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Zusammenhänge zwischen unzureichender prothetischer Versorgung und Mangel- beziehungsweise Fehlernährung älterer Patienten

Schmidt, Sebastian


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-108104
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2014/10810/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.11.2013
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 26.03.2014
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit wurden die Zusammenhänge zwischen einer unzureichenden prothetischen Versorgung, infolgedessen reduzierter Kaufunktion und Mangel- bzw. Fehlernährung bei geriatrischen Patienten untersucht. Es sollte die Hypothese geprüft werden: „ Eine unzureichende prothetische Versorgung führt zu Mangel- bzw. Fehlernährung älterer Menschen“.
Die Untersuchungen wurden in der Geriatrischen Abteilung der Medizinischen Klinik des St. Bonifatius Hospitals in Lingen an insgesamt 88 Probanden in Form einer explorativen Studie durchgeführt. Die Probanden befanden sich dort in teilstationärer und vollstationärer Behandlung. Die Probanden wurden aufgrund der Qualität ihres Gebiss- und Versorgungszustandes in zwei Gruppen eingeteilt. Gruppe A umfasste Probanden mit gutem bis akzeptablem Gebiss- und Versorgungszustand und Gruppe B Probanden mit schlechtem oder erneuerungsbedürftigem Zahnersatz. Die Beurteilung des Ernährungszustandes bzw. eine Mangel- oder Fehlernährung wurde anhand des Mini Nutritional Assessment, einem Ernährungsfragebogen, erhoben sowie durch Bestimmung einzelner Ernährungsmarker im Blut. Die Kaueffizienz wurde im Rahmen des Kaufunktionstestes nach Wöstmann bestimmt. Ein Demenz-Screening erfolgte mittels Mini-Mental Status-Test und die Beurteilung der Mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität durch das Oral Health Impact Profile bzw. seine deutsche Kurzform (OHIP-14).
Der Gruppe A mit gutem bis akzeptablem Gebiss- und Versorgungszustand wurden 29 Probanden zugeordnet und 59 Probanden der Gruppe B mit schlechtem beziehungsweise erneuerungsbedürftigem Zahnersatz. Die Versorgungskombinationen der Probanden reichten von festsitzendem bis totalem Zahnersatz und seinen Kombinationsmöglichkeiten. Die Auswertung des Mini Nutritional Assessment ergab, dass von den 88 Probanden 7 einen schlechten Ernährungszustand und 24 einen normalen Ernährungszustand aufwiesen. 57 Probanden befanden sich im Risikobereich für einen schlechten Ernährungszustand. Es konnten deutliche Hinweise auf Zusammenhänge zwischen dem Gebiss- und Versorgungszustand und der Kaufunktion festgestellt werden. Patienten die festsitzend versorgt waren, wiesen eine bessere Kaufunktion auf. Es ist deshalb anzustreben den Patienten möglichst festsitzend zu versorgen, oder durch Pfeilervermehrung in Form von Implantaten eine Versorgung mit Totalen Prothesen zu vermeiden, um eine gute Kaufunktion zu gewährleisten. Die Ergebnisse über die Hinweise auf die Zusammenhänge zwischen dem Kaufunktionstest und dem Gebiss- und Versorgungzustand untermauern die in der Literatur zu findenden Angaben.
Bei der Untersuchung des Kaufunktionstestes und dem Mini-Nutritional-Assessment konnten im vorliegenden Probandenkollektiv Hinweise auf Zusammenhänge festgestellt werden. Der MNA und der Kaufunktionstest ergänzen sich bei der Beurteilung des Ernährungszustandes. Mittels des MNA lässt sich der Ernährungszustand differenzierter beurteilen. Risikopatienten für einen schlechten Ernährungszustand können nicht allein mit Hilfe des Kaufunktionstestes ermittelt werden. In der untersuchten Patientengruppe konnte lediglich das Vorliegen eines schlechten Ernährungsstatus mit gutem Kaufunktionstestergebnis ausgeschlossen werden.
Zwischen dem Kaufunktionstest und einzelnen Ernährungsmarkern im Blut konnten Hinweise auf Zusammenhänge gefunden werden. Dies betrifft die Ernährungsmarker Eisen, Cholinesterase, Elektrophoresealbumin, Serumalbumin, Vitamin B1, Vitamin B3 und beta-Carotin. Jedoch sind die Ergebnisse kritisch zu betrachten. Das Gleiche gilt für die gefundenen Zusammenhänge zwischen folgenden Ernährungsmarkern und dem Mini Nutritional-Assessment: Eisen, Cholinesterase, HDL, Elektrophoresealbumin, Serumalbumin, Selen, Vitamin A und Vitamin B1. Eisen, Cholinesterase, Elektrophorese- und Serum-Albumin wiesen sowohl bei der Untersuchung mit dem Kaufunktionstest, als auch mit dem Mini Nutritional Assessment erniedrigte Werte auf. Aufgrund der ermittelten Hinweise auf Zusammenhänge können diese Parameter zur Beurteilung einer Mangel- oder Fehlernährung hinzugezogen werden.
