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Urodynamische Effekte intravenös applizierten Trospiumchlorids

Urodynamic effects of intravenously applied trospium chloride

Eichkorn, Tobias


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-118667
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2016/11866/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Trospiumchlorid , Urodynamik , Detrusorhyperaktivität
Freie Schlagwörter (Englisch): trospium chloride , TCD , urodynamic , detrusor overactivity
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Chirurgie, Anästhesiologie und Urologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.11.2015
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 12.02.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Mit unserer Arbeit wurde erstmalig ein urodynamisches Wirkungsprofil für die intravenöse Applikationsform des Trospiumchlorids erstellt. Es bildet somit in der wissenschaftlichen Literatur ein Novum.
Bei einer Grundgesamtheit von 112 Patienten, die an einer Detrusorhyperaktivität litten, wurden im kurzen zeitlichen Abstand jeweils zwei zystomanometrische Messungen durchgeführt. Die erste Messung erfolgte nativ, die zweite 20 min nach intravenöser Applikation von 2 mg Trospiumchlorid. Anhand der gewonnenen Daten und deren Analyse erfolgte der Vergleich beider Messungen. Dabei konnten wichtige Erkenntnisse über die urodynamische Wirkung von TCD i.v. gewonnen werden. Sowohl in der Blasenfüllungs- als auch in der Miktionsphase waren nach Applikation von Trospiumchlorid deutliche Veränderungen zu verzeichnen:
In der zweiten Messung trat bei 34,8% der Patienten keine DHA mehr auf. Wenn es weiterhin zu einer DHA kam, so war der Druckaufbau während der DHA deutlich kleiner. Die errechnete Anzahl an DHA pro 100 ml Infusionsvolumen und der Detrusor Overactivity Index war niedriger. Das Blasenfüllungsvolumen beim ersten Auftreten einer DHA und beim ersten Auftreten eines Urinverlustes war größer. Gleiches galt für die maximale Blasenkapazität nach Gabe von TCD. Die Anzahl an Patienten, bei denen es zu einem Urinverlust kam und die Urinverlustmenge pro 100 ml Infusionsvolumen verringerten sich signifikant. Zusätzlich erhöhte sich das Blasenfüllungsvolumen beim ersten Auftreten eines Urinverlustes nach Applikation von TCD i.v.
Die Ergebnisse, die in der Miktionsphase erhoben wurden, spiegelten deutlich die relaxierende Wirkung von TCD i.v. auf die Detrusormuskulatur wieder. So verspürten weniger Patienten einen imperativen Miktionsdrang und es kam zu einer Zunahme an Patienten, die bei der Miktion die Detrusorkontraktion mittels Bauchpresse unterstützten. Bei mehr als der Hälfte der Patienten kam es in der zweiten Messung zu Harnverhalt. Bei Patienten, bei denen es bei der TCD-Messung zur Miktion kam, war der maximale Detrusordruck deutlich verringert, jedoch ohne Reduzierung der Flussgeschwindigkeit bei der Miktion. Die Anzahl der Patienten, bei denen ein Restharn vorlag und auch die gemessene Restharnmenge waren größer als in der nativen Messung.
Unsere Ergebnisse zeigen zum einen, dass es nach intravenöser Gabe von 2,0 mg TCD bezogen auf urodynamische Untersuchungen nach oraler Gabe von TCD zu vergleichbaren Veränderungen in der Blasenfüllungsphase kommt. Zum anderen konnten wir in der Miktionsphase jedoch nachweisen, dass nach i.v.-Gabe von TCD Einschränkungen des Detrusors nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind. Dies legt die Vermutung nahe, dass die intravenöse Applikation von 2,0 mg TCD eine Dosierung außerhalb des 2011 von Andersson beschriebenen „Therapeutischen Fensters“ darstellt.
Auch die Korrelationsanalyse unserer gewonnenen Daten ergab eine Reihe aufschlussreicher Zusammenhänge. So konnten wir aufzeigen, dass Patienten mit einem höheren maximalen Druck während der DHA in der ersten Messung eine stärkere Reduktion des Druckaufbaus nach Gabe von TCD erfahren. Dementspre-chend kam es bei Patienten mit SVO nach intravenöser Applikation von TCD i.v. zu einer stärkeren Reduktion des Druckes sowohl bei der DHA als auch bei der Miktion, da sie in beiden Fällen nativ höhere Drücke aufwiesen. Wir konnten nachweisen, dass bei einem früheren Auftreten eines Urinverlustes oder einer DHA eine niedrigere Blasenkapazität zu erwarten ist. Dies galt sowohl für die native Messung als auch für die Messung nach Gabe von TCD.
Während sich in der Literatur bereits zahlreiche Veröffentlichungen zur urodynamischen Wirkung von oral verabreichtem TCD finden, beschrieben wir mit dieser Arbeit erstmalig die urodynamischen Veränderungen in der Blasenfüllungsphase und der Miktionsphase durch die intravenöse Gabe von TCD. Unsere Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass sich der Einsatzbereich des intravenös applizierten TCDs aufgrund der urodynamischen Wirkung deutlich von dem des oral verabreichten TCDs unterscheidet. So liefert unsere Arbeit wertvolle Hinweise für die praktische Anwendung der intravenösen Applikationsform von TCD. Es konnte demonstriert werden, dass das Medikament idealerweise immer dann bei Patienten mit DHA Anwendung findet, wenn zum einen eine reduzierte Ausprägung der DHA und eine ausreichende Blasenkapazität bei schneller Wirksamkeit gewünscht und zum anderen die nachfolgende Katheterisierung möglich ist.
