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Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg und seine Tätigkeit in der Ukraine (1941-1944)

Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg and his work in Ukraine (1941-1944)

Gutsul, Nazarii


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-110020
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2014/11002/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): ERR , Rosenberg , Ukraine , Kultur , Krieg
Freie Schlagwörter (Englisch): ERR , Rosenberg , Ukraine , Culture , War
MSC - Klassifikation: A.0 GENERA
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Osteuropäisches Institut
Fachgebiet: Geschichte
DDC-Sachgruppe: Geschichte Europas
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 02.07.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 29.07.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) gehörte zu den wenigen nationalsozialistischen Organisationen, die im Zweiten Weltkrieg ein Mandat zur „Sicherstellung und Bergung“ des Kulturerbes der besetzten Völker bzw. zum Kunst- und Kulturraub besaßen. Die vorliegende Dissertation ist dem ERR und seiner Tätigkeit in den besetzten ukrainischen Gebieten 1941-1944 gewidmet. Im Gegensatz zu den westeuropäischen Studien, die sich mehr auf den Kulturraub von jüdischem Besitztum spezialisieren, konzentriert sich die vorgelegte Forschungsarbeit mehr auf den Kunst- und Kulturraub aus den staatlichen Einrichtungen in der Ukraine. Die Arbeit leistet einen Beitrag zur Okkupations- und Kulturgeschichte der Ukraine, der deutsch-ukrainischen Beziehungen, zur Forschung über den Nationalsozialismus und die Geschichte Osteuropas im 20. Jahrhundert im Allgemeinen. Sie basiert vor allem auf ausgewerteten archivalischen Quellen aus Deutschland und der Ukraine, obwohl die Überlieferung der relevanten Archivakten lückenhaft und fragmentarisch ist.
Die Arbeit verfolgt das Ziel die verstreuten Archivquellen zur Institutionsgeschichte des ERR auszuwerten und ein zusammenhängendes Bild der Struktur, der Aufgaben und Personalpolitik chronologisch und ortsbezogen zu rekonstruieren. In der neueren Forschung zum Kunst- und Kulturraub wurden vor allem die nationalsozialistischen Konkurrenten des ERR diskutiert. Der ERR selbst wird dabei zumeist nur in Hinblick auf seine Tätigkeit im Rahmen der Kultur- und Kunstausbeutung untersucht und weniger hinsichtlich seiner ideologisch-wissenschaftlichen und kulturpolitischen Aufgabe. Deswegen enthält diese Studie Informationen über den Aufbau des ERR, seine Gründung und die Organisation der Stabsführung und seiner lokalen Gruppen. Dazu wurde auch die Verbindungen zwischen Stabszentrale und lokalen Haupt- und Arbeitsgruppen untersucht. Es wurden auch die Einsatzorte und -gebäude des ERR lokalisiert und analysiert. In der Ukraine wurde der ERR durch seine Hauptarbeitsgruppe Ukraine (kurz die HAG Ukraine) repräsentiert. Regional bestand die HAG Ukraine aus drei, später aus sechs, Arbeitsgruppen (kurz AG): „West-Ukraine“, „Süd-Ukraine“ und „Ost-Ukraine“, später „Kiew“, „Cherson“, „Dnepropetrowsk“, „Kriwoj Rog“, „Charkow“ und „Krim“ („Simferopol“). Neben den Arbeitsgruppen existierten auch Vor- und Sonderkommandos, die kurzfristige Aufgaben in den konkreten Regionen oder Städten ausübten.
Zu den Hauptaufgaben des ERR gehörten auch die Gründung und Betreuung von fünf geplanten NS-Bibliotheken: die Zentralbibliothek der Hohen Schule der NSDAP, die Ostbücherei Rosenberg, die Bibliothek des Instituts zur Erforschung der Judenfrage, die Liberalismus- und Bolschewismus-Bibliotheken (die beiden letzten existierten nur auf dem Papier). Die Arbeit des ERR in der Ukraine bestand unter anderem aus „Sicherstellung“, „Katalogisierung“, „Lieferung“, „Vorbereitung der Politischen Ausarbeitungen“ und „Organisation der politisch-ideologischen Schulungen“.
Die Studie spiegelt die theoretischen Aufgaben und die praktische Tätigkeit des Einsatzstabes in den vom Dritten Reich besetzten Gebieten der heutigen Ukraine wider, die zu folgenden vier Verwaltungsbereichen gehörten: Reichskommissariat Ukraine, Transnistrien, Generalgouvernement und Rückwärtiges Heeresgebiet.
Die Arbeit stellt die Geschichte einer NS-Behörde, insbesondere ihre Organisation und Struktur, umfassend dar. Sie zeigt die Interaktion von Besatzern und einheimischen Wissenschaftlern und Hilfskräften aus einer neuen Perspektive. Die Studie erschließt auch bis dato wenig bekannte Gesichtspunkte aus dem Besatzungsalltag in den ukrainischen Gebieten im Zweiten Weltkrieg.
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