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Kontrollierte klinische Studie über den Einfluss einer Akupunkturbehandlung auf die postoperative Entwicklung der Pansenmotilität bei Milchkühen

Spitzley, Evamaria


Originalveröffentlichung: (2014) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (6.006 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-108163
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2014/10816/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Wiederkäuer und Schweine (Innere Medizin und Chirurgie)
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6139-5
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.03.2014
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 03.04.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Kontrollierte klinische Studie über den Einfluss einer Akupunkturbehandlung auf die postoperative Pansenmotilität bei Milchkühen mit rechtsseitiger Labmagenverlagerung Einleitung: In einer vorherigen Studie über den Einfluss einer Akupunkturbehandlung auf die postoperative Entwicklung bei Kühen mit linksseitiger Labmagenverlagerung (Freudenberg, 2010) ergaben sich bezüglich der geprüften Hauptzielkriterien keine signifikanten Unterschiede zwischen Akupunktur- und Kontrollgruppe. Hinsichtlich der zusätzlich als Nebenzielkriterium berücksichtigten auskultatorisch beurteilten Pansenkontraktionen fand sich jedoch eine statistisch signifikante Überlegenheit der Akupunkturgruppe. Um diesen Befund anhand objektiv messbarer Kriterien zu überprüfen, wurde in der nunmehr präsentierten Studie nochmals das gleiche Akkupunkturschema angewandt und dabei die Pansenkontraktionen mittels Ruminographie registriert. Material und Methoden: Bei den Probanden handelte es sich um 80 Kühe der Rassen Deutsche Holsteins (n = 74), Deutsches Fleckvieh (n = 2), Rotvieh (n = 2), Rotbuntes Niederungsrind (n = 1) sowie ein Kreuzungstier aus zwei Milchrinderrassen (n = 1), die zur stationären Behandlung einer rechtsseitigen Labmagenverlagerung in die Klinik eingeliefert wurden. Das Durchschnittsalter dieser Kühe betrug 4,6 Jahre (2 – 11 Jahre). Einschlusskriterium war das Vorliegen einer rechtsseitigen Labmagenverlagerung, unabhängig von Verlagerungsgrad, Grad der Drehung oder Krankheitsdauer. Ausschlusskriterien waren puerperale fieberhafte (> 39,5 °C) Metritiden, Mastitiden mit grobsinnlich verändertem Milchsekret, mittel- bis hochgradige Lahmheiten sowie Euthanasie intra operationem aufgrund infauster Befunde. Am Morgen des ersten Tages (Versuchstag 1) wurden nach erfolgreich abgeschlossener Labmagenoperation (Laparotomie von rechts mit Omentopexie nach Dirksen) die Probanden auf die Versuchsgruppe (n = 40) und auf die Kontrollgruppe (n = 40) randomisiert. Die Randomisierung erfolgte mittels einer per Computerprogramm (Rancode®, Fa. IDV Datenanalyse und Versuchsplanung, Gauting) vorab erstellten Zufallsliste, indem ein mit der Probandennummer beschrifteter Umschlag geöffnet und das darin befindliche Kärtchen mit den entsprechenden Angaben entnommen wurde. In der Versuchsgruppe wurden an den Tagen 1 und 3 p. op. folgende fünf Punkte für jeweils 20 Minuten akupunktiert: Pi Shu, Shi Zang, Du Jiao, Magen 36 (Ma 36) und Milz/Pankreas 6 (MP 6). In der Kontrollgruppe unterblieb dies, doch beschäftigte sich die für die Durchführung der Akupunktur zuständige Tierärztin über dieselben Zeiträume in ähnlicher Weise mit den Patienten. Die Ruminographie erfolgte an den Versuchstagen 1 und 3 jeweils um 9:30 Uhr und um 10:30 Uhr für jeweils 30 Minuten, d. h. in der Versuchsgruppe jeweils vor und nach einer Akupunkturbehandlung. Verwendet wurde dazu ein ursprünglich für die Humangeburtshilfe entwickelter Vierkanaltokograph, welcher zur Erfassung der Pansenmotilität adaptiert wurde. Die erfassten Signale wurden über Bluetooth an einen tragbaren Computer gesendet und dort abgespeichert. Zur Datenauswertung wurde speziell für diese Zwecke ein auf dem Programm MATLAB® basierendes Softwareprogramm entwickelt (Werner, 2012). Alleiniges Hauptzielkriterium war die ruminographisch gemessene Pansenmotilität. Zudem wurden folgende Nebenzielkriterien erfasst: Tagesmilchleistung, Basenabweichung (BE) im venösen Blut sowie die -Hydroxybutyrat-Konzentration im Plasma. Ergebnisse: In der Kontrollgruppe verstarben zwei Probanden am 2. Versuchstag aufgrund eitrig-nekrotisierender Ruminitis mit hochgradiger Peritonitis bzw. eitrigjauchiger Endometritis und ulzerativer Abomasitis. In der Akupunkturgruppe musste eine Kuh aufgrund hochgradiger Labmagenanschoppung und eitrig-ulzerativer Abomasitis am 3. Versuchstag eingeschläfert werden. Insgesamt wurden von den Probanden der Akupunkturgruppe 37 Tiere, von denjenigen der Kontrollgruppe 36 Tiere als geheilt aus der Klinik entlassen. Zum Gruppenvergleich konnten nur die Daten von 38 Tiere je Gruppe berücksichtig werden, da bei einem festliegenden Probanden der Akupunkturgruppe am Tag 3 keine Ruminographiedaten erfasst werden konnten. Bezüglich der ausgewerteten Ruminographiedaten konnten zwischen Akupunkturund Kontrollgruppe keine signifikanten Unterschiede nachgewiesen werden. Es kam allerdings zu einer gruppenunabhängigen signifikante Verbesserung der Pansenmotorik im Verlauf der Studie. Gleiches galt hinsichtlich des Nebenzielkriteriums Milchleistung. Für die -Hydroxybutyrat-Konzentration konnte zu keinem Zeitpunkt ein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Der Gruppenunterschied bezüglich der Basenabweichung war zwar signifikant, mit etwas günstigeren Werten in der Kontrollgruppe, doch dürfte dieser minimalen Differenz von 3,1 bis 4,1 mmol/l keine klinisch signifikante Bedeutung zukommen. Schlussfolgerungen: Die in der Arbeit von Freudenberg (2010) auskultatorisch festgestellte Stimulierung der Pansenmotilität durch Akupunkturbehandlung konnte bei Überprüfung anhand objektiver Kriterien nicht bestätigt werden. Damit ergeben sich keine verifizierbaren Hinweise auf eine positive Wirkung der Akupunkturbehandlung bei Kühen nach operativer Korrektur einer Labmagenverlagerung.
