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Nutzen einer intragastralen Kaliumsubstitution bei der Therapie von Colon- und Caecumobstipationen des Pferdes mit wasserfreiem Natriumsulfat

Latki, Torben


Originalveröffentlichung: (2014) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.664 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-109338
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2014/10933/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinikum Veterinärmedizin, Klinik für Pferde mit Lehrschmiede, Innere Medizin
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6173-9
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.06.2014
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 30.06.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Primäre Obstipationen des Caecums und Colons werden traditionellerweise mit osmotisch wirksamen Laxantien behandelt. Eine unerwünschte Wirkung der Abführtherapie mit wasserfreiem Natriumsulfat besteht bei rund 45% der Pferde in einer Hypokaliämie. Dabei sinkt der Kaliumgehalt im Blut im Mittel um ca. 0,7 mmol/l ab (Gembicki 2011).
Ziel der eigenen prospektiven, verblindeten, randomisierten und kontrollierten Studie war es, durch die zeitgleiche Verabreichung von Kaliumchlorid bei der intragastralen Abführtherapie mit wasserfreiem Natriumsulfat hypokaliämische Zustände zu verhindern.
In die Studie sind 33 Probanden eingegangen. Nach Diagnosestellung und Erfüllung der Einschlusskriterien wurden die Patienten randomisiert einer von drei Gruppen zugeordnet. Die Kontrollgruppe K0 erhielt kein Kalium, während den Therapiegruppen 25 mg KCl / kg KGW (K25) oder 50 mg KCl / kg KGW (K50) verabreicht wurde. Alle Patienten erhiel¬ten Natriumsulfat (0,44 g / kg KGW) per Nasenschlundsonde. Die Salze wurden in 1,225 Liter / 100 kg KGW H2O gelöst. Klinische Untersuchungen und regelmäßige Blutkontrollen wurden alle zwei Stunden über die nächsten 24 Stunden durchgeführt. Innerhalb von 26 Monaten wurden 22 Warmblutpferde, 10 Kleinpferde und ein Pony in die Studie einbezogen. Es wurden 15 Colon- sowie 12 Caecumobstipationen und 6 Obstipationen im Colon und Caecum diagnostiziert. Alle Pferde konnten geheilt entlassen werden.
Es konnte gezeigt werden, dass es beim Einsatz von Kaliumchlorid in zwei unterschiedlichen Mengen zu einer verminderten Anzahl und Dauer hypokaliämischer Zustände kam, auch wenn diese nicht vollständig verhindert werden konnten.
Schwach signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen (p < 0,04) wurden u. a. für die Kaliumkonzentration ermittelt. Ebenso erwiesen sich die Unterschiede des pH – Wertes als statistisch signifikant (p < 0,02) zwischen den Gruppen. Die Veränderungen über die Zeit (Hypokaliämie sowie Alkalose) zeigten sich als hoch signifikant (p < 0,001). Für Herzfrequenz, Atemfrequenz sowie Darmperistaltik konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden, hier zeigten sich nur zeitabhängige Signifikanzen. Dies fand sich entsprechend für die weiteren Parameter des Säure – Basen Status (Bikarbonat, Base Excess und Laktat), sonstige Elektrolyte (Natrium, Kalzium und Chlorid) sowie Hämatokrit und Gesamteiweiß: keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen aber z.T. hoch signifikante Veränderungen im Zeitverlauf.
Die metabolische Alkalose ist am Ehesten durch die bei der Abführtherapie zugeführten Natriumionen zu erklären, da Natrium als stark basisches Kation wirkt. Der zeitgleich zur Alkalose beobachtete Abfall des Kaliums entstand wahrscheinlich, weil Protonen im Austausch mit Kaliumionen in den Intrazellularraum verschoben wurden. Martens und Schweigel (2003) geben an, dass bei einer erhöhten Kaliumaufnahme bei Kühen die Natriumausscheidung kompensatorisch ansteigt. Anzunehmen wäre, dass es im umgekehrten Fall zu einer erhöhten, kompensatorischen Kaliumausscheidung kommt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Kaliumspiegels trotz der Zufuhr von KCl in den ersten 6 Stunden nach Abführtherapie bei wenigen Pferden abnahm. Die zusätzliche Gabe von Kaliumchlorid führte zu einem deutlich schnelleren Wiederanstieg des Blutkaliumspiegels und ein Kaliumzusatz von mindestens 50 mg / kg KGW zur Abführtherapie mit Natriumsulfat verhinderte die überwiegende Anzahl hypokaliämischer Zustände.
Daher sollte bei jeder Natriumsulfatgabe mindesten 50 mg / kg KCl zusätzlich verabreicht werden. Inwiefern höhere Dosen bzw. die wiederholte Gabe von KCl von Nutzen sind, müssten künftige Studien eruieren.
Kurzfassung auf Englisch: In order to soften primary constipations in the equine caecum or large colon, osmotic laxatives are used traditionally. An adverse effect of one of these, sodium sulfate, is hypokalaemia, which is seen in about 45% of equine patients. A mean decrease in potassium blood levels of 0.7 mmol/l is previously been shown by others (Gembicki 2011). The aim of this prospective, randomized, controlled and blinded study was to avoid hypokalaemia in constipated patients by adding potassium chloride to the intragastrally applied laxative sodium sulfate.
Included were 33 patients of the Clinic of Equine Internal Medicine at the Justus-Liebig-University in Giessen / Germany. After diagnosis and inclusion, the patients were allocated (according to a randomisation list) to one of three groups: a control group (K0) which received no additional potassium, a group which received an additonal 25 mg / kg bw of potassium chloride (K25) or to a group which got 50 mg / kg bw potassium chloride (K50). All patients were treated with 0.44 mg / kg sodium sulfate via stomach tube and the potassium was applied simultaneously. All salts were dissolved in 1.225 l water per 100 kg bw. The patients were evaluated clinically and by laboratory measurements every two hours for 24 hours. The examiner was blinded to the treatment group. For statistical analysis, a two-way ANOVA was performed.
Within 26 months, 22 warmbloods and 11 ponies were included. 15 constipations were localised in the large colon, 12 in the caecum and 6 patients showed increased filling in both areas. All equines were discharged from the clinic.
Dependent on the dose of potassium chloride, hyokalaemic states were reduced, but even in K50 not completely prevented. Statistically, significant (p=0.04) differences between groups were shown for potassium blood levels as well as for blood pH (p=0.02). Differences over time in potassium and blood pH were highly significant (p<0.001). Gut sound intensity as well as heart and breathing frequencies showed no significant differences between groups, but over time. This was true for bicarbonate, base excess, lactate, sodium, calcium, chloride, haematocrit and total protein too.
The metabolic alkalosis was supposed to be based on the high levels of absorbed sodium ions. This strong ion probably leads to a shift of protons into the gut lumen. Alkalosis and sodium increase explain the concurrent decrease in potassium blood levels. With higher dosis of potassium, increase in sodium blood level and alkalosis was less severe.
In summary, despite addition of potassium chloride to sodium sulfate therapy, mean potassium blood levels decreased within the first eight hours and hyopkalaemia was not avoided in all patients. However, the potassium substitution resulted in a faster recovery of blood levels and hypokalaemic states were reduced for more than 50%. Therefore, we recommend to add at least 50 mg/kg bw potassium chloride to every sodium sulfate application. If higher doses or more frequent potassium applications may be useful needs further evaluation.
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