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Effektivität eines neuartigen, modularen interaktiven Ernährungsschulungsprogramms für Patientinnen mit Brustkrebs in der stationären Rehabilitation

Efficacy of an innovative, modular group-based nutrition education program for breast cancer survivors in an inpatient rehabilitation unit

Theobald, Steffen


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-113687
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11368/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Rehabilitation , Patientenschulung , Brustkrebsbetroffene , Ernährung , kontrollierte Studie
Freie Schlagwörter (Englisch): rehabilitation , patient education , breast cancer survivors , diet , controlled trials
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Ernährungswissenschaft, Sponsor: Fördergesellschaft Forschung Tumorbiologie e.V., Freiburg i.Br.
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.12.2014
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 12.03.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund
Da die 5-Jahres-Überlebensrate von Breast Cancer Survivors (BCS) inzwischen bei mehr als 80 % liegt und diese Patientinnen ein erhöhtes Risiko auch für andere ernährungsassoziierte Krankheiten haben, sollten sie die auch für Gesunde geltenden Ernährungsempfehlungen internationaler Fachgesellschaften befolgen.
Seitens der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV-Bund) als Hauptkostenträger der stationären Rehabilitation besteht Interesse, BCS nach Abschluss der Primärtherapie zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren. Bisher existiert jedoch in Deutschland kein modulares Programm für die Ernährungsschulung dieser Patientinnen, dessen Wirksamkeit überprüft wurde.

Zielsetzung
Ziel dieser Studie war die Entwicklung und Prüfung der Effektivität eines manualisierten Ernährungsschulungsprogramms (ESP) für BCS in der stationären Rehabilitation anhand ausgewählter Verzehrsparameter. Der primäre Zielparameter war die Erhöhung der Obst- und Gemüsezufuhr auf mindestens fünf Portionen pro Tag (mind. 650 g/d), entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sekundäre Zielparameter waren eine signifikante Erhöhung des Anteils an Patientinnen, die mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag verzehren, sowie eine Reduktion der Fettzufuhr auf maximal 30 Prozent der Energiezufuhr (DGE-Empfehlung).

Patientinnen und Methoden
Im Rahmen einer kontrollierten Interventionsstudie wurden 219 Patientinnen mit kurativ behandeltem Brustkrebs, die eine stationäre Rehabilitation in der Klinik für Tumorbiologie Freiburg planten, gebeten, vor Beginn (T1), sowie einen Monat (T2), drei Monate (T3) und sechs Monate (T4) nach Beginn der Rehabilitation ein 4-Tage-Ernährungsprotokoll (4d-EP) zu führen. Die Interventionsgruppe (INT) nahm am ESP, bestehend aus sechs Theorie- und zwei Lehrküchenmodulen während sowie zwei Auffrischungsseminaren 3 bzw. 6 Monate nach Beginn der Rehabilitation teil. Die Kontrollgruppe (KON) konnte auf freiwilliger Basis das ernährungsmedizinische Standardangebot der Klinik nutzen.
Die Auswertung der protokollierten Verzehrsmengen an Obst, Gemüse und Fett erfolgte mit der Ernährungs- und Diätberatungssoftware PRODI, Version 4.5 LE 2001. Die Beurteilung des ESP aus Sicht der Teilnehmerinnen erfolgte mit standardisierten Fragebogen. Die deskriptive und statistische Auswertung der Ergebnisse der 4-Tage-Ernährungsprotokolle und der Fragebogen erfolgte mit der Statistiksoftware SPSS, Version 11. Analysiert wurden absolute und relative Häufigkeiten sowie univariate und multivariate Unterschiede zwischen den Gruppen mittels t-Test, chi-Quadrat-Test nach Pearson sowie zweifaktorieller ANOVA.

Ergebnisse
4-Tage-Ernährungsprotokolle für alle 4 Messzeitpunkte lagen von insgesamt 118 Patientinnen vor, davon 61 Patientinnen aus der INT und 57 Patientinnen aus der KON. Die Obst- und Gemüsezufuhr betrug im Mittel ± SD in der INT (KON) zu T1 483 ± 235 g/d (460 ± 177 g/d) (p= 0,552, t-Test), zu T2 743 ± 287 g/d (526±177 g/d) (p< 0,001), zu T3 673 ± 246 g/d (485 ± 169 g/d) (p< 0,001) und zu T4 631 ± 222g/d (505 ± 172g/d) (p=0,001). Die Unterschiede zwischen den Faktoren Gruppe und Messzeitpunkt sowie die Interaktion zwischen den Gruppen und den Messzeitpunkten waren signifikant (p< 0,001; zweifaktorielle ANOVA) und blieben auch nach Energieadjustierung bestehen. Der Anteil an Patientinnen in der INT (KON), die mindestens 650 g/d Obst und Gemüse verzehrten, lag zu T1 bei 24,6 % (17,5 %) (p=0,349, chi2-Test nach Pearson), zu T2 bei 54,1 % (29,8 %), zu T3 bei 52,5 % (14,0 %) und zu T4 bei 49,2 % (17,5 %). Der Gruppenunterschied war zu T2, T3 und T4 signifikant (p<0,01).
Die Fettaufnahme in Energie% betrug in der INT (KON) zu T1 35,8 ± 5,7 (35,7 ± 5,6) (p= 0,909) und zu T2 30,8 ± 5,4 (34,1 ± 5,6) (p= 0,002). Zu T3 und T4 stieg sie in der INT wieder an unterschied sich nicht mehr signifikant von der der KON. Die Gesamtzufriedenheit mit dem ESP lag auf einer 10er-Skala (0=“gar nicht gefallen“ bis 10= „sehr gefallen“) im Mittel bei 9,2±1,1 und mit den beiden Auffrischungsseminaren jeweils bei 9,2±1,0.

