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Untersuchungen zur Reduzierung der Ferkelverluste und zur Verbesserung der täglichen Zunahmen der Ferkel bei hochfruchtbaren Sauen

Welp, Stephan


Originalveröffentlichung: (2014) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.420 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-108559
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2014/10855/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Agrarwissenschaften und Umweltmanagement
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6146-3
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.02.2014
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 09.05.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Die durchgeführten Untersuchungen hatten zum Ziel, verschiedene Maßnahmen zur Verringerung der Saugferkelsterblichkeit zu evaluieren, und erfolgten auf drei Ferkelerzeugerbetrieben mit 500, 700 bzw. 140 Sauen, die im 4-, 1- und 3-Wochen- Rhythmus bewirtschaftet wurden. Im Einzelnen fand eine Analyse der Auswirkungen der Monocalciumphosphatgabe an die Sauen und der Geburtenüberwachung auf die Totgeburtenrate sowie der Step two-Liegefläche, der zweistündigen Wurftrennung, der oralen Gabe eines Energiepräparates, der Höhe des unteren Holmes des Sauenstandes (Korbhöhe), der Fußbodengestaltung, einer Gummimatte auf der Sauenliegefläche und der Geburtenüberwachung mit intensiver Neugeborenenversorgung auf die Ferkelverluste sowie täglichen Zunahmen während der Säugezeit statt. Die Untersuchungen erstreckten sich über 15 Durchgänge im Betrieb A, 21 im Betrieb B und 20 im Betrieb C. Dabei konnten im statistischen Modell zu den Einflüssen auf die Verluste Datensätze von 7.196 Ferkeln und zur Berechnung der Lebendmasseentwicklung solche von 6.551 Ferkeln verwendet werden. Die Teiluntersuchung zur Anzahl der totgeborenen Ferkel bei Sauen mit oder ohne Monocalciumphosphatgabe basierte auf 4 Durchgängen mit 22 Würfen und die zur Geburtenüberwachung auf 5 Wiederholungen mit 18 Geburten. Auf Basis des gesamten Stichprobenumfanges traten im Betrieb A 6,8 %, im Betrieb B 13,4 % und im Betrieb C 14,6 % Ferkelverluste auf. Diese Werte liegen niedriger als die nach Sauenplaner ausgewiesenen Verlustquoten (A = 11,6 %, B = 17,7 %, C = 22,2 %). Die Begründung liegt darin, dass nicht alle Ferkel des jeweiligen Haltungsdurchganges aus technischen Gründen in die Untersuchung einbezogen werden konnten, zwischen Geburt und Wägung (= Wurfaufnahme) auftretende Verluste nicht den jeweils untersuchten Einflussfaktoren zugerechnet werden konnten und insbesondere im Betrieb A viele Ferkel versetzt wurden, die ebenfalls nicht alle ausgewertet werden konnten. Diese Bedingungen galten allerdings für die jeweilige Untersuchungs- und Kontrollgruppe gleichermaßen, sodass der Vergleich ohne Einschränkung möglich war. Mit der vorliegenden Untersuchung konnte erneut bestätigt werden, dass 61,2 bis 77 % aller Abgänge in den ersten drei Lebenstagen entstehen. Dabei traten vor allem Verluste durch Erdrücken, Lebensschwäche und Erbfehler auf, die in allen Betrieben mit unterschiedlicher Häufigkeit die Hauptabgangsursachen bildeten. Monocalciumphosphatgabe Die Wirksamkeit einer Monocalciumphosphatgabe als Futteradditiv wurde bei älteren Sauen ab dem 5. Wurf unter dem Aspekt der Totgeburtenrate untersucht. Die Anzahl totgeborener Ferkel betrug bei Sauen ohne diese Futterbeimischung 2,35 pro Wurf. Mit der Monocalciumphosphatgabe konnte die Totgeburtenrate auf 1,17 Ferkel pro Wurf gesenkt werden (p < 0,05). Somit ist eine zweimalige Gabe von Monocalciumphosphat pro Tag und über eine Dauer von 7 Tagen bis zur Geburt zu empfehlen. Step two-Liegefläche Die Step two-Liegefläche brachte keine Vorteile für die Ferkel gegenüber einem planen Fußboden im Liegebereich der Sau. Die Ferkelverluste in Buchten mit einer solchen Erhöhung lagen tendenziell um 3,6 % höher, und auch die Lebendmasseentwicklung der Ferkel in Step two-Buchten war nicht besser als die in Abferkelbuchten ohne eine Erhöhung. Ein Umbau mit der Absenkung der Liegefläche der Sau, sodass vor allem kleinere Ferkel eine bessere Zugänglichkeit zum Gesäuge haben, oder generell der Verzicht auf Step two beim Neubau, sind Schlussfolgerungen aus diesen Teiluntersuchungen. Wurftrennung Die Wurftrennung (Abtrennung der schwersten Ferkel des Wurfes für etwa 2 Stunden nach der Geburt in einer „Ferkelkiste“ o.