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Assoziation zephalometrischer Parameter mit dem Auftreten der Syringomyelie beim Cavalier King Charles Spaniel mit Chiari-ähnlicher Malformation

Grübmeyer, Annabell Johanna


Originalveröffentlichung: (2014) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (6.129 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-107901
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2014/10790/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Kleintiere, Chirurgie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6127-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 22.01.2014
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 18.03.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Bei der Chiari-ähnlichen Malformation des Hundes handelt es sich um ein Krankheitsbild, welches in den letzten 15 Jahren intensiv erforscht worden ist, dessen Pathogenese jedoch noch immer Rätsel aufgibt. Klinisch kommt es wie beim Menschen zu einer Kompression im Bereich des Foramen magnum, welche eine Veränderung des Liquorflusses hervorruft, infolge derer es zu der Ausbildung einer Syringomyelie im Rückenmarksparenchym kommt. Diese Veränderungen äußern sich beim Menschen vor allem durch starke Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich, beim Hund durch Parästhesien bis hin zu einer Paresesymptomatik.
Nachdem man zu Beginn sowohl die gleiche Ätiologie wie beim Menschen zugrunde legte als auch die Namensgebung übernahm, zeichnete sich im Laufe der Zeit ab, dass es Unterschiede zu der Erkrankung des Menschen gibt.
Dies beginnt bereits bei dem unterschiedlichen pathologischen Bild welches sich zeigt. Während beim Menschen eine Herniation der Kleinhirntonsille in das Foramen magnum gefunden wird, liegt beim Hund eine Verlagerung des Vermis cerebelli und häufig auch des Hirnstammes vor. Da man in der Humanmedizin bei Patienten mit Chiari Malformation eine kleinere hintere Schädelgrube finden konnte, versuchte man dies auch für den Hund nachzuweisen. Allerdings konnte eine zu kleine hintere Schädelgrube für den Cavalier King Charles Spaniel ausgeschlossen werden. Auch ein größeres Parenchymvolumen des Gehirnes, in Relation zur Schädelgröße beim Cavalier King Charles Spaniel, hat sich im Vergleich zu anderen Hunderassen nicht bestätigt. Unterschiede können durch ein unterschiedliches allometrisches Wachstum bei den verschiedenen Hunderassen erklärt werden. So stellt sich die Frage, welche anatomische Veränderung für das Overcrowding der hinteren Schädelgrube und der infolgedessen entstehenden Syringomyelie verantwortlich gemacht werden kann. Bisher konnte die Chiari-ähnliche Malformation nur bei brachyzephalen Hunderassen gefunden werden. Da der Cavalier King Charles Spaniel aufgrund des niedrigen Längen-Breiten-Verhältnisses seines Schädels als besonders brachyzephal eingestuft werden kann, liegt die Vermutung nahe, dass die Brachyzephalie als pathophysiologischer Faktor für die Entstehung einer Syringomyelie angesehen werden kann, also ein retardiertes Längenwachstum des Schädels Ursache für die pathologischen Veränderungen ist.
Diese Überlegungen mündeten in der Frage, ob die Ursache in einer Verkürzung der Schädelbasisknochen gesucht werden kann. Aufgrund dieser Fragestellung wurden anatomische Parameter des Schädels von 107 Cavalier King Charles Spanieln in Zusammenhang mit dem Auftreten einer Syringomyelie bei diesen Tieren untersucht. Die Untersuchungen sollten Aufschluss über die Pathogenese der Chiari-ähnlichen Malformation und Syringomyelie geben und darüber, ob die Schädelbasis bei CKCS mit Syringomyelie tatsächlich kürzer ist als bei Tieren ohne Veränderungen des Rückenmarks.
Im Rahmen dieser Studie wurden 107 CKCS untersucht, welche hauptsächlich zur Zuchtuntersuchung aber auch aufgrund klinischer Symptome vorgestellt wurden. Das Alter der untersuchten CKCS lag zwischen 6 Monaten und 9 Jahren. Es wurde von allen Tieren eine Computertomographie des Schädels sowie eine Magnetresonanztomographie des Schädels und der Wirbelsäule durchgeführt. Die Untersuchung der Wirbelsäule erfolgte im Rahmen der Zuchtuntersuchung bis zum 5. Halswirbel. Bei Patienten, die aufgrund einer neurologischen Symptomatik vorgestellt wurden, wurden bei der magnetresonanztomographischen Untersuchung auch kaudale Wirbelsäulenabschnitte erfasst.
Alle 107 CKCS wiesen Veränderungen im Sinne einer Chiari-ähnlichen Malformation auf. Bei 63 der 107 untersuchten CKCS bestand zum Zeitpunkt der Untersuchung eine Syringomyelie.
