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Verfahren zur Verbesserung der Lagestabilität von Unterkiefer-Totalprothesen bei ungünstigen anatomischen Voraussetzungen : eine prospektive klinische Studie

Procedure to improve the stability of mandibular complete dentures in patients with compromised lower ridges : a prospective clinical study

Künkel, Anna Katharina


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-116500
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11650/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.07.2015
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 21.08.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit hatte das Ziel zu überprüfen, ob die Verwendung eines modifizierten Verfahrens zur Herstellung von Unterkiefer-Totalprothesen im muskulären Gleichgewicht für Patienten mit einem atrophierten Alveolarfortsatz eine zufriedenstellende Therapieoption darstellt. Die Fragestellung bezog sich auf Patientenfälle, bei denen eine konventionelle Unterkiefer-Totalprothese nicht zur Zufriedenheit der Patienten führen konnte und eine prothetisch-implantologische Therapie nicht in Betracht kam. Die prospektive klinische Studie umfasste 22 Probanden im Alter von 51-88 Jahren, wovon nach dem vorzeitigen gesundheitlich bedingten Ausscheiden eines Probanden 21 Patienten in die Auswertungen miteinbezogen wurden. Nach einem Aufklärungsgespräch erfolgte die Überprüfung des vorhandenen Zahnersatzes zu Beginn der Studie. Dies erfolgte durch zwei Zahnärzte auf ihre regelgerechte Ausführung, um sicherzustellen, dass sich der auf konventionellem Wege hergestellte Zahnersatz in einem idealen Ausgangszustand befand. In diesem Zuge wurden zunächst bei sieben Probanden Korrekturmaßnahmen und Neuanfertigungen der vorhandenen Totalprothesen erforderlich, bevor für alle Probanden Unterkiefer-Totalprothesen im myodynamischen Gleichgewicht angefertigt wurden. Die verschiedenen Prothesenformen (konventionell vs. myodynamisch) wurden in einem intraindividuellen Vergleich anhand unterschiedlicher Parameter untersucht. Veränderungen der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität (MLQ) der Probanden wurden anhand des OHIP-G14-Fragebogens evaluiert. Ein Kaufunktionstest, unter Verwendung von standardisierten Karottenscheiben als Testmaterial, diente der Überprüfung einer Beeinflussung der Kaufunktion. Darüber hinaus wurde ein phonetisch ausbalancierter Text vor und nach der Behandlung durch die Probanden vorgelesen, digital aufgezeichnet und anschließend durch Studenten (n=81) in unterschiedlichen Stadien der zahnmedizinischen Ausbildung auditiv evaluiert. Zusätzlich wurden die Patienten über die subjektive Wahrnehmung des Prothesenhalts allgemein, beim Kauen und beim Sprechen anhand eines weiteren Fragebogens befragt. Die MLQ der Probanden verbesserte sich nach der Versorgung mit den neu angefertigten muskulär stabilisierten Unterkiefer-Totalprothesen signifikant (p<0,001). In der subjektiven Beurteilung der erreichten Veränderung hinsichtlich des Prothesenhalts nach der prothetischen Neuversorgung, gaben 18 Probanden (85,7%) eine Verbesserung jeweils beim Kauen und im Allgemeinen an. Für 14 Probanden (66,7%) zeigte sich eine Verbesserung des Prothesenhalts beim Sprechen. Kein Proband gab eine Verschlechterung des Prothesenhalts an. Der verwendete Kaufunktionstest zeigte keine signifikante Veränderung der Kaufunktion (p=0,109) und es konnte keine signifikante Verbesserung der Sprachlautbildung festgestellt werden (p=0,111). Die Ergebnisse der durchgeführten Studie zeigen, dass das vorgestellte konservative Verfahren eine Möglichkeit darstellt, die Lagestabilität von Unterkiefer-Totalprothesen im Falle von ungünstigen anatomischen Verhältnissen zu verbessern und die Lebensqualität der Probanden signifikant zu steigern. Bezüglich der Parameter Sprachlautbildung und Kaufunktion konnten keine deutlichen Veränderungen festgestellt werden. Demnach führte die muskuläre Stabilisierung zu einer Verbesserung des Prothesenkomforts, allerdings nicht zu einer Verbesserung der Kaufunktion, was auf den erwarteten Kraftverhältnissen beruhen könnte. Die interindividuelle Streuung der Ergebnisse lässt sich durch die bei jedem Probanden unterschiedliche Muskelkraft, Schmerzempfindlichkeit und Adaptationsfähigkeit erklären. Zudem führte die funktionelle Verbesserung durch die muskuläre Stabilisierung im Unterkiefer zu keiner signifikanten Veränderung hinsichtlich der Sprachlautbildung, was sich durch die unveränderten Artikulationszonen im Oberkiefer erklären lässt. Möglicherweise kam es nach vier Wochen nicht bei allen Probanden zu einer Veränderung des muskulären Funktionsmusters. Eine Untersuchung zu späteren Messzeitpunkten könnte in weiterführenden Studien untersucht werden. Für die klinische Anwendung des vorgestellten Verfahrens überwiegen die Beschwerdefreiheit und die Zufriedenheit des Patienten mit dem Behandlungsergebnis die objektiven Messparameter Kaufunktion und Sprachlautbildung. Daher stellt das Erreichen des Ziels "Patientenzufriedenheit“ ein entscheidendes Kriterium zur Erfolgsbewertung dar. Die Herstellung von Unterkiefer-Totalprothesen entsprechend des vorgestellten Verfahrens ist somit, gerade im Fall von Patienten mit ungünstigen anatomischen Verhältnissen, bei denen eine prothetisch-implantologische Versorgung als Therapieoption nicht in Frage kommt, eine geeignete Behandlungsalternative, um die Lebensqualität dieser Patienten auf konservativem Wege zu verbessern.