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Einfluss der Kaubelastung auf die Dichtigkeit des Implantat-Abutment-Interface

Putzier, Sven


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-115916
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11591/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Gießen und Marburg GmbH
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.06.2015
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 20.07.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel dieser Studie war es, die bakterielle Kontamination des Implantatinnenlumens an zwei verschiedenen Implantatsystemen nach Abdichtung mit einem Silikon (KieroSeal), einem antiseptischen Chlorhexidin-Gel (Chlorhexamed® 1 % Gel) und einem auf Fett basierenden Schmierstoff (Berutemp 500 T2) zu untersuchen. Hierzu wurden zwei Versuchsreihen durch-geführt. Insgesamt wurden 160 Proben (Implantat-Abutment-Komplexe) untersucht. In jeder der beiden durchgeführten Versuchsreihen kamen 80 Proben zum Einsatz, bei denen es sich um jeweils 40 Bego Semados RI- und 40 Xive S Plus-Implantat-Abutment-Komplexe handel-te. Jeweils zehn Komplexe pro Implantatsystem wurden mit einem der drei Dichtmittel ver-siegelt. Weitere zehn Komplexe pro System erhielten keine Abdichtung und fungierten so als Leerproben. In der ersten Versuchsreihe wurden die Implantat-Abutment-Komplexe direkt nach der Abdichtung mit den Dichtmitteln für sieben Tage in eine Escherichia coli-Bakterienlösung eingelegt, während in der zweiten Versuchsreihe jeder abgedichtete Komplex zuvor für 240.000 Zyklen bei 2 Hz in einem Kausimulator belastet wurde. Die Belastung erfolgte bei 37 ± 2 ° C in destilliertem Wasser in Anlehnung an die Richtlinien der DIN ISO Norm 14801. Die quantitative Bestimmung der Bakterienzahl im Implantatlumen wurde nach der siebentägigen Bakterienpenetration mit einem Realtime-PCR-Verfahren durchgeführt. Die Auswertung der Messdaten, welche aus Übersichtsgründen zuvor logarithmiert wurden, er-folgte in einer dreifaktoriellen ANOVA, bei der das Signifikanzniveau mit p < 0,05 festgelegt wurde.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Abdichtung des Implantatlumens mit den ver-wendeten Dichtmitteln zu einer höchstsignifikanten Reduzierung der Bakterienzahlen im Implantatlumen führt. Die Dichtmittel Berutemp 500 T2 und das 1 %ige Chlorhexamed-Gel wiesen hierbei nach Auswertung der Messdaten sehr geringe Bakterienzahlen im Implantatlumen auf. Die ermittelten Bakterienzahlen nach Abdichtung mit KieroSeal lagen zwar über denen der beiden anderen Dichtmittel, aber im Vergleich zur Leerprobe konnte auch hier ein positiver Effekt festgestellt werden. Die ermittelten Messdaten zeigen außerdem, dass unter simulierter Kaufunktion und vorheriger Abdichtung des konischen Implantat-Abutment-Designs (Bego Semados RI) mit Berutemp 500 T2 oder dem CHX-Gel ein effekti-verer Schutz vor einer bakteriellen Besiedlung der Implantatinnenräume vorliegt als nach Ab-dichtung des Implantatdesigns mit interner Stoßverbindung (Xive S Plus) durch die beiden Dichtmittel. Anders verhält es sich nach Abdichtung mit KieroSeal. Hier scheint das Silikon in Verbindung mit dem Xive S Plus-Implantatdesign besser vor einer bakteriellen Besiedlung der Implanthohlräume zu schützen, als nach Abdichtung des BegoSemados RI-Implantatdesigns mit diesem Material. Die ermittelten Daten zeigen außerdem, dass keines der beiden untersuchten Implantatdesigns unabhängig von anderen Interaktionen eine bakterielle Besiedlung des Implantatlumens vollständig und sicher verhindern kann.
Schlussfolgernd scheint die Abdichtung der Implantat-Abutment-Komplexe mit den unter-suchten Dichtmitteln eine sinnvolle Ergänzung zur Periimplantitisprophylaxe zu sein. Die Überprüfung der in dieser in-vitro-Studie ermittelten Ergebnisse sollte in klinischen Studien fortgeführt werden. Offen bleiben die Fragen, ob es nach Abdichtung der Implantat-Abutment-Komplexe mit den Dichtmitteln zu einem Rückgang der Entzündungsreaktion des periimplantären Gewebes kommt, welchen Einfluss die kaufunktionelle Belastung der Im-plantate über einen längeren Zeitraum auf die bakterielle Besiedlung der Implantathohlräume hat, welchen Einfluss hierbei der sogenannte “Pumpeffekt“ spielt oder wie sich die Dichtmit-tel im klinischen Praxisalltag bewähren (Handhabung, Geschmack, etc.).
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