Konklusionen
Durch das Absolvieren eines neuartigen modularen Ernährungsschulungsprogramms während der Rehabilitation können Breast Cancer Survivors ihre Obst- und Gemüsezufuhr signifikant steigern und über 6 Monate auf einem hohen Niveau beibehalten sowie der Anteil an Patientinnen, die mindestens 650 g/d Obst und Gemüse verzehren, verdoppelt werden. Das Ziel, weniger als 30 Energie% Fett zu verzehren, wurde dagegen zu allen Messzeitpunkten verfehlt. Die Beurteilung vonseiten der Teilnehmerinnen zeigte eine hohe Zufriedenheit mit dem Ernährungsschulungsprogramm. Eine Implementierung des Ernährungsschulungsprogramms als Regelversorgung könnte, besonders in Kombination mit Bewegungs- und psychosozialen Schulungsmodulen, einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung eines gesundheitsfördernden Lebensstils bei BCS leisten.
Kurzfassung auf Englisch: Background
As a result of improvements in diagnosis and therapy, the 5-year-survival rate for patients with breast cancer has increased to more than 80 %. Breast Cancer Survivors are at increased risk of nutrition-related diseases. Therefore, similar to healthy subjects, they should follow international dietary guidelines. Promotion of a healthy lifestyle in cancer survivors is supported by The German Statutory Pension Insurance (DRV-Bund), the main benefactor of inpatient rehabilitation. Furthermore the DRV-Bund recommends the implementation of evidence based patient education programs to promote long-term health. However, a modular nutrition education program (NEP) meeting the specific needs of breast cancer survivors is still lacking.

Objective
The aim of this study was the development and evaluation of a modular group-based NEP designed to promote healthy food habits in breast cancer survivors. The efficacy of the program was examined in a controlled trial with breast cancer survivors in an inpatient rehabilitation unit. The primary endpoint was a fruit and vegetable (FV) intake of at least 650 g/d corresponding to the recommendations of the German Nutrition Society (DGE). Secondary endpoints were a significant increase in the percentage of patients achieving this goal and a fat intake of max. 30 % of energy intake (DGE recommendation). An additional objective was patient rating of the NEP.

Patients and Methods
219 patients admitted for rehabilitation to the Tumor Biology Center, Freiburg were asked to keep a 4-day food record before arrival (T1), and one (T2), three (T3) and six (T4) months after the start of rehabilitation. The intervention group (INT) received the NEP consisting of six group sessions, two cooking class sessions and two refresher courses three and six months after the start of rehabilitation. The comparison group (COM) was free to take part in the standard nutrition program. Fruit, vegetable, and fat intake was calculated with the nutrition software program PRODI, version 4.5 LE 2001. Rating of the NEP by participants were captured using standardised questionnaires. Statistical analyses were performed by computing means and standard deviations of anthropometric, social data and food intake. Group comparisons were calculated with two-sided t-tests, chi-square tests, and two way ANOVA. All analyses were conducted using the statistics software package SPSS, version 11.

Results
A total of 118 patients (61 INT, 57 COM) completed 4-day food records at all 4 measurement points. The mean ± SD consumption of FV in the INT (COM) was 483 ± 235 g/d (460 ± 177g/d) at T1 (p= .552), 743 ± 287g/d (526 ± 177g/d) at T2 (p< .001), 673 ± 246 g/d (485 ± 169 g/d) at T3 (p< .001) and 631 ± 222g/d (505 ± 172g/d) at T4 (p= .001), respectively. The differences between the factors group and measurement points as well as the interaction between group and measurement points were significant (p< .001, two-way ANOVA) and remained after adjustment for energy intake. The percentage of patients in the INT (COM) who had a FV intake of at least 650g/d was 24.6% (17.5%) at T1 (p= .349), 54.1% (29.8%) at T2 (p= .008), 47.5 % (14.0%) at T3 (p< .001) and 49.2% (17.5%) at T4 (p< .001), respectively. The mean percentage of energy (En%) from fat consumed at baseline in the INT (COM) was 35.8 ± 5.7 En% (35.7 ± 5.6 En%) at T1 (p= .909). A reduction in fat intake occurred in both groups at T2 with fat intakes of 30.8 ± 5.4 En% in the INT and 34.1 ± 5.6 En% in the COM (p= .002). Fat intakes at T3 and T4 increased in the INT and were no longer significant between groups. Patient rating showed an overall satisfaction with the NEP with 9.2 ± 1.1 for the course and 9.2 ± 1.0 with the two refresher courses, respectively (0 to 10 scale, with 0 indicating “not at all”, and 10 indicating “very much”).

Conclusions
The results of the study suggest that a modular group-based nutritional program during inpatient rehabilitation can significantly increase FV intake, as well as doubling the number of persons achieving the recommended intake for FV of the DGE. In contrast, a reduction in fat intake below the DGE recommendation has been failed. The high level of satisfaction seen following patient rating of the NEP suggests that the NEP is highly acceptable. The implementation of such a program as a standard of care in rehabilitation of breast cancer patients would appear to be reasonable.
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