ä., sodass die kleineren Wurfgeschwister Kolostrum in etwa 2 Saugakten aufnehmen können) konnte nur im Betrieb A die Ferkelverluste in der Tendenz senken. In den beiden anderen Betrieben waren keine eindeutigen Effekte zu erkennen. Eine bessere Lebendmasseentwicklung der Ferkel mit Wurftrennung war allein in Würfen von Sauen mit 3 bis 5 Würfen in den Betrieben A und C statistisch abzusichern. Eine einmalige Abtrennung von Teilen (ca. 50 %) des Wurfes für zwei Stunden kann auf einzelnen Betrieben eine positive Wirkung auf die Senkung der Ferkelverluste erzielen, sollte aber nach den vorliegenden Ergebnissen generell nicht überschätzt werden. Orale Energiegabe Die von den Herstellern der Präparate erwarteten Effekte einer zweimaligen oralen Gabe eines Energiepräparates blieben aus. Die orale Energiegabe bewirkte zwar tendenziell geringere Ferkelverluste im Betrieb B, jedoch waren bei beiden Betrieben (A und B) deutlich schlechtere Tageszunahmen der behandelten Ferkel im Vergleich zu Kontrolltieren zu beobachten, die bei Nachkommen älterer Sauen auch statistisch abzusichern waren. Auch bei gesonderter Auswertung der kleineren Ferkel (kleiner gleich 1,10 kg) wurden kaum positive Auswirkungen sichtbar. Unter Berücksichtigung der Kosten für die Präparate und des Arbeitsaufwandes ist von dieser Maßnahme abzuraten. Korbhöhe Der Korbhöhe (= Höhe des unteren Holmes des Sauenstandes) konnte keine Wirkung auf die Ferkelverluste zugeschrieben werden. Allerdings war in zwei Betrieben mit zunehmend besserer Zugänglichkeit der Ferkel an das Gesäuge (der untere Holm des Sauenstandes kann die obere Gesäugeleiste abdecken und den Zugang für die Ferkel erschweren) eine Verbesserung der täglichen Zunahmen der Ferkel im Mittel um 20 bis 30 g nachzuweisen. Vor der Geburt und im Verlauf der Säugezeit sollte die Korbhöhe entsprechend der Konstitution der Sau angepasst werden, um die störungsfreie Erreichbarkeit aller Zitzen durch alle Ferkel des Wurfes sicherzustellen. Die Höhe des unteren Holmes sollte nach Möglichkeit mindestens 28 cm betragen. Fußbodenvarianten Der Fußbodentyp hatte einen signifikanten Einfluss auf die Saugferkelverluste und bewirkte hochsignifikante Unterschiede in den täglichen Zunahmen der Ferkel. Der insgesamt tierfreundlichste Fußboden für die Saugferkel war in der vorliegenden Untersuchung der Kunststoffrost in der gesamten Abferkelbucht (Ferkelverluste bei älteren Sauen mit > 5 Würfen 10,8 %). Die höchsten Verluste in dieser Wurfkategorie (20,3 %) traten in Buchten mit Betonboden im vorderen Bereich auf. Gummimatte Eine Gummimatte auf der Sauenliegefläche führte zu subjektiv verbesserten Abliegevorgängen der Sauen (weniger Ausrutschen), konnte aber nicht durchgehend über alle Würfe die Ferkelverluste reduzieren und die täglichen Zunahmen erhöhen, sodass dieses Haltungselement keinen maßgeblichen Beitrag zur Verbesserung der Aufzuchtleistung erbringen kann. Geburtenüberwachung und intensive Neugeborenenversorgung Durch die Anwesenheit des Untersuchers während 5 Durchgängen donnerstags von 17 – 21 Uhr (18 Abferkelungen) konnten die Totgeburten in diesen Würfen um 40 % gesenkt (bedingt durch die relative geringe Zahl an Würfen nicht signifikant) und 22 Ferkel gerettet werden. Im Vergleich zu 101 Würfen mit 1.358 Ferkeln, die während der gesamten Laufzeit der Untersuchung ohne Ferkelwache geboren wurden, ließen sich die Ferkelverluste zwischen 0,9 und 9,7 % (bezogen auf die einzelnen Wurfnummern der Sauen) verringern. Bei einer Kalkulation (5 x 4 Stunden = 20 Stunden Ferkelwache x 15,00 € / Akh = 300,00 € Kosten; 22 Ferkel gerettet minus 15 % Ferkelverluste unterstellt = 19 Ferkel x 38,00 € Grenzgewinn je Ferkel = 722,00 € Erlös) konnte für den Betrieb konkret ein Zusatzgewinn von 422,00 € nachgewiesen werden. Auf das Jahr bezogen ergibt sich durch die Anwendung einer Ferkelwache (nur 4 Stunden pro Woche, am Hauptabferkeltag Donnerstag von 17 bis 21 Uhr) ein zusätzlicher Gewinn von nahezu 4.400,00 €.