Eine höhere Aussagekraft könnte durch Eingrenzung des Probandenkollektivs – Ernährungsprotokoll, Art der Erkrankungen, Medikamente, etc- und durch eine größere Probandenzahl erreicht werden.
Schlussendlich beeinflusst der Gebiss- und Versorgungszustand, wie in dieser Untersuchung ermittelt, die Mundgesundheitsbezogene Lebensqualität. Die Lebensqualität wurde in der Gruppe B schlechter bewertet. Ziel sollte es sein den Gebiss- und Versorgungzustand der Patienten zu optimieren um die Kaufunktion, das orale Wohlbefinden und somit die Lebensqualität zu steigern.
Kurzfassung auf Englisch: In the present study the correlation of an insufficient prosthetic treatment, a consequently reduced chewing ability and malnutrition in geriatric patients was investigated. Aim of the investigations was to test the hypothesis “An insufficient prosthetic treatment leads to malnutrition in geriatric patients”.
A total of 88 patients in the geriatric department of the Medical Clinic of St. Bonifatius Hospital in Lingen were examined. The patients were semi-residential and fully inpatient. Depending on the quality of denture and their dental status they were divided into two groups. Group A consisted of patients with a good to acceptable dental and denture condition, group B consisted of patients with a poor denture condition or with dentures requiring repair or replacement. The nutritional status or malnutrition was ascertained based on the results of the Mini Nutritional Assessment (MNA) and on measuring specific nutritional markers in the blood. Chewing efficiency was determined through a masticatory function test according to Wöstmann et al.. A dementia screening was performed via Mini-Mental Status- Test and the patients’ oral health-related quality of life was determined by the Oral Health Impact Profile or a German short version (8OHIP-14).
29 patients with good to acceptable dental and denture condition matched group A and 59 patients with a poor denture condition or with dentures requiring repair or replacement matched group B. The combinations of treatment of the patients ranged from fixed to complete dentures and their possible combinations.
Analysing the Mini Nutritional Assessment, 7 of 88 patients demonstrated a poor nutritional status and 24 patients demonstrated a normal nutritional status. 57 patients were in a risk area for a poor nutritional status.
Obvious hints to a correlation between dental and denture condition and chewing ability were detected. Patients with fixed dentures revealed a better chewing ability. Therefore, the aim of prosthetic treatment should be a fixed denture. Otherwise, in order to guarantee a sufficient chewing ability, treatment with complete dentures should be avoided by using implants.
The results concerning hints to a correlation between masticatory function test and dental and denture condition confirm the data in the literature.
Indications of correlations can also be found concerning the analysis of the masticatory function test and the Mini Nutritional Assessment. The MNA and the masticatory function test complement each other in assessing the nutritional status. The MNA leads to a more differentiated evaluation of the nutritional status. A high risk for a poor nutritional status cannot be detected alone by applying the masticatory function test. Among the patients examined, a poor nutritional status could only be ruled out with a good result in the masticatory function test.
Further indications of correlations were detected regarding the masticatory function test and specific nutritional markers in the blood, namely iron, cholinesterase, electrophoresis albumin, serum albumin, vitamin B1, vitamin B3, and beta carotene. But the results should be critically appraised. This is the same with the detected correlations between the MNA and the following nutritional markers in the blood: Iron, cholinesterase, HDL, electrophoresis albumin, serum albumin, selenium, vitamin A, and vitamin B1. Iron, cholinesterase, electrophoresis albumin, and serum albumin revealed decreased values associated with the masticatory function test as well as with the MNA. Thus these parameters seem to be helpful in the assessment of malnutrition.
A higher validity might be reached by limitation of the subject group (nutrition protocol, types of diseases, medications, etc.) and by examining a higher quantity of patients.
Consequently, the quality of denture and dental status influences the oral healthrelated quality of life, as shown in this study. Patients in group B estimated their quality of life worse than patients in group A. Aim of a prosthetic treatment should be to optimise the quality of denture and dental status of the patient to increase chewing ability, oral welfare and thus to raise quality of life.
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