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Psychosoziale Faktoren bei sehr kleinen Frühgeborenen mit Essstörung : eine qualitativ-quantitative Studie

Psychosocial factors of eating disorders in premature infants : a qualitative and quantitative analysis

Müller, Kathrin


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-118764
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2016/11876/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Frühgeborene , Essstörung , psychosoziale Faktoren
Freie Schlagwörter (Englisch): premature infants , eating disorders , psychosocial factors
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Abteilung Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
Fachgebiet: Medizin fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 10.12.2015
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 20.01.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund: Frühgeborene haben es aufgrund ihrer Unreife besonders schwer, den komplexen Vorgang der Nahrungsaufnahme zu erlernen. Aufgrund ihrer Unreife werden sie zu Beginn ihres Lebens in einem intensivmedizinischen Setting versorgt, wodurch die Nahrungsaufnahme und somit auch die Ausbildung des Gefühls von Hunger und Sättigung behindert ist. Diese Faktoren bedingen, dass sie es besonders schwer haben die komplexe Koordination von Atmung, Nahrungsaufnahme, Körperhaltung und Schlucken zu erlernen. In dieser Zeit ist zudem das Familiensystem geprägt von Sorgen und Angst um das Frühgeborene.
Ziel: Ziel der Studie war es die psychosozialen Faktoren von Essstörungen bei Frühgeborenen genauer zu untersuchen und sich dabei auf Interaktions- und Familienprobleme zu fokussieren. Methoden: Untersucht wurden alle in einem Zeitraum von 24 Monaten zwischen Mai 2012 und April 2014 am Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Standort Gießen lebendgeborenen Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500g und einer Entbindung vor der 32. Schwangerschaftswoche bis zum 1. Lebensjahr. Im Maximum wurden somit 39 Frühgeborene 68 Elternteile wiederholt mittels Fragebogenbatterie untersucht, und dabei erfasst, ob das Frühgeborene eine Essstörung entwickelt hat und wie zu diesem Zeitpunkt das Ausmaß der psychosozialen Belastung bei den Eltern ist. Ergebnis: Es zeigte sich zu Messzeitpunkt T0 (n=39) 12,8%, zu T1 (n=32) 12,5%, zu T2 (n=30) 16,7% und zu T3 (n=24) 12,5% eine Essstörung bei Frühgeborenen. Dabei zeigten die Väter von essgestörten Frühgeborenen mit p = .04 signifikant mehr Probleme im Bereich als Alexithymie als die Vergleichsgruppe Väter Frühgeborener ohne Essstörung. Zudem zeigen die Väter zu Messzeitpunkt T2, dem Zeitpunkt mit dem höchsten Auftreten einer Essstörung, in den Allgemeinen Familienbögen mit p = .008 signifikant mehr Probleme in der Kontrolle und mit p = .05 signifikant mehr Probleme in der Angst vor dem Verlassenwerden im Vergleich. Im Bereich des Temperaments, gemessen durch den Infant Characterstic Questionnaire, beschrieben die Mütter von essgestörten Frühgeborenen diese mit p = .04 als signifikant weniger „behäbig, schwerfällig“ im Vergleich und die Väter sie zwischen den Messzeitpunkten als signifikant unvorhersagbarer. Diskussion: Es entsteht somit der Eindruck, dass die Väter in der Interaktion mit Familie bei auftretender Essstörungsproblematik die Spontanität in ihrem Handeln verlieren und das Familiensystem mehr kontrollieren. Die Machtkämpfe, die bei Essstörungen zwischen Kindund fütternder Mutter entstehen, haben sich in dieser Untersuchung, wie es scheint, auf eine andere Ebene wiederholt. Die Temperamentsbeschreibung zu dieser Phase unterscheidet sich insbesondere in der Dimension „Schwierigkeit, Behäbigkeit“, da Mütter von Kindern mit einer Essstörung diese signifikant weniger auffällig in diesem Bereich beschreiben. Hintergrund für die signifikanten Auffälligkeiten bei den Vätern im Gegensatz zu den Müttern könnte zum einen in der Passivität der Väter begründet sein, die sich durch die hauptsächliche Versorgung des Kindes durch die Mutter und die berufliche Tätigkeit der Väter erklärt. Aufgrund der annähernd signifikanten Abwehr im Antwortverhalten der Mütter bleibt es jedoch zu diskutieren, welchen Anteil dieses Antwortverhalten der Mütter hat, indem sie keine signifikanten Belastungen angeben.
Kurzfassung auf Englisch: Background: Due to overarching developmental lacks, premature infants experience particular hassle in adopting the complex process of nutritional intake. Because of their immaturity, at the beginning of her life in an intensive care setting is provided. As a result, food intake and thus the formation of the feeling of hunger and satiety is disabled.. These factors imply that they have a particularly difficult time to learn the complex coordination of breathing, food intake, body posture and swallowing. During this time, the family system is also overshadowed by worry and anxiety about premature babies.
Objective: This study aimed to explore the psychosocial factors of eating disorders in premature infants with a focus on family interactions and problems.
Methods: Between May 2012 and April 2014, for a period of 24 months, all infants born alive at the Center for Child and Adolescent Medicine, Justus-Liebig-University Giessen, before the 32. week of gestation with less than 1500g birth weight were studied until the completion of their first year of life. Therefore, 39 premature infants and 68 parental care-givers were repeatedly assessed through questionnaires in respect to the occurrence of an eating disorder and the extent of accompanying psychosocial burdens at that point in time. Results: Eating disorders occured at t0 (n=39) with 12.8%, at t1 (n=32) with 12.5%, at t2 (n=30) with 16.7% and at t3 (n=24) with 12.5%. Paternal care-givers of premature infants with an eating disorder were assessed with significantly more problems in terms of alexithymia than those with premature infants without an eating disorder (p = 0.04). At t2, when most eating disorders manifested, paternal care-givers of premature infants with an eating disorder also experienced significantly more issues with control (p = 0.008) and the fear of splitting up in the general family assessment questionnaire.. As to temperament, 92 assessed by the infant characteristic questionnaire, maternal care-givers of premature infants with an eating disorder described them as being less sober, paternal care-givers as less irregular than their equivalent care-givers of premature infants without an eating disorder. Discussion: It seems that male parents loose spontaneity in their interaction with the family system but try to exercise increased control over it, once an eating disorder occurs. In this study, the power struggle between feeding mothers and their premature infants with an eating disorder thus appear to have repeated at another level. The maternal description of their infant´s temperament during the occurrence of the eating disorder particularly differs in that they describe them as significantly less abnormal in the dimension of soberness. One possible explanation for the significant peculiarities of male in contrast to female parents could be their passivity rooted in most care to the infant being provided through the female as well as their occupational obligations. In light of the almost significant level of resistance in the females questionnaire responsiveness, it remains to be discussed as to what extend this resistance behavior is due to their lack of usual burdens.
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