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Prävalenz und Pathogenität schwach hämolysierender Brachyspiren bei Mastschweinen in Nordhessen

Vögely, Verena


Originalveröffentlichung: (2015) Gießen : Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.897 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-115059
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11505/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Hygiene und Infektionskrankheiten der Tiere
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6328-3
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.03.2015
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 22.06.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Innerhalb der Familie der Brachyspiraceae ist B. hyodysenteriae der wichtigste Krankheitserreger bei Schweinen. Schwach hämolysierende Spezies dieser Familie sind entweder nicht pathogen (B. innocens), führen zu Kolitis (B. pilosicoli) oder wurden gelegentlich aus Formen milderer Diarrhoe isoliert (B. intermedia. B. murdochii). Betrachtet man den deutschen Schweinemarkt, so wurde über ihr Auftreten lediglich anhand der Untersuchungen von diagnostischen Probenmaterialien berichtet. Somit muss davon ausgegangen werden, dass diese Ergebnisse nicht die wahre epidemiologische Situation widerspiegeln. Um Daten zur Prävalenz schwach hämolysierender Brachyspiren zu erhalten, wurde die hier vorliegende Studie so gestaltet, dass sie statistischen Ansprüchen genügt und sich mit hoher Genauigkeit für die Detektion von Brachyspira spp. in Kot eignet.
Die untersuchten Kotproben in der vorliegenden Studie stammten aus 165 randomisiert ausgewählten Mastbetrieben (mindestens 50 Schweine/Betrieb) in Nordhessen. Der Zeitraum der Untersuchung erstreckte sich von Juli 2011 bis Juni 2012. Abhängig von der Betriebsgröße wurden zwischen einer und vier Sammelkotproben pro Betrieb entnommen, alles in allem wurden 525 Sammelkotproben in der Studie eingeschlossen. Eine Sammelkotprobe bestand aus vier Einzelproben von Schweinen einer Bucht.
Hinsichtlich der gewählten Methoden der Brachyspirendiagnostik in Kotproben wurde bei dieser Studie eine duale Strategie verfolgt. Um die Nachweisrate zu erhöhen wurden sowohl eine kulturelle Anzucht der Brachyspiren, als auch die Anwendung von vier Monoplex-PCRs zum Nachweis der Bakterien in Kot-DNS-Extrakten angewendet. Monoplex-PCRs wurden eingesetzt, um schwach hämolysierende Brachyspiren direkt aus extrahierter DNS aus Kotproben zu detektieren. Für die Speziesdifferenzierung der angezüchteten schwach hämolysierenden Brachyspira spp. wurden verschiedene Duplex-PCR nach bestehenden Protokollen angewendet. Für die kulturelle Anzucht wurden die Sammelkotproben auf 5 %-igem Schafsblut Tryptikase-Soja-Agar ausgestrichen. Nach anaerober Inkubation von maximal 10 Tagen, wurden die verdächtigen Hämolysezonen mittels Dunkelfeldmikroskopie auf Brachyspiren untersucht. Die Reinkulturen wurden abgeschwemmt und, um ihre Lebensfähigkeit zu erhalten, bei -70 °C sowie, um sie als Template in die PCRs einzusetzen, bei -20 °C gelagert. Eine statistische Auswertung wurde mittels Chi²-Test durchgeführt.
Von 165 Mastbetrieben in Nordhessen konnten bei nahezu allen, außer bei sieben Beständen, schwach hämolysierende Brachyspiren nachgewiesen werden. Der Anteil positiver Betriebe reichte von ca. 86 % und 79 % im Fall von B. murdochii und B. innocens, bis 58 % bei B. intermedia und 11 % bei B. pilosicoli. Dies war unerwartet, da vorangegangene Studien über niedrigere Prävalenzraten berichteten. Generell beeinflussen vor allem die Probenherkunft und die angewendeten diagnostischen Methoden die Ergebnisse. Da eine randomiserte, statistisch repräsentative Anzahl von Proben entnommen und eine sehr sensitive Diagnostik angewendet wurde, kann davon ausgegangen werden, dass sich die Prävalenzraten dieser Studien sehr stark der wahren Situation annähern.
Bewertet man die klinische Bedeutung von schwach hämolysierenden Brachyspiren, so fällt auf, dass die Prävalenz bei Betrieben, in denen Tiere an Durchfall litten, verglichen mit solchen ohne Durchfall, nur geringfügig höher für B. intermedia (16 %-ige Zunahme) bzw. für B. innocens (9 %-ige Zunahme) war. Bei B. murdochii war es sogar eine 6 %-ige Abnahme. Im Gegensatz dazu, konnte B. pilosicoli fünfmal häufiger aus Betrieben mit durchfallkranken Schweinen als von Betrieben ohne diese Problematik isoliert werden, was seine Rolle als Krankheitserreger bestätigt. Die Ergebnisse für B. murdochii und B. innocens deuten höchstwahrscheinlich auf eine geringe Rolle dieser Erreger bei Durchfallgeschehen hin. B. intermedia spielt dagegen vermutlich eine intermediäre Rolle, da sowohl die Prävalenz ebenso wie die mögliche Assoziation zu Durchfallgeschehen zwischen der von B. pilosicoli auf der einen Seite und B. innocens/B. murdochii auf der anderen Seite einzuordnen sind.
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