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„Plötzlich läuft ein feines Feuer mir durch die Glieder“ : die Analyse von L-Literature im 20. und 21. Jahrhundert anhand von psychologischen und diskursanalytischen Modellen weiblicher Identitätsentwicklung

"Plötzlich läuft ein feines Feuer mir durch die Glieder" : analysis of L-Literature of the 20th and 21st century based on psychological and discourse analytical theories of female identity development

Iden, Kirsten


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-118104
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11810/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): lesbische Literatur , FPDA , Diskursanalyse , weibliche Identitätsentwicklung
Freie Schlagwörter (Englisch): lesbian literature , FPDA , Discourse analysis , female identity development
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft/Komparatistik
Fachgebiet: Germanistik
DDC-Sachgruppe: Literatur, Rhetorik, Literaturwissenschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.04.2015
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 11.12.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Der Kern dieser Doktorarbeit besteht aus einer komparatistischen Untersuchung von deutschen und englischen Erzähltexten des 20. und 21. Jahrhunderts mit dem Blick auf die Inszenierung und Thematisierung von lesbischen Liebesbeziehungen und die Entwicklung der weiblichen Identität innerhalb dieser Beziehungen. Entsprechend ist der Zusammenhang zwischen dem Wandel von kulturellen Frauenbildern sowie der zeitgenössischen, psychologischen Identitätsmodelle und der narrativen Konstruktion von Geschlechterbildern, Subjektpositionen bzw. Geschlechtsidentitäten von besonderem Interesse.
Dadurch bewegt sich die Arbeit in einem breiten interdisziplinären Überschneidungsfeld, ohne jedoch den Anspruch eines literaturgeschichtlichen Überblicks bzw. einer Belegliste zu erheben. Das Ziel ist es, einen Horizont für systematische Einblicke in die Identitätsentwicklung von frauenliebenden Frauen aufzuzeigen, indem mit Hilfe einer diskursanalytischen Methode exemplarische Erzähltexte der L-Literature beleuchtet werden. Dazu wurde in den ersten Kapiteln anhand von modellhaften Theorien sowie Konzepten aus Psychologie, Sexualwissenschaft, Anthropologie und Gender Studies eine wissenshistorische Grundlage zusammengestellt. Die zuerst beschriebenen, inzwischen als historisch zu betrachtenden Studien u.a. von Krafft-Ebing, Weininger, Möbius und auch Freud dienten hier als Folie, von der sich die späteren wissenschaftlichen Arbeiten in Frauenforschung und Gender Studies kritisch absetzen. Der Schwerpunkt liegt auf drei Zeitabschnitten : „das Zeitalter der Medikalisierung und Pathologisierung“ (1900-1930), „die Phase des schielenden Blicks“ (1950-60) und „das Zeitalter des kreativen Spiels“ (1990-2000).
Erkenntnisleitend für diese Arbeit war die Foucault’sche Diskursanalyse, die in dieser Studie eine kritisch-reflexive Grundhaltung darstellt. Im Sinne dieser Arbeitshaltung müssen die jeweiligen Kontexte berücksichtigt und der Einfluss der unterschiedlichen (teilweise auch divergenten) Diskurse untersucht werden, ebenso muss auch die eigene Haltung bzw. Interpretation in Frage gestellt werden. Als praktisch anwendbare Methode wurde die „Feminist post-structuralist discourse analysis“ nach Judith Baxter angewendet, die sie ursprünglich im Rahmen von soziologischen Untersuchungen (Interviewtranskripte) entwickelt hat. Die Methode ist impulsgebend für die jeweiligen Einzelinterpretationen und schafft eine Verbindung zwischen dem diskursgeschichtlichen Teil und den anschließenden Analysen.
Mit Hilfe von Baxters Methode wurde die Position des weiblichen Subjektes näher bestimmt und konnte mittels Selbstreflexion als konstruiert dargestellt werden. Insbesondere zwei Aspekte sind dabei wichtig: ‚unterdrückte sowie leise Stimmen‘ wahrzunehmen, also alternative Interpretationen zuzulassen, und keinen abgeschlossenen Rahmen zu erzeugen. Texte, wie auch ihre Analysen, sind stets temporär und können stetig neu definiert werden. Ergänzend zur diskursanalytischen Grundhaltung zeichnet sich diese Methode durch eine textnahe Rekonstruktion des Inhaltes mittels Konnotationen (der Hinzuziehung von Informationen zur Bestimmung der Subjektposition) sowie Denotationen (eine konkrete Beschreibung des Inhalts) aus. Innerhalb der Einzelanalysen wurde an ausgewählten Beispielen die synchrone Dimension untersucht, also die Machtumverteilungen bzw. Positionswechsel von Figuren, und um die diachrone Dimension, die Offenlegung von wiederkehrenden Positionen, ergänzt. Diese Betrachtung erfordert eine Mikroanalyse von Texten, die in dieser Arbeit nur an ausgewählten Textstellen durchgeführt wird und nicht in vollem Umfang auf die literarischen Erzähltexte angewendet werden kann.
Bei der Textauswahl wurde ein relativ großer Zeitraum in den Blick genommen (1930-2000) und zudem um eine transnationale Ebene erweitert (Deutschland, England und USA). Der Fokus liegt auf deutsch- und englischsprachigen Beispielen, die für die L-Literature im 20. Jahrhundert repräsentativ sind und in ihrem jeweiligen Kontext modellbildend gewirkt haben. In den drei Hauptkapiteln des Analyseteils wurden gemäß des komparatistischen Ansatzes deutsch- und englischsprachige Texte aus dem jeweiligen Jahrzehnt gegenübergestellt.
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