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Wie hängen intraindividuelle Variabilität und Extreme Response Style zusammen und welche Rolle spielen sie in Persönlichkeitsfragebogen?

How are intraindividual variability and extreme response style related to each other, and what is their role in personality questionnaires?

Beermann, Dennis


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-117253
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11725/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): intraindividuelle Variabilität , Konsistenzskalen , Extreme Response Style , Persönlichkeitsfragebogen , Eignungsdiagnostik
Freie Schlagwörter (Englisch): intraindividual variability , consistency scales , extreme response style , personality test , personnel diagnostics
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Abteilung für Psychologische Diagnostik
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.09.2015
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 13.10.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Im Fokus der vorliegenden Arbeit stehen (intraindividuelle) Variabilität, die Variabilität innerhalb von Traits, und Extreme Response Style (ERS), die Tendenz, in Fragebogen extrem zu antworten. Zur Beschreibung von Variabilität liegen viele Forschungsarbeiten vor, zur Erfassung und Struktur fehlen jedoch klare Ergebnisse. ERS wurde bislang lediglich operational definiert; eine Beschreibung über extremes Antworten in Fragebogen hinaus findet sich nicht. Beiden Phänomenen gemein ist, dass sie als Moderatoren der Validität von Persönlichkeitsfragebogen diskutiert werden; doch auch diesbezüglich ist die Befundlage uneinheitlich.
Mit zwei empirischen Studien wurden entsprechend die Erfassung und Struktur von Variabilität, der Zusammenhang zwischen Variabilität und ERS sowie der Einfluss von Variabilität auf die Testgütekriterien untersucht. In Studie 1 bearbeiteten 405 Studierende das ITB Personality Structure Assessment (ITB-PESA), einen Facetten-Fragebogen, sowie die deutschsprachige revidierte Fassung des HEXACO-Persönlichkeitsinventars, mit der weitgehend unabhängige Dimensionen erfasst werden. In Studie 2 bearbeiteten 367 Bewerber im Rahmen eines Personalauswahlprozesses eine kürzere Version des ITB-PESA, deren Facetten mehrheitlich auf Extraversion laden; zum Vergleich wurde mit Nicht-Auswahl-Daten aus Studie 1 eine identische Fragebogenversion gebildet. Zur statistischen Analyse dienten u.a. Vergleiche von Korrelationen, Strukturgleichungsmodelle und moderierte multiple Regressionen.
Hinsichtlich der Erfassung und Struktur von Variabilität bestätigten beide Studien, dass Variabilität eine eindimensionale Eigenschaft ist, die valide mit einem Aggregat von um Skalenausprägung und -extremität korrigierten intraindividuellen Standardabweichungen der Skalen erfasst werden kann. Bezüglich des Zusammenhangs von ERS und Variabilität zeigte sich bereits in Studie 1, dass Variabilität und ERS sehr hoch korrelieren. Die Ergebnisse beider Studien ließen darauf schließen, dass extreme Antworten, die nicht auf hohe Ausprägungen auf den erfassten Merkmalen zurückzuführen sind, von Variabilität abhängen. Von den Testgütekriterien wurde lediglich die Kriteriumsvalidität in Studie 1 eindeutig von Variabilität beeinflusst: je höher die Variabilität, desto niedriger die Kriteriumsvalidität. Nicht oder sehr gering beeinflusst wurden in beiden Studien die Reliabilität und die Konstruktvalidität. In Studie 2 (Auswahl) wurde der Effekt auf die Kriteriumsvalidität nicht repliziert, was möglicherweise auf geringe Passung von Prädiktor und Kriterium zurückzuführen ist.
Implikationen der Ergebnisse sind, dass Variabilität eindimensional ist, dass ERS kein Antwortbias ist, sondern Indikator von Variabilität, und dass Variabilität – zumindest im Nicht-Auswahl-Setting – die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitseigenschaften und Kriterien moderiert.
Kurzfassung auf Englisch: The present dissertation focusses on (intraindividual) variability, the variability within traits, and extreme response style (ERS), the tendency to respond extremely in questionnaires. The description of variability has been addressed in many papers, but clear results on its measurement and structure are lacking. Regarding ERS, there is no comprehensive explanation in place, it has only been described as extreme responding. Variability and ERS both are regarded as moderators of validity in personality questionnaires. Still, findings are inconsistent.
Two empirical studies were conducted to examine the measurement and structure of variability, the relationship between variability and ERS, and the effects of variability on reliability and validity. In study 1 — 405 students completed the ITB Personality Structure Assessment (ITB-PESA), which captures personality facets, and the German revised HEXACO personality inventory, which captures widely independent personality dimensions. In study 2 — 367 applicants completed a shorter ITB-PESA version as part of a personnel selection procedure. This version mainly comprised facets of extraversion. In order to compare results to non-selection context, an identical version was formed with data from study 1. Data were analysed by comparing correlations, applying structure equation models and performing moderated multiple regressions.
Both studies confirmed that variability is a unidimensional trait. This trait can be captured by aggregating intraindividual within-scale standard deviations and controlling those for trait mean and extremity. Regarding the relationship between variability and ERS, a strong correlation was shown in study 1. Results of both studies led to the conclusion that extreme responses which are not due to extreme trait manifestation are caused by variability. Study 1 yielded a strong influence of variability on the criterion validity: the higher the variability, the lower the criterion validity. Reliability and construct validity were not affected or only to a negligible extent. In study 2, the moderating effect of variability on the criterion validity was not replicated. This might be attributed to a bad predictor-criterion fit.
The results imply that variability is unidimensional, that ERS is not a response bias but an indicator of variability, and that variability moderates the relationship between traits and criteria — at least for non-selection settings.
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