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Gruppenbehandlung von Spinnenphobie durch einmalige Intervention ohne in-vivo Exposition mit THT-iSyMind

Pfister, Ruth Caroline


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-112312
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2014/11231/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Fachärztliche Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.11.2014
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 12.12.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Das Risiko, an einer Angststörung zu erkranken, ist in Deutschland hoch. Als effektive Behandlungsmethoden werden verhaltenstherapeutische Expositionstherapien empfohlen, dennoch suchen weniger als die Hälfte der Betroffenen eine Behandlung auf, weil die Vermeidung des Angstobjektes bzw. der angstauslösenden Situation Hauptsymptom der Erkrankung ist. Eine neue, in einer Sitzung durchgeführte Gruppenbehandlungsmethode der Spinnenphobie wird im Detail beschrieben. Sie eignet sich besonders für klinisch auffällige Patienten mit assoziierten Panikattacken, weil die Behandlungsbedingungen weder in–vivo-Exposition noch imaginative Exposition miteinschließen. Die Autorin führte eine kontrollierte Studie durch, um die Wirksamkeit von THT-iSyMind zu untersuchen. Die Behandlungsergebnisse wurden mit einer Kontrollgruppe spinnenphobischer Personen verglichen, die mit psycho-edukatorischer Informationsvermittlung ebenfalls eine Behandlung ohne in-vivo-Exposition erhielt.
Methode: Um schwere spinnenphobische Personen zu erreichen, wurde in den Rekrutierungsanzeigen betont, dass während der Behandlung kein Kontakt zu lebenden Spinnen statt-finden würde. Bei 31 spinnenphobischen Personen, die nach DSM IV die Diagnose einer spezifischen Phobie aufwiesen, wurden spinnenphobiespezifsche Werte mittels Selbstbeurteilungsbögen erhoben. Bei zweiundzwanzig Personen (75,9 %) wurden nach DSM-IV zusätzlich spinnenphobieassoziierte Panikattacken diagnostiziert.
Die Patienten wurden der Behandlung mit THT-iSyMind oder einer Kontrollgruppe mit schriftlicher Psychoedukation (Informationsvermittlung) zugeteilt. Die Interventionszeit für beide Behandlungen betrug eine Stunde pro Patient. Die Reduktion der spinnenphobischen Symptomatik wurde mittels eines Selbstbeurteilungsfragebogens, dem Spinnenangstfragebogen (SAF), der deutschen Version des Fear of Spider´s Questionaire (FSQ) erhoben. Um das Vermeidungsverhalten zu quantifizieren, wurde ein Vermeidungsfragebogen (VF), der das Alltagsvermeidungsverhalten in Bezug auf Spinnen erfasst, verwendet, da das Studiendesign keinen Behavior Avoidance Test mit lebenden Spinnen gestattete. Die Patienten stuften au-ßerdem ihre Angst und ihren Ekel vor Spinnen auf einer Visuellen Analogskala nach Bildexposition mit einer Spinne (Hausspinne, Tegenaria atrica, Größe 2,7 cm ohne Beine) ein. Alle Untersuchungsparameter wurden vor und nach Behandlung zum primären Endpunkt nach 28 Tagen erhoben. Für die THT-iSyMind Gruppe wurden zusätzlich alle Parameter auch nach 7 und 180 Tagen und unmittelbar nach Behandlung der VAS-A und VAS-E erhoben.
Ergebnisse: THT-iSyMind zeigte zum primären Endpunkt (28 Tage) nach Behandlung in Bezug auf alle selbstbeurteilten spinnenphobiespezifischen Variablenaußer der Visuellen Analogskala Angst (VAS-A)im Vergleich zu Informationsvermittlung statistisch signifikant bessere Ergebnisse (SAF p< .000; VF p<.000; VAS-E p<.000).VAS-A p<.0028 war nach Bonferroni-Korrektur (40 facher Wert) nicht mehr statistisch signifikant. 74% der Patienten der THT-iSyMind Gruppe waren am primären Endpunkt, 4 Wochen nach Behandlung, zudem klinisch signifikant gebessert gegen über 0% der Gruppe mit schriftlicher Psychoedukation. Im Langzeitverlauf nach 6 Monaten wurden die Selbstbeurteilungsparameter der THT-iSyMind Gruppe mit den Werten vor Behandlung verglichen, da für die Psychoedukationsgruppe keine Langzeitbeobachtung durchgeführt wurde. Dabei erwies sich die statistisch signifikante Reduktion aller Parameter in der THT-iSyMind Gruppe als stabil. Rückmeldungen der Patienten in Form freier Befragung bestätigten die erfolgreiche und stabile Übertragung von neuem Verhalten (Reduktion des Vermeidungsverhaltens) bis zum Zeitpunkt von 6 Monaten. Einige vermutete Erklärungen für die vielversprechenden Ergebnisse von THT-iSyMind in dieser Studie werden diskutiert.
