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Mentale Juckreizinduktion bei Patientinnen und Patienten mit Psoriasis

Muhl, Sarah Katharina


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-117465
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11746/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Medizinische Psychologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.09.2015
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 22.10.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Fragestellung: Die Psoriasis (Schuppenflechte) ist mit 1-3 % Prävalenz eine der wichtigsten juckenden Dermatosen. Obwohl Pruritus bei nahezu jedem Patienten mit Psoriasis vorkommt, wurde diesem lange Zeit keine Beachtung geschenkt. Eine mentale Pruritusinduktion mittels Videostimulation konnte bereits in Vorstudien von Niemeier et al. (2000) und Gomoll et al. (2006) an Hautgesunden, sowie von Schut et al. (2013) an Patienten mit Neurodermitis durchgeführt werden. Ziel der vorliegenden Studie ist es nun, die Studien zur mentalen Juckreizinduktion um eine Patientengruppe zu erweitern und Zusammenhänge zwischen Pruritus, Schuppenflechte und psychosozialen Einflüssen näher zu untersuchen.
Methode: An der Studie nahmen 36 Hautgesunde und 36 Patienten mit Psoriasis teil, wobei ein Cross-over Design angewendet wurde. Das Stimulationsmaterial bestand aus drei Videos, einem Kontrollvideo (KV) und zwei Experimentalvideos (Hautvideo (EVH) und Tiervideo (EVT)). Die Videos wurden durch eine zwanzig minütige Wash-out Phase voneinander getrennt, in denen die Teilnehmer die verschiedenen psychosoziale Fragebögen (NEO-FFI, HADS-D, SAM, Sozialdatenfragebogen und Haut-Zuf) ausfüllen sollten. Der subjektiv empfundene Juckreiz, wurde mittels visueller Analogskalen erfasst, welche sich in den Beurteilungsfragebögen zu den Videos versteckten. Zusätzlich wurden die Probanden während der Betrachtung der Videos gefilmt, sodass die Anzahl der Kratzbewegungen und Kratzdauer erfasst werden konnte.
Ergebnisse: Juckreiz ist auch bei Patienten mit Psoriasis mental induzierbar, wobei der Effekt hinsichtlich der subjektiven Juckreizintensität stärker ausfällt als hinsichtlich der objektiv erfassbaren Parameter Kratzanzahl und –dauer. Jedoch konnte kein Unterschied zwischen den Psoriatikern und den Hautgesunden hinsichtlich des Juckreizanstieges festgestellt werden. Betrachtet man den Einfluss von psychosozialen Faktoren auf den Juckreizanstieg, so konnte ein Anteil des Anstiegs in der subjektiven Juckreizintensität durch die öffentliche Selbstaufmerksamkeit vorhergesagt werden. Des Weiteren ließ sich der Anstieg in der Anzahl der Kratzbewegungen durch die Variablen Verträglichkeit und Partnerberührung vorhersagen und auch für den Anstieg in der Kratzdauer war die Partnerberührung der entscheidende Prädiktor. Für die Hautgesunden ließen sich keine Prädiktoren ermitteln.
Diskussion und Fazit: Mentale Juckreizinduktion ist auch bei Patienten mit Psoriasis möglich, wobei kein größerer Juckreizanstieg zu verzeichnen ist, als bei Hautgesunden. Persönlichkeit und soziale Aspekte, wie Aufmerksamkeitsprozesse, Partnerschaft und Verträglichkeit scheinen einen modulierenden Effekt auf die Juckreizinduktion zu besitzen, sodass z.B. Schulungen zur Verträglichkeit und Selbstaufmerksamkeit durchgeführt werden könnten.
Kurzfassung auf Englisch: Purpose: Psoriasis is one of the most common skin diseases, which effects 1-3 % of the western population. Although, itch has been underestimated in PS-patients for a long time nearly every Psoriasis-patient suffers from this symptom in times of exacerbations. The mental pruritus-induction has already been successfully verified by the preliminary studies of Niemeier et al. (2000) and Gomoll (2006) on healthy participants and Schut et al. (2013) on patients with atopic dermatitis.
Methods: As part of a cross-over design 36 patients with psoriasis and 36 healthy controls were presented three videos in counterbalanced order: A control-video (KV), which dealt with the topic skin as a communication organ and two experimental videos, which dealt either with crawling insects (EVT) or skin diseases (EVH). The videos were separated by a “wash-out” part of 20 minutes. In these 20 minutes the participants answered the questionnaires Neo-FFI, SAM, HADS-D and Haut-Zuf for the assessment of psychosocial factors. Two independent raters classified the count and duration of scratch-movements of the participants, which were filmed during the video presentation. Furthermore the subjective itch intensity was registered by a "visual analogue scale".
Results: Pruritus is mentally inducible by audiovisual stimulation in patients with psoriasis, although the increase in subjective itch intensity is higher than the increase in the objective itching parameters duration and number of scratch movements. A higher increase in the itching parameters in comparison to the healthy controls was not detectable, but a longer scratching duration by the patients with psoriasis was measurable in general. In psoriasis-patients public self-consciousness was a significant predictor of induced itch, while agreeableness and partnership touching significantly predicted the induced number of scratch movements. The induced duration of scratching was predicted by partnership touching. In healthy controls no association was found.
Discussion and Conclusion: Mental itch induction is also possible in patients with psoriasis, but not higher itch increase is detectable in comparison to healthy controls. The importance of personality characteristics and social aspects for induced itch and scratching in patients with psoriasis has been underlined by this study and the findings could be a hint that participation in psychological interventions, for example assertiveness trainings and anger management, might be valuable for some Psoriasis-patients. In general an interdisciplinary therapy seems to be important.
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