Die Ergebnisse der Untersuchungen konnten zeigen, dass das Auftreten der Syringomyelie mit dem Alter (p kleiner als 0,007), SBI (p kleiner als 0,0192), PI (p kleiner als 0,0447) und BOI (p kleiner als 0,0206) korreliert. Desweiteren konnte gezeigt werden, dass CKCS mit einem kleineren Schädelbasis-Index (SBI) ein höheres Risiko für die Ausbildung einer Syringomyelie (Odds ratio 1,26) aufweisen. Außerdem stellten sich sowohl das Präsphenoid als auch das Basiokziput bei diesen Tieren von reduzierter Länge dar, gleichzeitig tendierten diese Knochen dazu breiter zu sein.
Es konnte im Rahmen dieser Studie gezeigt werden, dass die Verkürzung der Schädelbasisknochen einen Risikofaktor für das Auftreten der Syringomyelie darstellt und so die Vermutungen anderer Autoren unterstützt werden, dass die Ursache der Chirai-ähnlichen Malformation und der Entstehung einer Syringomyelie in einer Wachstumsstörung im Bereich der Schädelbasisknochen zu suchen ist.
Kurzfassung auf Englisch: Although the Chiari-like malformation in the dog has been subject of intensive research in the last 15 years its pathogeneses remains mostly unclear.
The pathomorphological changes of the affected dogs are comparable to those in humans. There is a compression in the area of the foramen magnum, which causes an alteration of the cerebrospinal fluid flow and following to that a syringomyelia develops inside the spinal cord. These changes cause intensive head and neck pain in humans and paraesthesias to the point of total paresis of the limbs in dogs.
In the beginning the same etiology described in humans was suspected for the clinical syndrome in dogs, but over the time the research indicated differences to the pathophysiology of the disease in humans.
The differences start in the pathological expression of the disease. While in humans a herniation of the cerebellar tonsils into the foramen magnum can be found, in dogs the vermis cerbelli and possibly the brainstem are dislocated. A smaller caudal cranial fossa was found in human patients with Chiari malformation. The same was suspected in dogs, but previous investigations were able to disprove this assumption for the Cavalier King Charles Spaniel. It also could not be approved that there is a greater volume of the brain parenchyma in relationship to the size of the skull for the Cavalier King Charles Spaniel. The differences could be explained in a different allometric growth of the skull in diverse dog breeds.
The question is which anatomical diversification is responsible for the overcrowding of the caudal cranial fossa and the development of the syringomyelia.
Until now the Chiari-like malformation was only diagnosed in brachycephalic dog breeds. Based on the decreased length-breadth ratio of its skull the Cavalier King Charles Spaniel can be classified as a highly brachycephalic dog. Therefore it could be assumed that the grade of brachycephaly is a pathophysiological factor for the development of syringomyelia and a retarded length growth of the skull might be the cause for the changes found in the Chiari-like malformation.
The question is, if a shortening of the cranial base gives rise to the pathological changes in Chiari-like malformation.
Based on this question we examined the anatomical parameters of 107 Cavalier King Charles Spaniels in relationship to the occurrence of syringomyelia. The study should give information about the pathogenesis of the Chiari-like malformation and the development of syringomyelia and if there is a difference in the cranial base length in Cavalier King Charles Spaniels with or without syringomyelia.
The 107 Cavalier King Charles Spaniels examined in this study were mostly presented for breeding examinations, but some were also presented because of clinical signs. The age of the examined dogs ranged from 6 month to 9 years.
We performed computed tomography of the skull and magnetic resonance imaging of the skull and spine of all patients. The examination of the spine in patients introduced for breeding examinations, were performed until the 5th cervical vertebra. In patients with neurological signs the examination included also the caudal cervical, thoracic and lumbar spine.
Changes consistent with the Chiari-like malformation were found in all 107 Cavalier King Charles Spaniels. 63 of the 107 dogs showed a syringomyelia at the point of examination.
The results of the study showed that the incidence of syringomyelia is correlated to the variables age (p less than 0,007), SBI (p less than 0,0192), PI (p less than 0,0447) and BI (p less than 0,0206).
Furthermore it is shown that Cavalier King Charles Spaniels with a decrease in SBI have an increased risk to develop syringomyelia (odds ratio 1,26).
In addition also the presphenoid and the basioccipital bone showed a reduced length, with an increase in breadth in dogs with syringomyelia.
This study showed, that a reduced length of the cranial base represents a risk factor for the occurrence of syringomyelia. These results support the assumption of other authors that the cause of the Chiari-like malformation and syringomyelia is up to a growth disturbance of the cranial base.
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