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Vitamin D-Versorgung von schwangeren Frauen und deren Neugeborenen in Deutschland : Erfassung des Vitamin D-Versorgungsstatus und Intervention

Vitamin D status of pregnant women and in cord blood in Germany : investigation of the vitamin D status and intervention

Würtz, Catrin


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-116899
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11689/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Schwangerschaft , 25-Hydroxy-Vitamin-D-Status , Vitamin D-Insuffizienz , Nabelschnurblut
Freie Schlagwörter (Englisch): pregnancy , 25-hydroxyvitamin D status , vitamin D-insufficiency , cord blood
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Ernährungswissenschaft
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.09.2015
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 09.09.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Vitamin D wird aufgrund der Erkenntnisse der letzten Jahre als weltweites Public Health-Thema angesehen. Zur Vitamin D-Versorgung während der Schwangerschaft gab es in Deutschland bisher nur wenige Studien, die diese anhand der 25 OH D-Konzentration im Blut untersucht haben. Die Ergebnisse unserer Querschnittstudie zeigen, dass bei 98% der 261 untersuchten Schwangeren und bei 94% der 328 Blutproben aus der Nabelschnur im Winter die 25 OH D-Spiegel unterhalb von 20 ng/mL (50 nmol/L) lagen. In den neuesten D-A-CH-Referenzwerten werden 25 OH D-Konzentrationen von > 20 ng/mL als optimal beur-teilt. Unsere Untersuchung zeigt, dass Schwangere unabhängig von der Jahreszeit ein er-höhtes Risiko für eine unzureichende Vitamin D-Versorgung haben. In der Interventionsstu-die war die tägliche Einnahme von 25 µg (1000 IE) Vitamin D nicht ausreichend, um bei allen unzureichend versorgten Schwangeren optimale 25 OH D-Spiegel von > 20 ng/mL im Blut zu erzielen. Die Vitamin D-Zufuhr hatte bei den Frauen mit den niedrigsten 25 OH D-Ausgangswerten zwar den stärksten Effekt, am Ende unserer Untersuchung lag allerdings immer noch bei 57% der 73 supplementierten Schwangeren ein 25 OH D-Spiegel von < 20 ng/mL vor.
Dass ein unzureichender Vitamin D-Status negative gesundheitliche Konsequenzen für die Schwangere und den Fetus bzw. das Neugeborene hat, konnte in Beobachtungsstudien ge-zeigt werden. Eindeutige Aussagen können diesbezüglich erst nach Abschluss der derzeit noch laufenden randomisierten, kontrollierten Interventionsstudien können gemacht werden.
Seit 2012 wird in den D-A-CH-Referenzwerten ein sogenannter Schätzwert für die Vitamin D-Zufuhr von 20 µg (800 IE) pro Tag sowohl für Erwachsenen als auch für Schwangere emp-fohlen. Die Daten aus unserer Interventionsstudie zeigen, dass diese Empfehlung nicht aus-reicht, um bei allen Schwangeren eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Darüber hin-aus besteht in Deutschland eine Diskrepanz zwischen den D-A-CH-Referenzwerten und der Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR 2004), das Schwangeren von einer Aufnahme von mehr als 12,5 µg (500 IE) Vitamin D pro Tag abrät. Im Gegensatz zum BfR schätzt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA 2012) eine tägliche Zufuhr von bis zu 100 µg (4000 IE) Vitamin D auch für schwangere Frauen als sicher ein. In Deutschland fehlen einheitliche Handlungsempfehlungen, die zeigen, was bei einer Unter-schreitung des empfohlenen 25 OH D-Wertes von 20 ng/mL zu tun ist.
Abschließend ist festzuhalten, dass die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen, dass schwangere Frauen ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Vitamin D-Versorgung ha-ben und daher als gefährdete Personengruppe für eine Vitamin D-Insuffizienz wahrgenom-men werden sollten. Zudem ist die Einnahme eines Vitamin D-Supplements zur Sicherstel-lung der Vitamin D-Versorgung während der Schwangerschaft in Erwägung zu ziehen, um die Gesundheit von Mutter und Kind langfristig zu gewährleisten.
Kurzfassung auf Englisch: During the last years vitamin D deficiency has been recognized as an important factor of worldwide public health. So far in Germany there have been no data showing the vitamin D-status on the basis of the 25 OH D-level of pregnant women. In our cross-sectional study we showed that 98% of the 261 maternal blood samples and 94% of the 328 cord blood samples had a 25 OH D-level below 20 ng/mL during the winter month. According to the current rec-ommendation for vitamin D for Germany a 25 OH D-level above 20 ng/mL is defined as op-timal vitamin D-status (D-A-CH 2012). Our data indicate that pregnant women are at high risk of vitamin D-insufficiency regardless of season. In our interventional study we showed that with a daily intake of 25 µg (1000 IU) vitamin D it is not possible to increase the 25 OH D-level to an optimal range in all women with diagnosed vitamin D-insufficiency at the begin-ning of pregnancy. The vitamin D-intake was most effective in women with the lowest base-line 25 OH D-level. However 57% of the 73 supplemented women still had 25 OH D-levels < 20 ng/mL at the end of the study.
So far the association between an insufficient vitamin D-status during pregnancy and nega-tive health consequences for women and their newborns has only been shown in observa-tional studies. The results from large randomised, controlled interventional trails remain to be seen to make a clear statement about the beneficial health effects of vitamin D during preg-nancy.
In Germany the current estimated intake value for vitamin D for adults and pregnant women is 20 µg (800 IU) per day (D-A-CH 2012). The results of our observational study indicate that this recommendation is not sufficient to reach optimal 25 OH D-level in all pregnant women. As opposed to the current estimated intake value for vitamin D for pregnant women the Ger-man Federal Institute for Risk Assessment (BfR 2004) warns pregnant women of taking more than 12,5 µg (500 IU) vitamin D per day. This warning is in contrast with the European Food Safety Authority (EFSA 2012) that estimates a safe upper intake level of 100 µg (4000 IU) vitamin D per day for pregnant women. Hence in Germany explicate recommendations are warranted to clarify the procedure in the case of a 25 OH D-levels below the recommended 20 ng/mL during pregnancy.
To draw the conclusion, the results of the present work show that pregnant women are at high risk of an inadequate vitamin D-status. Hence, they should be recognised as individuals at risk of a vitamin D-insufficiency. Moreover, the intake of a vitamin D supplement should be considered as a useful tool to improve the vitamin D-status and to ensure adequate health for pregnant women and their newborns.
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