Kurzfassung auf Englisch: Randomized controlled clinical trial on the effect of acupuncture treatment on postoperative rumen motility in dairy cows with a right abomasal displacement. Introduction: In a previous study on the effect of acupuncture treatment on postoperative development in cows with a left abomasal displacement (Freudenberg, 2010), no significant differences were found between the acupuncture group and the control group as regards the main target criteria tested. With regard to the rumen contractions assessed by means of auscultation - additionally observed as a secondary target criterion - a statistically significant advantage was however found in the acupuncture group. In order to verify this finding using objectively measurable criteria, the same acupuncture schedule was again applied in the study presented here and the rumen contractions registered on a ruminograph. Material and Methods: The subjects were 80 cows, consisting of the breeds Holstein Friesian (n=74), Fleckvieh (n=2), Red (n=2), German Red Pied (n=1) as well as one cross between two breeds of dairy cattle. The cattle were taken into the hospital for stationary treatment for a right abomasal displacement. The average age of the cows was 4.6 years (range from 2 – 11 years). The criterion for inclusion in the study was the presence of a right abomasal displacement, irrespective of the degree of displacement, degree of torsion or duration of the illness. Exclusion criteria were puerperal, feverish (> 39.5°C) metritides, mastitides with extremely modified milk secretion, a medium to high degree of lameness as well as euthanasia during the operation due to infaust findings. On the morning of the first day (test day 1), the subjects from the test group (n=40) and the control group (n=40) were randomised after a successfully completed abomasal operation (laparotomy from the right with omentopexy according to Dirksen). The randomising took place by means of a random list created beforehand by a computer programme (Rancode® from the company IDV Data Analysis and Study Planning, Gauting, Germany). An envelope labelled with the subject number was opened and the card with the corresponding information found inside was taken out. In the test group, on days 1 and 3 post-operation, acupuncture was administered to the following five points for 20 minutes each: Pi Shu, Shi Zang, Du Jiao, Stomach Meridian 36 (St-36) and Spleen-Meridian 6 (Sp-6). In the control group, this was not carried out, however the veterinary surgeon responsible for carrying out the acupuncture spent the same amount of time with the patients in a similar way. Ruminography was carried out on test days 1 and 3 at 9.30am and 10.30am each day for 30 minutes (corresponding to before and after acupuncture treatment on the test group). For this, a four-channel tocography, originally developed for midwifery, was used, having been adapted to record rumen motility. The signals recorded were sent via Bluetooth to a portable computer and saved. A software programme, based on the programme MATLAB®, was specially developed in order to evaluate the data (Werner, 2012). The only main target criterion was the ruminographically measured rumen motility. In additional to this, however, the following secondary target criteria were included: daily milk yield, base excess (BE) in the venous blood and the -hydroxybutyrateconcentration in the plasma. Results: In the control group, 2 of the subjects died on the second test day due to purulent necrotising ruminitis with high-grade peritonitis or purulent sanious endometritis and ulcerative abomasitis. In the acupuncture group, one cow had to be put to sleep on the third test day due to high-level abomasal congestion and purulent ulcerative abomasitis. Altogether, 37 animals from the acupuncture group subjects and 36 animals from the control group subjects were released from the hospital healed. When comparing the groups, only the information on 38 animals per group could be considered, as no ruminography data could be recorded on the third day for one of the stationary subjects from the acupuncture group. As regards the evaluated ruminography data, no significant differences could be proven between the acupuncture group and the control group. Significant improvement in ruminal activity was however shown over the course of the study, irrespective of group. The same result was found in terms of secondary target criterion milk yield. No significant difference was determined at any point in the -hydroxybutyrateconcentration. Although the difference between the groups was significant in terms of the base excess, with somewhat more favourable values in the control group, this minimal difference of 3.1 to 4.1 mmol/l is not of any clinically significant importance. Conclusions: The stimulation of the rumen motility through acupuncture treatment, established by means of auscultation in Freudenberg’s work (2010), could not be confirmed through verification by means of objective criteria. No verifiable indications that acupuncture treatment has a positive effect on cows after operative correction of an abomasal displacement were found.
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