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of the study was to evaluate if the application of a modified neutral zone technique to fabricate muscularly balanced complete lower dentures proves satisfactory for patients with atrophic lower ridges. This question was especially focused on edentulous patients who were not satisfied with their existing full lower dentures fabricated in a conventional manner and where implant therapy was not an option.
22 patients at the age of 51 to 88 were included in this prospective clinical study. For reasons of health one test person had to quit the study, therefore 21 test persons had finally been included in the study. After a personal explanation of the contents of the study, the existing complete dentures were inspected by two dentists with regard to a correct fabrication as part of a first examination. If the existing conventional dentures needed an adjustment, they were revised to establish an ideal initial condition for every test person prior to the beginning of the study. In this context seven test persons needed pre-treatments before muscularly balanced lower complete dentures had been fabricated for every patient.
The different denture types (conventional vs. muscularly balanced) were evaluated in an intra-individual approach based on different parameters before and after the treatment. Changes in oral health-related quality of life were evaluated using OHIP-G14. The influence on mastication was evaluated by using a masticatory function test with standardized pieces of raw carrots as test-food. Furthermore, a phonetically balanced text was read by the test persons before and after the treatment and was recorded digitally. These recordings were analysed auditorily by dental students (n = 81) at different stages of dental education to evaluate if speech sound production is influenced by the different types of lower dentures. Additionally, the perceived denture stability in general and while chewing or speaking was assessed using a questionnaire.
After the treatment, all of the patients showed a significant improvement in oral health-related quality of life based on the results of the OHIP-G14-evaluation (p < 0.001). 18 patients (85.7%) reported an improvement in denture stability in general and while chewing. For 14 patients (66.7%) denture retention improved while chewing. None of the test persons reported deterioration. Neither masticatory function (p = 0,109) nor speech sound production (p = 0,111) showed any significant influence by the different types of complete lower dentures.
As the results of this study show, edentulous patients gain a notable improvement in denture stability and a significant increase in their oral health-related quality of life. Even though using the modified neutral zone technique improved the comfort of the dentures, there was no significant influence on mastication, possibly due to the expected relations of forces while chewing. The results of the masticatory function test showed a broad distribution that could be based on variations in muscular strength, sensibility to pain and ability of adaptation. Although an improvement was perceived in denture stability while speaking, no significant improvement in speech sound production was observed. An explanation for this observation is that during the treatment no alteration occurred in the areas of articulation in the upper jaw. Multiple times of measurements could be interesting for further studies, due to the different capabilities to adapt.
As the patient’s satisfaction with a treatment should be the ultimate aim of a clinical dental treatment, the subjective parameters become more important in the evaluation of the results of the study. In this context the applied modified neutral zone technique seems to be a suitable method to improve denture function, particularly in the atrophic lower jaw. Especially for patients who cannot be treated with dental implants, this technique is an appropriate way to clearly enhance patients’ quality of life in a conservative way.
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