Giessener Elektronische Bibliothek

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Wettbewerbs- und Innovationsstrategien in Chinas Mittelstand : Eine Analyse der Elektronikindustrie im Perlflussdelta

Competitive and innovation strategies of small and medium-sized enterprises in China : An analyzis of the Pearl River Delta´s electronics industry

Peighambari, Arman


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-99292
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/9929/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Innovation , China , Elektronik , Wertschöpfungsketten , logistische Regression
Freie Schlagwörter (Englisch): Innovation , China , Electronics, Value Chains , Logistic Regression
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geographie; Deutsche Forschungsgemeinschaft
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geowissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.03.2013
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 31.07.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Das südchinesische Perlflussdelta (PRD) gilt als Musterbeispiel für Chinas Integration in die globale Arbeitsteilung und die regionalwirtschaftliche Entwicklung, die daraus resultieren kann. Unter ausländischem Einfluss hat sich insbesondere in der Elektronikindustrie eine regional bedeutsame Unternehmenslandschaft entwickelt, die von exportorientierten kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) geprägt ist. Die vorliegende Arbeit setzt an der umfassenden Frage an, welche Chancen sich aus einer solchen Arbeitsteilung für die Standorte in Entwicklungs- und Schwellenländern ergeben und welche Faktoren dazu beitragen, dass sich auf dieser Basis eine nachhaltige, auf Wissen fokussierte Wachstumsstrategie entwickelt. Ihr wird auf Ebene der im PRD ansässigen KMU in chinesischem Privatbesitz aus der Elektronikbranche nachgegangen.
Analysiert werden hierbei die Unterschiede im Innovationsverhalten der Unternehmen und ihrer Veränderungsbereitschaft sowie die Einflussfaktoren, mit denen sich Lernprozesse und somit der Weg zu wissensorientierten Strategien erklären lassen. Auf Basis der konzeptionellen Grundlagen werden dafür zwei Bereiche identifiziert. Einerseits sind Unternehmen einem ständigen Zufluss von extern verfügbarem Wissen ausgesetzt, der sich aus dem Umfeld und v.a. der Geschäftstätigkeit ergibt. Dieses extern verfügbare Wissen stellt sowohl eine bedeutsame Grundlage als auch einen leitenden Rahmen dar, in dem sie sich entwickeln können. Andererseits bedingt die Fähigkeit zur Aufnahme und Nutzung von neuem Wissen die Entwicklung innerhalb dieses Rahmens. Insbesondere vorhandenes Wissen und das explizite Engagement in Lernprozesse tragen zur Nutzung des sich bietenden Potentials bei. In einem Erklärungsmodell zusammengeführt wird mit diesen Themen dem theoriebezogenen Ziel vorliegender Arbeit nachgegangen: der Ableitung von Einflussfaktoren auf wissensbasierte Unternehmensstrategien und der Systematisierung bestehender Zusammenhänge. Der so entwickelte Analyserahmen orientiert sich an den Merkmalen des Unternehmenstypus, der Branche sowie der Region und berücksichtigt diese bei der Operationalisierung.
Den Kern der Analyse bildet die Anwendung multivariater statistischer Modelle, insbesondere logistischer Regressionen, die durch eine Kontrastierung mit qualitativen Fällen unterstützt werden. Als Datengrundlage dient u.a. eine standardisierte Befragung von knapp 300 Unternehmen der Elektronikbranche an Standorten im PRD aus dem Jahr 2012. Damit wird dem methodischen Forschungsziel nachgekommen, verallgemeinerbare und quantifizierte Erkenntnisse über die Zusammenhänge zu gewinnen.
Die Ergebnisse bestätigen die grundsätzlichen Zusammenhänge des Erklärungsmodells. Auf Seiten des potentiell verfügbaren Wissens bieten die Geschäftstätigkeit und teilweise Einflüsse aus dem Umfeld einen Rahmen für die Unternehmensentwicklung, in dem sie neues Wissen und Unterstützung erfahren. Auf Seiten der Wissensabsorption können sowohl das Vorwissen als auch das explizite Engagement in Fortschritte als Fähigkeit zur Nutzung dieses Potentials identifiziert werden.
Die vorgenommene sehr differenzierte Betrachtung dabei zeigt jedoch auch die sehr unterschiedlichen Effekte im Detail. So können erstens verschiedene Geschäftsfoki fördernd und hinderlich für die Innovationstätigkeit und die Veränderungsbereitschaft der Unternehmen sein. Zweitens gilt ebenso für Vorwissen und das explizite Engagement in Fortschritte, dass sie unterschiedlich zu den Innovationszielen beitragen. Drittens wird die Bedeutung einzelner Personen deutlich, v.a. die der Unternehmer selbst. Sie sind im hierarchisch geprägten Geschäftsleben in China nicht nur die relevanten Entscheidungsträger, sondern oft mit wenigen Vertrauten die einzige Schnittstelle in Bezug auf Technologien und Marktveränderungen zwischen Umfeld und Unternehmen. Viertens können der Einfluss von formellen und informellen Kontakten inklusive dem chinatypischen guanxi in Teilen bestätigt werden. Jedoch können diese engen Verbindungen auch hinderlich sein, wenn daraus eine zu große Abhängigkeit entsteht und die eigenen Lernprozesse vernachlässigt werden.