Fazit: Die Ergebnisse der Pilotstudie zeigen, das THT-iSyMind statistisch und klinisch signifikant die Symptome einer Spinnenphobie reduziert. Einige Überlegungen zu diesen vielversprechenden Resultaten der Studie werden diskutiert. Weitere Forschung, Wiederholung der Ergebnisse und Evaluation zur Methode THT-iSyMind ist nötig. THT-iSyMind könnte sich als Behandlungsalternative für PatientInnen, die eine in-vivo-Exposition ablehnen, erweisen.
Kurzfassung auf Englisch: Purpose: The prevalence of phobias in the general population in Germany is high. Recommended therapies are behavioral exposition therapies with good clinical results, but less than half of the patients seek treatment because avoidance of the feared object or situation is a main symptom of phobia. A new one-session group treatment for spider phobia is described in detail. It is especially suitable for a clinical population with associated panic attacks because the treatment conditions do not include in-vivo exposition nor imaginal exposition. The author employed a controlled trial to investigate the efficacy of THT-iSyMind. Treatment outcome was compared to spider-fearful control participants, which took part in psycho-educational information transfer, another treatment condition without in-vivo-exposition.
Methods: To recruite especially fearful individuals, advertisements stressed that the new treatment method would not include any contact with living spiders during treatment. Thirty-one patients with spider phobia, fulfilling the DSM-IV criteria for simple phobia were assessed with self-report measures. 22 (75,9%) of them also fulfilled the DSM-IV criteria for spider phobia associated panic attacks. They were assigned to the new treatment, THT-iSyMind, or received psycho-educational information transfer. The intervention time of both treatments consisted one hour per patient. Symptom reduction of spider phobia was quantified on a subjective level by the Fear of Spider´s Questionaire (FSQ). To assess the patient´s degree of avoidance of spiders an avoidance questionaire (AQ), which measures avoidance behavior in everyday life was used as the study design did not allow a behavior avoidance test with living spiders. The patients also self-assessed on 0-100 visual analogue scales the degree of fear (VAS-A) and disgust (VAS-E) watching a photo of a tarantula (Tegenaria atrica, size without legs 2,7 cm). All parameters were examined pre and post treatment at 28 days. The THT-iSyMind group was also followed up at day 7 and 180 and for VAS-A and VAS-E immediately after THT-iSyMind intervention.
Results: Results showed that THT-iSyMind was(VAS-A)statistically significant better in all variables except for the visual analogue scale of fear (VAS-A) than psycho-education at post-treatment (28 days) on the specific spider phobia self-report measures (FSQ p< .000; AQ p < .000; VAS-A p <.0028; VAS-Ep<.000). Criteria for clinically significant improvement 4 weeks post treatment were met by (14 patients) 73,7% of the THT-iSyMind Group and 0% for the information transfer group. At 6-months follow-up the statistical significant reduction of all the self-report measures in THT-iSyMind group compared to pretreatment, as the in-formation transfer group was not followed up, remained stable. Feedback of the patients con-firmed the successful and stable transfer of new behavior (reduction of avoidance behavior) up to 6 months.
Conclusions: This pilot trial suggests that THT-iSyMind reduces statistically and clinically significant symptoms of spider phobia. Some of the reasons for the promising results of THT-iSyMind treatment in this study are discussed. Further research, replication and evaluation of THT-iSyMind is needed. THT-iSyMind might provide a treatment alternative for patients who refuse in-vivo-exposition therapies.


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