Kurzfassung auf Englisch: The study carried out had the aim to evaluate different methods in reducing piglet losses and took place on three piglet production units with 500, 700 and 140 sows which produced in a 4-, 1- and 3-weeks production cycle. Following methods were examined: the effects of an additional administration of monocalcium phosphate to the sows and birth control on the number of stillbirths as well as the step two lying area, the split nursing for two hours, an orally administered energy supplement for the piglets, the height of the lowest bar of the farrowing crate above floor, different floor types in the farrowing pen, a rubber mat on the sow´s lying area and a birth control with intensive neonatal care for the piglets on piglet losses and daily growth rate. The investigations included datasets of 15 rounds on farm A, 21 on farm B and 20 on farm C. The statistical model for piglet losses included datasets of 7,196 and for the growth rate 6,551 piglets, respectively. The substudy of the effect of monocalcium phosphate based on 4 rounds with 22 litters and the birth control on 5 rounds and 18 litters. On basis of the total sample size the percentage of piglet losses in farm A was 6.8 %, in farm B 13.4 % and in farm C 14.6 %. The results are lower than the piglet losses obtained from the management software (Sauenplaner) (A = 11.6 %, B = 17.7 %, C = 22.2%). The explanation is that not all piglets of the respective round were included because of technical problems, piglet losses between birth and weighing were not attributed to the examined effects and especially in farm A many piglets were fostered which were not evaluated. These conditions were the same for the respective investigation and control group, so that a comparison is possible without any restriction. This study confirms that 61.2 – 77 % of all losses occurred during the first three days after birth. The main reasons were crushing, low viability and genetic defects at which the order differed between the farms. Monocalcium phosphate The effect of a monocalcium phosphate application as a feed additive was analyzed in older sows with the parity number 5 or above on the number of stillborn piglets. The number of stillborn piglets was in sows without this dose 2.35 per litter. The sows which were fed with monocalcium phosphate gave birth to 1.17 stillborn piglets per litter, only (p < 0.05). Therefore, it is recommendable to administer monocalcium phosphate to the sows twice a day from seven days before until the day of birth. Step two The ‘step two’ did not have an advantage compared to farrowing pens without a ‘step two’. The piglet losses in pens with ‘step two’ were even 3.6 % higher and also the growth rates of the pigs in farrowing pens with a ‘step two’ were not higher than those of piglets without a ‘step two’. A change to pens without a ‘step two’, so that especially small piglets have better access to the teats, or a renunciation of a ‘step two’ for new constructions, are conclusions on these substudies. Split nursing The split nursing (separation of the heaviest piglets of the litter for 2 hours after birth in a box or similar objects, so that the smaller littermates can suckle in at least 2 suckling periods) tended to reduce the piglet losses only on farm A. For the other farms (A and B) no clear effects could be measured. A better growth rate of the piglets which were separated was found only for sows with parities 3 – 5 in the farms A and C. The unique separation of a part of the litter (50 %) for two hours could have positive impacts on the piglet losses in some farms, but should not be overestimated. Oral energy supply The expectations of the manufacturer on a double orally administered energy supplement were not confirmed. The orally administered energy supplement for the piglets tended to reduce the losses in farm B, but the growth rates of the piglets on both farms (A and B) were considerably declined and in parities of older sows significant. Even for the small pigs rarely positive impacts were visible. Taking the costs for the supplement and labor into account, the oral energy supply cannot be recommended. Height of the lowest bar The height of the lowest bar of the farrowing crate above floor had no effect on the piglet losses. In two farms a better access to the udder (the lowest bar of the farrowing crate above floor can cover or hinder the accessibility to the upper teats) resulted in higher growth rates of the piglets of 20 – 30 g per day. The height of the lowest bar above floor should be adjusted before and after birth to the constitution of the sow, respectively, so that all piglets reach the udder smoothly. The height of the lowest bar should be at least 28 cm. Floor types The floor type had a significant influence on the piglet losses and led to significant differences in the daily weight gains. The best floor for the animals was in the present study the plastic floor in the whole farrowing pen (piglet losses in older sows with > 5 parities 10.8 %). The highest losses in this parity class were measured in pens with a concrete floor (20.3 %). Rubber mat Subjectively, a rubber mat underneath the sow had an improving effect on their lying behavior (fewer sliding), but this could not be confirmed by lower piglet losses and higher growth rates, so that it does not contribute to an improvement in rearing performance. Birth control with intensive neonatal care Due to the presence of the examiner during 5 rounds on Thursdays from of 5 to 9 p.m. (18 litters) the number of stillborn pigs declined by 40 % (because of the small sample size not significant) and 22 piglets could be saved. In comparison to 101 litters with 1,358 piglets which were born without any supervision during the whole investigation period, the piglet losses could be reduced by 0.9 to 9.7 % (in the single parity categories). In a calculation (5 x 4 hours = 20 hours birth control x 15.00 € / working hour = 300.00 € costs; 22 saved piglets minus 15 % losses assumed = 19 piglets x 38.00 € benefit per piglet = 722.00 € revenues) an amount of 422.00 € extra revenues could be detected. Calculated for a year the supervision (only 4 hours per week, main farrowing day Thursday from 5 to 9 p.m.) improved the profit by almost 4,400.00 €.
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