebnissen bestand.
Im Zeitraum zwischen Oktober 2004 und März 2008 wurden 43 Patienten mit isolierten Knorpeldefekten dritten und vierten Grades nach Outerbridge am Kniegelenk mit MACI behandelt. Bei 40 Patienten konnten Daten aus bis zu zwei Jahren postoperativ erhoben und somit in dieser Studie berücksichtigt werden. Die MRT-Daten wurden dabei drei, sechs, zwölf und 24 Monate postoperativ ermittelt und jeweils mit dem Lysholm-Score als subjektivem Funktionsscore korreliert. Im zeitlichen Verlauf konnte so eine signifikante Dickenzunahme des Transplantats gefunden werden. Wir fanden zudem im Verlauf bis 24 Monate postoperativ eine Annäherung des Signalunterschiedes vom Regenerat zum gesunden Umgebungsknorpel. Allerdings stellte sich nie eine komplette Signalangleichung dar, so dass wir davon ausgehen konnten, dass sich durch MACI unter MR-morphologischen Gesichtspunkten allenfalls hyalinartiges Gewebe gebildet hatte. Wir konnten in unserer Studie nahezu keinen Zusammenhang zwischen MRT-Ergebnissen und Patientenalter finden (Ausnahme: Homogenität in der fettsupprimierten 3D-Gradientenechosequenz nach 24 Monaten). Auch zwischen MRT-Ergebnissen und BMI bestand außer einer Korrelation zwischen Homogenität und BMI nach 24 Monaten in der 3D-Akquisition kaum ein statistisch signifikanter Zusammenhang. Weitere Merkmale wie Knochenmarksödem, Knochenwachstum sowie Lückenbildung zwischen Transplantat und gesundem Knorpel hatten ebenfalls keinen Einfluss auf das klinische Ergebnis. Insgesamt konnten wir eine Korrelation zwischen MRT-Ergebnissen und Lysholm-Score ausschließen; eine Zonenspezifität ließ sich ebenfalls nicht erkennen. Wir empfehlen daher, zur postoperativen Verlaufskontrolle nach knorpelreparativen Verfahren sowohl subjektiv-klinische Parameter als auch objektive Merkmale zu erfassen.
Die MACI stellt eine gute Methode zur operativen Therapie isolierter höher- und hochgradiger Knorpeldefekte (Outerbridge 3° bis 4°) bei richtiger Indikationsstellung unabhängig von Defektlokalisation, Alter und BMI am Kniegelenk mit guten MR-morphologischen Ergebnissen bis zu zwei Jahren nach der OP dar. Der MRT kommt eine wichtige Rolle im Rahmen der Erhebung objektiver Resultate zu. Zur Aussagekraft der objektiven Langzeiterfolge müssen allerdings weitere randomisierte Untersuchungen mit größerem Studienkollektiv durchgeführt werden. Dabei sollte zur Beurteilung der Gewebequalität durchaus auch auf neuere bildgebende Untersuchungstechniken wie dGEMRIC, DWI und T2-Mapping zurückgegriffen sowie einheitlichere Klassifikationssysteme herangezogen werden.
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