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Existenzvernichtungshaftung von Scheinauslandsgesellschaftern : zur Anwendung der Existenzvernichtungshaftung auf in- und ausländische Scheinauslandsgesellschaften im Schnittfeld von Kollisionsrecht und Niederlassungsfreiheit

Ripken, Andreas


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-98773
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/9877/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Existenzvernichtungshaftung , Trihotel , Internationales Gesellschaftsrecht , Scheinauslandsgesellschaft , Niederlassungsfreiheit
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Professur Benicke für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung
Fachgebiet: Rechtswissenschaft
DDC-Sachgruppe: Recht
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.12.2012
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 10.07.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Die Arbeit beschäftigt sich vor dem Hintergrund der BGH-Entscheidung „Trihotel“ mit der Anwendung der Existenzvernichtungshaftung auf europäische Scheinauslandsgesellschaften. Bei diesen Gesellschaften, die im Ausland nach ausländischem Recht gegründet wurden, jedoch wirtschaftlich im Inland tätig sind, ist umstritten, inwieweit inländische Gläubigerschutzinstrumente wie die Existenzvernichtungshaftung Anwendung finden können. Fraglich ist vor allem, wie das entsprechende Gläubigerschutzinstrument kollisionsrechtlich zu qualifizieren ist und inwiefern eine Anwendung gegen die europäische Niederlassungsfreiheit verstoßen würde. Die Arbeit thematisiert zunächst die Existenzvernichtungshaftung und beleuchtet ihre Funktion zur Lückenschließung im Kapitalerhaltungsrecht. Sodann widmet sie sich dem Verhältnis von Kollisionsrecht und Niederlassungsfreiheit. Die Arbeit weist nach, dass zur Beantwortung der Frage, wann ein Verstoß gegen die Niederlassungsfreiheit durch Anwendung inländischen Gläubigerschutzrechts erfolgt, nicht die zur Warenverkehrsfreiheit ergangene „Keck“-Rechtsprechung auf die Niederlassungsfreiheit zu übertragen ist. Ein Verstoß gegen die Niederlassungsfreiheit kann vielmehr an Hand einer kollisionsrechtlichen Qualifikation festgestellt werden. Entscheidend ist dabei jedoch, dass die Qualifikation nach dem Gründungsrecht der Gesellschaft und nicht nach dem Recht des tatsächlichen Sitzstaates erfolgen muss. Hinsichtlich der Qualifikation weist die Arbeit nach, dass die Existenzvernichtungshaftung gesellschaftsrechtlich zu qualifizieren ist. Die Existenzvernichtungshaftung stellt zwar grundsätzlich eine unerlaubte Handlung im Sinne der Rom-II-VO dar; die Regelung unterfällt aber wegen des Systemzusammenhangs mit dem Gesellschaftsrecht und der damit verbundenen Gefahr von Normwidersprüchen dem Ausnahmetatbestand des Art. 1 II d) Rom-II-VO. Eine insolvenzrechtliche Qualifikation ist abzulehnen, weil Art. 4 I EuInsVO im Gegensatz zur Existenzvernichtungshaftung selbst die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens voraussetzt. Ebenso ist eine Mehrfachqualifikation abzulehnen. Die Arbeit kommt damit zu dem Ergebnis, dass die Existenzvernichtungshaftung Anwendung auf deutsche Scheinauslands-GmbHs mit tatsächlichem Sitz im Ausland findet, nicht jedoch auf ausländische Scheinauslandsgesellschaften mit tatsächlichem Sitz in Deutschland.
Kurzfassung auf Englisch: This work deals with the application of so-called “Existenzvernichtungshaftung“ (a German GmbH [limited liability company] related liability concept) on European pseudo-foreign companies against the backdrop of the German Federal Court of Justice (BGH) decision “Trihotel”. It has been the subject of legal dispute to what extent European pseudo-foreign companies, which are established in a foreign jurisdiction according to foreign law yet maintain business operations within the forum State, are subject to domestic creditor protection measures such as the “Existenzvernichtungshaftung”. Of particular interest is how the domestic creditor protection measure in question is characterized under the rules of private international law, as well as how an application of the creditor protection measure may infringe on the European freedom of establishment. At the outset this work examines the concept of “Existenzvernichtungshaftung” and its purpose in closing a legal gap within German capital maintenance regulations. Next, it lays out the relationship between private international law and the European freedom of establishment. This work proves that the rationale expressed by the European Court of Justice in the “Keck” judgement regarding selling arrangements is not to be applied to determine when a domestic creditor protection rule infringes upon European freedom of establishment. Instead, a characterization of the rule under private international law will determine an infringement on European freedom of establishment. Critical to this determination, however, is that the characterization must be made according to the law of the company’s place of establishment, and not its actual place of business. In respect of the characterization this work proves that the German creditor protection measure of “Existenzvernichtungshaftung” must be characterized as company law. Although “Existenzvernichtungshaftung” is in principle a tort within the meaning of the Rome II Regulation, its systematic connection with company law and associated risks of conflicting regulations cause it to fall as an exception under Rome II art. 1(2)(d). “Existenzvernichtungshaftung” cannot be characterized as insolvency law, as the EU Regulation on Insolvency Proceedings art. 4(1), requires in contrast to “Existenzvernichtungshaftung” an initiation of bankruptcy proceedings. A multiple characterization is also inapplicable. This work concludes that pseudo-foreign limited liability companies established in Germany (GmbH) with an actual domicile abroad, though not pseudo-foreign companies established abroad with an actual domicile in Germany, are subject to “Existenzvernichtungshaftung”.
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