Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Metaanalysen zur Therapie der bovinen Dermatitis digitalis

Wagner, Tanja Christina


Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.082 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-109189
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2014/10918/

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us


Freie Schlagwörter (Deutsch): Metaanalyse , Dermatitis digitalis , Klauenerkrankung , Rind , Evidenzbasierte Medizin
Freie Schlagwörter (Englisch): meta-analysis , digital dermatitis , cattle , evidence-based medicine
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Wiederkäuer, Innere Medizin und Chirurgie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.05.2014
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 16.06.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Bei der Dermatitis digitalis handelt es sich um die derzeit vermutlich wichtigste Klauenerkrankung in Ländern mit intensiver Rinderhaltung. Die Therapie ist aufwendig, sehr häufig kommt es nach vorübergehender Besserung zu Rezidiven. Prophylaxemaßnahmen, wie etwa Klauenbäder, erzielen oft nicht den gewünschten Erfolg. Bislang existieren die verschiedensten Empfehlungen zur Therapie dieser Krankheit, doch ist daraus die Evidenz dieser Maßnahmen häufig nicht so ohne weiteres ersichtlich.
In der Humanmedizin besteht mittlerweile die Forderung, dass im Hinblick auf die Wahl einer Therapie patientenorientierte Entscheidungen nach Möglichkeit auf der Grundlage von empirisch nachgewiesener Wirksamkeit getroffen werden sollen, das bedeutet die Anwendung der Evidenz-basierten Medizin. Die entsprechende Entwicklung in der Tiermedizin hinkt dabei etwas hinterher, vor allem mangels einer ausreichenden Zahl kontrollierter klinischer Studien. Die höchste Evidenzstufe besitzen die sog. Metaanalysen, bei denen mittels geeigneter statistischer Verfahren die Ergebnisse mehrerer Einzelstudien zusammengefasst werden. Auf diese Weise lässt sich die Effektivität einzelner Behandlungsverfahren miteinander vergleichen.
Im Rahmen dieser Doktorarbeit wurden solche Metaanalysen zur Therapie der Dermatitis digitalis durchgeführt. Dazu wurden anhand einer sehr intensiven Recherche in Online-Datenbanken (Pubmed, MEDPILOT, capdirect, Google Scholar), durch Weiterverfolgung von Literaturhinweisen in gefundenen Artikeln sowie durch manuelle Durchsicht der deutschsprachigen Fachzeitschriften ab Erscheinungsjahr 1974 (einschließlich Berücksichtigung von Hinweisen auf weitere Studien in den Literaturverzeichnissen) versucht, alle zugänglichen Publikationen zu diesem Thema zusammenzutragen. Eine ausreichende Anzahl an Studien mit der notwendigen Evidenz fanden sich dabei zu folgenden Therapieverfahren: Lokale Behandlung der Dermatitis digitalis mit Oxytetracyclin, mit Kupfersulfat und mit Lincomycin sowie zur Anwendung Kupfersulfat- und Formalin-haltiger Klauenbäder.
Aus den publizierten Daten wurde mit Hilfe der Gleichung von Hedges und deren Korrektur für kleine Stichprobengrößen die jeweilige Effektstärke der einzelnen Studien berechnet. Diese Daten wurden anschließend in das „Random-effects”-Modell eingespeist. Die entsprechenden Ergebnisse wurden im Folgenden durch weitere graphische Darstellungen und Berechnungen verifiziert und gewichtet (Forest Plot, Heterogenitätsanalyse, Funnel Plot, „Fail-Safe N” sowie Sensitivitätsanalysen).
Diese Arbeit kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass von der hohen Zahl an Publikationen zu dieser Krankheit nur relativ wenige den Evidenz-Anforderungen genügen. Dies ist aber bekanntlich in der Tiermedizin ein weit verbreitetes Problem. Insofern führten nur die Metaanalysen zur lokalen Behandlung mit Oxytetracyclin und zur Therapie mit Kupfersulfat-haltigem Klauenbad zu einem gesichert positiven Ergebnis. Dabei ergab die Behandlung mit Oxytetracyclin den deutlichsten Behandlungserfolg. Bezüglich der anderen untersuchten Therapieverfahren, wie etwa die lokale Behandlung mit Lincomycin oder die therapeutische Anwendung Formalin-haltiger Klauenbäder, konnten die durchgeführten Metaanalysen schon allein deshalb zu keiner gesicherten Aussage kommen, weil zu diesen Verfahren zu wenige kontrollierte Studien mit hinreichender Evidenz vorliegen. Das sehr knapp unter Null liegende Ergebnis der Metaanalyse zur lokalen Anwendung von Kupfersulfat verwundert angesichts der Tatsache, dass die Metaanalyse zu Kupfersulfat-haltigen Klauenbädern ein positives Ergebnis ergibt. Um hier den Therapieeffekt von Kupfersulfat gesicherter zu zeigen oder zu widerlegen, wäre es notwendig, weitere kontrollierte klinische Studien durchzuführen und diese dann in die entsprechenden Metaanalysen mit einfließen zu lassen. Somit unterstreicht auch diese Arbeit wiederum die Notwendigkeit kontrollierter klinischer Studien als Voraussetzung dafür, dass die Prinzipien der Evidenz-basierten Medizin zukünftig vermehrt auch in die Buiatrik Eingang finden können.
Lizenz: Veröffentlichungsvertrag für Publikationen ohne Print on Demand