Auf Basis der Ergebnisse werden verschiedene Empfehlungen ausgesprochen. So sollte der zweifelsfreie Bedarf an hoch-qualifizierten Arbeitskräften auf Grund der erwähnten Unterschiede der Bedeutung verschiedener Wissensfelder unbedingt differenziert betrachtet werden. Zusätzlich werden Chancen und Risiken einer Exportorientierung als regionalwirtschaftliches Wachstumsmodell bestätigt. Neben der Abhängigkeit von der weltweiten Nachfrage wird deutlich, dass diese Integration in die globale Arbeitsteilung nicht mit einem Automatismus für eine regionalwirtschaftliche Entwicklung gleichzusetzen ist. Dennoch zeigt das Beispiel der Elektronikbranche im PRD, dass sich die lokalen KMU schrittweise auf wissensorientierte Strategien zubewegen und somit dem Ziel einer nachhaltigen Regionalentwicklung ein Stück näherkommen.
Kurzfassung auf Englisch: Southern China´s Pearl River Delta (PRD) is considered a perfect example for China´s integration into the global division of labor and the potential regional economic development that may result from it. Under the influence of foreign companies a local corporate landscape with regional economic significance has particularly developed in the electronics industry, which is characterized by its export orientation and largely dominated by small and medium-sized enterprises (SMEs). This dissertation targets both the opportunities arising from such a division of labor for the locations in developing and emerging economies as well as factors contributing to a possibly resulting growth strategy focused on knowledge. These themes are explored at the level of local privately-owned Chinese SMEs from the PRD´s electronics industry.
The analysis focuses on differences in the firms´ innovation behavior and their willingness to change. Itasks which factors can explain their learning success and, subsequently, their path towards knowledge-related firm strategies. Based on several concepts, two areas are identified. On one hand, companies are exposed to a constant flow of externally available knowledge, resulting from the business environment and in particular the market as a summary term for their businesses. This externally available knowledge represents both an important basis and a conductive framework in which companies can develop. On the other hand, learning requires the ability to absorb knowledge, ie the understanding and use of new knowledge, which is mainly determined by the existing knowledge within the firm as well as its commitment to learning. These internal aspects influence how companies develop within the aforementioned framework and how they make use of the arising opportunities. Both aspects are brought together in an explanatory model and help achieve the theory-related goal of this dissertation: the derivation of factors influencing knowledge-based firm strategies and the systematization of existing relations. The so-developed analytical framework is based on the characteristics of the different company types, industry and region and reflects them in its operationalization.
The core of the analysis is the application of multivariate statistical models, especially logistic regression models, and thus quantitative methods which are supported by qualitative cases. The data base is a standardized survey of almost 300 companies from the electronics industry in various areas of the PRD, which was conducted in late 2012. Altogether, this contributes to the methodological research goal of obtaining insights into the studied relationships that can be generalized and quantified.
The results confirm the basic relationships of the explanatory model. Available knowledge stemming from the business focus and, at least in parts, environmental influences form a framework for the development of the companies. This framework provides the companies with access to new knowledge and supports their development. Regarding knowledge absorption, both previously available knowledge and the explicit commitment to learning can be identified as requirement to exploit this potential.
However, the applied differentiating approach shows that the mentioned effects can vary significantly. Firstly, a company´s business focus can both promote and hinder its innovation activities and willingness to change. Secondly, this also applies to prior knowledge and the commitment to progress as diverse innovation objectives need different inputs. Thirdly, the importance of individuals is emphasized, especially regarding the entrepreneur himself. In China´s business life, these entrepreneurs are not only the relevant decision-makers, but usually together with few intimates the only interface in terms of technology and market changes between the company´s environment and the company itself. Fourthly, the influence of formal and informal contacts, including the China-typical guanxi can be confirmed in parts. However, such close ties to other companies, for example, can be a hindrance if a strong dependency is created and learning processes within the company are neglected.
Based on the results the dissertation establishes various recommendations. At the regional level, the companies´ demand for high-skilled labor may be obvious. However, this important firm resource needs to be distinguished in terms of the aforementioned differences in its effects on innovativeness. In addition, the results also confirm the opportunities and risks of an export-oriented regional economic growth model. Apart from its dependency on global demand such an integration into the global division of labor does not automatically imply positive regional effects. Nevertheless, the example of the electronics industry in the PRD shows that local SMEs are gradually moving towards knowledge-based strategies and thus closer to the goal of sustainable regional development.
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