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Vergleich verschiedener Zahnersatz-Arten im Hinblick auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität : Ergebnisse einer Nachuntersuchung

Comparison of different prosthetic treatments based on oral health related quality of life : results of follow- up examinations

Mathé, Nicole


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-116436
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11643/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Poliklinik für zahnärztliche Prothetik
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 11.08.2015
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 21.08.2015
Kurzfassung auf Deutsch: In vorliegender Untersuchung sollte der Einfluss von Zahnersatz auf die mundgesund-heitsbezogene Lebensqualität untersucht werden. Hierzu wurden 644 Patienten der prothetischen Abteilung des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Justus-Liebig-Universität in Gießen standardmäßig vor und nach einer prothetischen Behandlung zu ihrer mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität befragt. Die durchgeführten 666 Versorgungen reichten von 346 festsitzenden Arbeiten wie Kronen und Brücken über 167 Total- und Modellgussprothesen, die zu herausnehmbarem Ersatz zusammengefasst wurden, bis hin zu 153 teleskopierenden, kombinierten Versionen. Die behandelnden Studenten ermittelten in persönlichen Gesprächen das Ausmaß einer möglichen Beeinträchtigung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität anhand des OHIP-G14 Fragebogens. Nicht vollständig ausgefüllte Fragebögen konnten ab 2 nichtbeantworteten Fragen in dieser Studie nicht berücksichtigt und die Daten dieser Patienten mussten aus der Untersuchung ausgeschlossen werden. Die sowohl auf funktionelle als auch psychosoziale Aspekte der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität abzielenden Fragen sollten anhand einer fünfstufigen Antwortskala beantwortet werden. Als Bezugszeitraum wurden die letzten vier Wochen gewählt. Die Antwortmöglichkeiten reichten von „nie“ bis hin zu „sehr oft“ und wurden im Anschluss mit Zahlen von eins bis fünf kodiert. Mit der Ermittlung eines Gesamtsummenwertes konnte die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität beurteilt werden und Werte von 0 bis 56 waren möglich. Hohe Werte standen dabei für eine starke Beeinträchtigung, niedrige Zahlenwerte hingegen für eine gute Lebensqualität. Die statistische Auswertung der Resultate ergab, dass zwischen Männern und Frauen kein signifikanter Unterschied erkennbar war (p=0,741), lediglich das Alter zeigte einen geringen Einfluss auf die Veränderung der Lebensqualität (p=0,042). So verschlechterte sich der Eindruck der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität mit zunehmenden Jahren. Des Weiteren konnte zum Zeitpunkt vor einer prothetischen Behandlung bei Patienten mit reduziertem Restzahnbestand eine stärkere Beeinträchtigung festgestellt werden (Anfangsbefund Herausnehmbar=14,63/ Anfangsbefund Kombiniert=8,19) als bei der vollständig oder fast vollständig bezahnten Vergleichsgruppe (Anfangsbefund Festsitzend=4,20). Die Analyse der Abschlussbefunde ergab, dass alle Zahnersatzarten die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität signifikant verbessern (p<0,012). Im Detail betrachtet war zu erkennen, dass in der festsitzenden Gruppe, die Kronen und Brücken umfasste, sogar eine hoch- signifikante Verbesserung zu verzeichnen war (p=0,001) und nach Abschluss der Behandlung eine nahezu optimale Lebensqualität vorlag (OHIP-Mittelwert=2,57). Die mit herausnehmbarem Zahnersatz versorgten Patienten erhielten entweder Totalprothesen oder im Falle eines Restzahnbestandes Modellgussprothesen. Im Gesamten betrachtet zeigten die herausnehmbaren Versorgungen eine signifikante Verbesserung (p=0,000) und ebenfalls die Teleskopprothesenträger gaben eine signifikant bessere mundgesundheitsbezogene Lebensqualität an (p=0,012). Die herausnehmbaren Arbeiten wurden in Modellgussprothesen, die keine signifikanten Differenzen erzielen konnten (p=0,671) und Totalprothesen unterschieden. Weiterführend konnte bei den Totalprothesen nochmals zwischen einer Immediatprothese und einer Neuanfertigung differenziert werden. Es zeigte sich, dass es durch Neuanfertigungen zu signifikanten Verbesserungen kam (p=0,003), wohingegen die unmittelbar nach einer Extraktion eingegliederten Immedi-atprothesen keine signifikante Verbesserung verzeichnen konnten (p=0,113). Auf Werkstoffebene wurde ebenfalls eine Veränderung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität geprüft und es stellte sich heraus, dass sowohl vollkeramische Restaura-tionen als auch vergleichbare metallische Versorgungen eine signifikante Verbesserung erzielen (p<0,048). Bei genauerer Betrachtung der metallischen Legierungen war aller-dings zwischen der hochgoldhaltigen und nicht-edelmetallischen Variante ein Unter-schied zu erkennen: Eine signifikante Verbesserung war nur bei den hochgoldhaltigen Kronen und Brücken zu erkennen (p<0,031).
Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass es durch die Eingliederung von Zahnersatz zu einer Verbesserung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität kommt. Natürlich sind einige Faktoren wie Anzahl und Lokalisation der fehlenden Zähne oder die finanziellen Möglichkeiten der Patienten bei der Planung und Herstellung der Versorgungen mit zu berücksichtigen, sodass es innerhalb der grob zusammengefassten Gruppen durchaus zu unterschiedlichen Auswirkungen kommen kann. Zusammenfassend ist aber ein allgemeiner Benefit für die Patienten erkennbar.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of the study was to evaluate the influence of dental prostheses on the oral health related quality of life. 644 Patients from the Department of Prosthodontics, Justus-Liebig-University Giessen, Germany, were asked to answer some questions about their oral health related quality of life before and after receiving a prosthodontic treatment. The study included 666 different dental prostheses, consisting of 346 crowns and fixed prostheses, 167 removable partial and full dentures and 153 double-crown retained partial dentures. The treatments were performed by students and the completion of the OHIP-G14-questionnaires took place in a face to face interview between patient and practitioner. The 14 questionnaire-items focused on the functional and psychosocial aspects of quality of life. The questionnaire was intended to investigate the last month prior to prosthodontic treatment using a five point ordinal response scale: 0=never, 1=hardly ever, 2=occasionaly, 3=fairly often, 4=very often. The final score was determined by the total of all items. A higher score indicated a poorer oral health related quality of life. In case of two or more missing answers individuals were excluded from this study.
The statistical analysis was performed using SPSS. There were no significant differences between men and women (p=0,741). Only the factor age indicated a significant influence on the change of quality of life (p=0,042) resulting in greater impairments with increasing age. Furthermore, there was a greater impairment before treatment if a few natural teeth still resisted (mean value before treatment with removable partial or full dentures=14, 63/ mean value before treatment with double- crown retained partial dentures=8,19), compared with nearly full natural dentition patients who received fixed prostheses or crowns (mean value before treatment=4,20). All types of dental prostheses showed a significant improvement in the oral health related quality of life after treat-ment (p<0,012). In the case of crowns and fixed prostheses improvement was highly significant (p=0,001). These patients indicated a nearly ideal quality of life after treat-ment (mean value after treatment=2,57). In case of double-crown retained partial den-tures and full dentures quality of life improved significantly (p<0,012). Partially remov-able dentures revealed no significant improvement (p=0,671). Furthermore, there was a difference between newly-produced full dentures and immediate full dentures. Patients with teeth intended for extraction received immediate full dentures and in that case there was no significant improvement of the oral health related quality of life (p=0,113). In opposition, newly-produced full dentures improved the quality of life significantly (p=0,003) when treatment started after the healing process of the alveolar bone and soft tissue.
The crowns and fixed prostheses consisted of different materials. The influence of the material on the oral health related quality of life was subject to investigation as well. Full ceramic crowns and metal-based crowns resulted in a significant improvement in the quality of life (p<0,048). Detailed inspection of the metal-based-prostheses revealed a difference: prostheses consisting of precious metal alloys improved the quality of life significantly (p<0,031) in contrast to the non-precious alloys.
The results revealed that prosthodontic treatments improve the oral health related quality of life. However factors such as the amount and location of missing teeth and the financial capabilities had to be considered during planning and production and took influence on the study´s outcome.
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