Kurzfassung auf Englisch: With our work a urodynamic effectiveness profile for the intravenous administration of trospium chloride has been created for the first time. It therefore constitutes a novelty in scientific literature.
With a population of 112 patients suffering from detrusor overactivity two cystomanometric measurements were each carried out at short intervals. The first measurement was carried out plain, the second 20 minutes after intravenous administration of 2 mg trospium chloride. On the basis of the data obtained and its analysis, comparison of both measurements was carried out. In this way important information about the urodynamic effectiveness of TCD i.v. could be obtained. Following administration of trospium chloride definite changes were to be recorded both in the bladder filling phase as well as in the micturition phase:
In the second measurement DOA no longer occurred in 34.8% of the patients. If DOA still occurred, then the build-up of pressure during the DOA was definitely less. The calculated quantity of DOA per 100 ml infusion volume and the Detrusor Overactivity Index was lower. The bladder filling volume with the first occurrence of DOA and with the first occurrence of a urine loss was greater. The same applied for the maximum bladder capacity following administration of TCD. The number of patients, with whom a urine loss occurred and the quantity of urine loss per 100 ml infusion volume reduced significantly. In addition, the bladder filing volume with the first occurrence of a urine loss increased following administration of TCD i.v.
The results, which were recorded in the micturition phase, clearly reflected the relaxing effect of TCD i.v. on the detrusor muscle. Thus fewer patients noticed an imperative urge to pass urine and there was an increase in patients, who during micturition supported the detrusor contraction with abdominal straining. With more than half of the patients urinary retention occurred in the second measurement. With patients, with whom micturition occurred with the TCD measurement, the maximum detrusor pressure was markedly reduced, although without reduction of the flow rate on micturition. The number of patients, with whom there was residual urine and also the measured quantities of residual urine were greater than in the plain measurement.
Our results show on the one hand that following intravenous administration of 2.0 mg TCD related to urodynamic examinations following oral administration of TCD comparable changes in the bladder filling phase occur. On the other hand, in the micturition phase we were however able to demonstrate that following i.v. administration of TCD limitations of the detrusor are not the exception, but are the rule. This suggests that we can assume that intravenous administration of 2.0 mg TCD represents a dosage outside of the "therapeutic window" described by Andersson in 2011.
The correlation analysis of the data we obtained showed a series of interesting connections. Thus we were able to show that patients with a higher maximum pressure during the DOA in the first measurement experienced a more severe reduction in the build-up of pressure following administration of TCD. Correspondingly, with patients with subv esical obstruction following intravenous administration of TCD i.v. a more severe reduction in pressure occurred both with the DOA as well as with micturition because in both cases on plain measurement they showed higher pressures. We were able to demonstrate that with an earlier occurrence of a urine loss or DOA a lower bladder capacity is to be expected. This applied both for the plain measurement as well as for the measurement following administration of TCD.
Whilst numerous publications on the urodynamic effectiveness of orally administered TCD are already to be found in the literature, with this work we described for the first time the urodynamic changes in the bladder filling phase and the micturition phase by the intravenous administration of TCD. Our results impressively show that because of the urodynamic effect there is a clear difference in the range of application of intravenously administered TCDs and orally administered TCDs. Thus our work provides valuable information for the practical application of the intravenous form of administration of TCD. It could be demonstrated that ideally the drug always then finds an application with patients with DOA if, on the one hand, a reduced form of the DOA and sufficient bladder capacity with rapid efficacy are desired and if, on the other hand, subsequent catheterisation is possible.
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