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Ursachen und Funktionen von Koppen bei Pferden und Möglichkeiten und Grenzen der Prävention und Therapie

Toewe, Birte Hannelore


Originalveröffentlichung: (2014) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (7.880 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-109892
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2014/10989/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Professur für Tierschutz und Ethologie; Klinik für Pferde mit Lehrschmiede, Innere Medizin
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6184-5
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 22.10.2013
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 22.07.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Koppen gehört zu den am häufigsten auftretenden Verhaltensstörungen bei Pferden, die in menschlicher Obhut gehalten werden. Neuere Forschungsergebnisse ermöglichten anhand von Verhaltenstests die Zuordnung der Verhaltensstörung Koppen zu den Stereotypien, per definitionem repetitive, unveränderliche Verhaltensmuster ohne erkennbaren Zweck. Nachgewiesen sind auch Veränderungen der Dopamin-Rezeptordichte im Bereich der Basalganglien, die u. a. für die Verhaltenssteuerung zuständig sind. Die Ursache des Koppens ist dagegen nicht eindeutig geklärt. Assoziiert ist die Stereotypie mit einem intensiven Management, Training und restriktiver Haltung. Auch ein Fütterungsregime mit hohem Kraftfutter- und geringem Raufutteranteil scheint das Auftreten des Koppens zu begünstigen. Häufig wird ein Zusammenhang zwischen dem Koppen und pathologischen Veränderungen des Verdauungstraktes des Pferdes vermutet, wobei v. a. säurebedingte Magenulcera als Auslöser im Vordergrund stehen. So führte die Fütterung säurepuffernder Antacida in Versuchen sowohl zu einer Verbesserung der Magengesundheit als auch zu einem quantitativen Rückgang des gezeigten Koppverhaltens. Darauf aufbauend wurde im Rahmen der vorliegenden Dissertation mithilfe einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie untersucht, ob eine vierwöchige Therapie des endoskopisch nachgewiesenen Equine gastric ulcer syndrome (EGUS) mit dem magenspezifischen Säuresekretionshemmer Omeprazol (GastroGard®) zu einer Verminderung oder dem Ausbleiben des Koppens bei 33 etablierten Koppern im Alter von sieben Monaten bis zu 19 Jahren führt. Zudem sollte überprüft werden, ob das Alter und damit indirekt die Dauer des Bestehens der Stereotypie einen Einfluss auf den Therapieerfolg, d.h. auf eine Verhaltensänderung infolge der Omeprazolbehandlung hat. Dazu wurde die Kopper in zwei Altersgruppen <= 60 Monate und > 60 Monate unterteilt und das Koppverhalten vor und nach der Behandlung für diese Gruppen getrennt überprüft. Allgemein wird für Stereotypien von einer Emanzipation des Verhaltens, d.h. mit der Dauer der Verhaltensstörung zunehmenden Loslösung von den ursprünglichen auslösenden ausgegangen. Je länger das Koppen besteht bzw. je älter das betroffene Pferd ist, desto schlechter wäre es demnach zu therapieren. Die Behandlung mit Omeprazol führte zu einer signifikanten Verbesserung des Gesundheitszustandes der cutanen Magenschleimhaut sowie der gesamten Magenschleimhaut. Keine signifikante Veränderung ergab sich bei den Scoringwerten für die Drüsenschleimhaut. Trotz der endoskopisch nachgewiesen erfolgreichen Therapie des EGUS blieb das Koppverhalten insgesamt bei allen Pferden unverändert bestehen. Auch das Alter der untersuchten Kopper bzw. indirekt die Dauer des Bestehens des Koppens hatte keinen signifikanten Einfluss auf den Erfolg der Therapie. Möglicherweise besteht kein Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Koppens und dem EGUS bei Pferden. Vielmehr könnte es sich um unabhängige Reaktionen handeln, die durch ähnliche Faktoren begünstigt werden. Genauso könnte Koppen auch eine Folge des EGUS sein, die aber aufgrund des Alters bzw. der Dauer des Koppens bei den untersuchten Probanden bereits emanzipiert und damit nicht mehr therapierbar war. Denkbar wäre auch eine Beteiligung anderer Abschnitte des equinen Verdauungstraktes am Koppgeschehen, auf die Omeprazol keinen Einfluss hat. Insgesamt bleibt Koppen zum jetzigen Zeitpunkt unter ausschließlicher Einbeziehung pferdegerechter und tierschutzkonformer Methoden therapieresistent. Das Augenmerk muss somit weiterhin auf der Prävention dieser Stereotypie liegen.
Kurzfassung auf Englisch: Crib-biting is one of the most common behavioural disorders in domestic horses and was proven to be a stereotypy by scientific behavioural tests. Stereotypic behaviour is defined as repetitive, invariant and apparently functionless behavioural pattern. Stereotypies are associated with altered brain functions especially of the dopaminereceptor density in the basal ganglia, which is responsible for behavioural control. Causes of crib-biting are not yet determined definitely. Crib-biting is also associated with intensive management, training and restrictive husbandry. Feeding of high amounts of concentrate and less roughage seems to pander occurrence of crib-biting in horses. It is believed that there is a relation between crib-biting and gastrointestinal disorders, especially gastric ulceration and inflammation caused by gastric acid. Studies have shown that feeding of buffering antacids improved gastric health and concurrently reduced crib-biting behaviour. Based on these results the present dissertation examined the effects of a four weeks treatment with the protone-pump inhibitor omeprazole (GastroGard®, Merial) on 33 established crib-biting horses aged from 7 moth up to 19 years proven by endoscopy to suffer from the equine gastric ulcer syndrome (EGUS) in a double-blind placebo-controlled study. Additionally we surveyed the influence of the horse’s age and indirectly the duration since the onset of the stereotypy on the success of the therapy, that means a change in crib-biting behaviour. Therefore the horses were subdivided into two groups of age, one younger than 60 month and one older than 60 month and the crib-biting behaviour was evaluated separately for both groups before and after the treatment. In general it is believed that stereotypies become emancipated with their duration. Emancipation refers to a process by which stereotypies become increasingly independent of the causal factors and may therefore persist with age, regardless of the conditions. According to this therapy is complicated the longer a horse performed its crib-biting behaviour. The omeprazole (GastroGard®, Merial) treatment significantly increased the scoring- levels of the health of the cutaneous gastric tissue and the complete gastric tissue. There was no significant change in the scoring-levels for the glandular tissue. Despite the fact that the EGUS was proved to be successfully treated by endoscopy, the cribbing persisted in all horses and there was no significance for a change in crib-biting behaviour. Also the age of the horses had no significant influence on the result of the treatment. There probably is no relationship between the occurrence of the stereotypy crib-biting and the EGUS in horses. In fact it may be two independent reactions promoted by similar factors. In the same way crib-biting may be a consequence of the EGUS, but according to the age of the probands and the duration of the stereotypy the crib-biting may become rapidly emancipated und therefore insensible to the treatment. Third omeprazole acts specifically by reducing the gastric acid, while antacids may have an effect on the intestine. Maybe other parts of the gastrointestinal tract than the stomach are involved in the occurrence of crib-biting. In the end crib-biting is at that time resistant to any kind of treatment that is compliant to horse’s behaviour and animal welfare. That points out to the importance of prevention.
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