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Schuhreform, Bewegung, Körperbilder : Umrisse einer Kontroverse des 19. Jahrhunderts

Breyer, Nike U.


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Zweite, ergänzte und korrigierte Fassung


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-118186
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11818/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Fachgebiet: Germanistik
DDC-Sachgruppe: Deutsch
Dokumentart: Buch (Monographie)
Zeitschrift, Serie: Sprache, Literatur, Kommunikation - Geschichte und Gegenwart ; 3; 2. Auflage
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 14.12.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Naturwissenschaften, Technik und moderne Hygiene haben im 19. Jahrhundert Wirtschaft und Gesellschaft tiefgreifend transformiert. Sie veränderten dabei zugleich den Blick auf die Natur und den menschlichen Körper. Alte feudalaristokratisch geprägte Vorstellungen von idealer Kunstschönheit, die erst durch Apparate hergestellt/vervollkommnet wurde, wichen einem bürgerlich geprägten Verständnis vom Körper. Um als schön gelten zu dürfen, mussten Körper wie Artefakte nicht mehr nur Pracht und Macht verkörpern, sondern zugleich in sich zweckmäßig und funktionstüchtig sein. Am Beispiel einer wenig bekannten „Schuhreform“ lässt sich dieser Entwicklungsprozess anschaulich nachzeichnen, als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die symmetrischen Schuhformen, die 300 Jahre lang als „schön“ gegolten hatten, durch anatomisch angepasste paarige Formen ersetzt wurden. Im vorliegenden Beitrag sollen die Argumente und Strategien im Detail betrachtet werden, die die Schuhreformanhänger unter den Ärzten, Militärs und Schuhmachern in ihren Schriften gegen die als überholt empfundenen, alten Leitvorstellungen vom „schönen Schuh“, „schönen Fuß“ und „schönen Gang“ in Stellung gebracht haben. Wie sich zeigt, erlauben ihre Argumentationsmuster, diese aktiv betriebene Umschreibung von Schönheit und Körperlichkeit als Ausdruck - und Movens - eines gesamtgesellschaftlichen Wertewandels zu lesen, in dem sich eine aufstrebende bürgerliche Funktionselite in einem Zeitfenster von vierzig Jahren gegen eine alte adelige Elite und ihre Wertemuster positionierte.

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