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Alexithymie und Diabetes mellitus

Naundorf, Katrin


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-116885
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11688/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Abteilung für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.02.2015
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 09.09.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund:
Der Verlauf der Diabetes-Erkrankung wird unter anderem durch individuelles Verhalten maßgeblich bestimmt. Der Umgang mit der Erkrankung und deren Anforderungen setzt die Verfügbarkeit von hinreichenden krankheitsspezifischen Informationen voraus, welche etwa über Schulungen vermittelt werden können. Zusätzlich scheinen psychologische Bedingungen, wie etwa die Fähigkeit zur Selbstfürsorge und der angemessene Umgang mit den eigenen Bedürfnissen, weitere wichtige Faktoren zu sein, um eine gute Blutglukoseeinstellung gewährleisten zu können. Nicht selten lässt sich beobachten, dass manche Diabetiker trotz ausreichender Kenntnisse nicht die notwendige Compliance aufbringen können, um mögliche Komplikationen und Spätfolgen vermeiden zu können. Unter dem klinischen Begriff der „Alexithymie“ fasst man die Schwierigkeiten eines Menschen, Gefühle adäquat bei sich wahrnehmen, ausdrücken und voneinander unterscheiden zu können. Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang von Diabetes und Alexithymie im Rahmen einer Patientenschulung.

Methode:
121 Patienten nahmen an einer Diabetesschulung in der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Frankfurt am Main teil. Die Schulung erfolgte über einen 12-tägigen vollstationären Aufenthalt in einer Gruppe von je 10 Patienten. Neben Erfassung der soziodemographischen Variablen wurden die Art der Diabetes mellitus Erkrankung, die Diabetesdauer, Behandlung, Komplikationen, Spätfolgen, der HbA1c im Verlauf sowie allgemeine Laborparameter erfragt.
Am ersten sowie letzten Tag der Diabetesschulung wurde die Basisdokumentation sowie der Toronto-Alexithymie-Fragebogen erhoben.

Ergebnisse:
Die Patienten der Diabetesschulungsgruppe wiesen signifikant mehr alexithyme Persönlichkeitsmerkmale auf als die Normalbevölkerung. Der Gesamt-TAS bestehend aus allen 3 Skalen zeigte einen Wert von 2,57 vs. 2,42 (p<.007). Bei der Skala 1 „Identifikation von Gefühlen“ wies die Untersuchungsstichprobe einen erhöhten Wert von 2,48 vs. 2,02 (p<0,00) auf.
Bei Skala 2 „Beschreibung von Gefühlen“ lag die Untersuchungsgruppe bei 2,74 vs. 2,60 (p<0,076). Der Unterscheid der beiden Werte liegt jedoch nicht über dem Signifikanzniveau.
Der „externale Denkstil“ (Skala 3) zeigte bei dem Patientenklientel einen signifikant niedrigeren Wert von 2,52 vs. 2,73 (p<0,001).
In den weiteren Untersuchungen bezüglich der Einstellung des Diabetes, der unterschiedlichen Schulabschlüsse sowie der auftretenden Spätfolgen zeigen sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Auftreten der Alexithymie.

Diskussion:
Der Diabetes erfordert eine ständige und tägliche Auseinandersetzung mit der Erkrankung. Die Alexithymie kann daher nach Freyberger auch als Abwehrmechanismus gegen die aus der Erkrankung resultierenden Emotionen, die die betreffende Person nicht akzeptieren oder bewältigen kann, angesehen werden.
Eine psychotherapeutische Betreuung sollte daher bei Diabetes-Patienten in die alltägliche Behandlung mit in Betracht gezogen werden.
Kurzfassung auf Englisch: Summary
The course of diabetes disease is significantly determined by factors including individual behaviour. Dealing with the disease and their requirements presuppose the availability of sufficient disease-specific informations that can be conveyed with training. In addition it seems that several psychological conditions, such as the ability for self-care and the proper management of their own needs are further important factors to ensure a good blood sugar control. Quite often it can observed that even diabetics with sufficient knowledge about their illness cannot raise the necessary compliance in order to avoid possible complications and late consequences. The clinical term "alexithymia" summarizes the difficulties of a person to distinguish their own feelings and to emote them in a proper way. The present study examines the relationship between diabetes and alexithymia in a patient education.

Method:
A group of 121 patients took part in a diabetes education in the medical clinic of the university of Frankfurt am Main. The education took place in a 12-day period each time with a group of 10 patients who stayed together all the time within training. The patients filled out the “Toronto Alexithymia” question paper at the beginning and the end of the training.

Results:
The patients of the diabetes education group had significantly more alexithymic personality traits than the general population. The total TAS consisting of all three scales showed a value of 2.57 vs. 2.42 (p <.007). In a scale of 1 "Identification of feelings" the study sample had a higher value of 2.48 vs. 2.02 (p <0,00). At scale 2 "Description of feelings" the study group was 2.74 vs. 2.60 (p <0.076). The difference between the two values is not, however, about the level of significance. The "external experiences of thinking" (scale 3) showed the patients included a significantly lower value of 2.52 vs. 2.73 (p <0.001). In further studies on the control of diabetes, as well as the different degrees of late effects occurring no evidence of an increased incidence of alexithymia show.

Discussion:
Diabetes requires constant and daily struggle with the disease. According to Freyberger the alexithymia can be regarded as a defense mechanism against disease resulting from the emotions that cannot accept or deal with that person. A psychotherapeutic care should therefore be included in diabetic patients in the everyday treatment.
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