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Zusammenhänge zwischen prothetischer Versorgung, Kauvermögen und Ernährungszustand geriatrischer Patienten

Beißner, Sanja Vanessa


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-95659
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/9565/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Kaueffizienz , geriatrische Patienten , prothetische Versorgung , Ernährungszustand , Kautest
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.01.2013
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 09.08.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Mit der vorliegenden Studie sollten die Zusammenhänge zwischen prothetischer Versorgung, Kaueffizienz und Ernährungszustand geriatrischer Patienten analysiert werden. Die Klärung der kausalen Zusammenhänge dient dem Ziel, durch die Einführung des in dieser Studie angewendeten Kaufunktionstests auch zahnmedizinisch ungeschultem Personal in geriatrischen Einrichtungen eine einfache und kostengünstige Beurteilung des Kauvermögens älterer Menschen zu ermöglichen. Über das Ergebnis dieses Kautests können Defizite in der Kauleistung festgestellt und weitere Tests bzw. Behandlungsschritte veranlasst werden.
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine explorative Studie. Die Untersuchung umfasste insgesamt 88 Patienten, die mindestens im 60. Lebensjahr waren. Alle Patienten waren stationär bzw. teilstationär in der Fachabteilung der Geriatrie am St. Bonifatius Hospital in Lingen/Ems aufgenommen. Alle Patienten erhielten zunächst eine Aufklärung über alle wichtigen Punkte der Studie. Die allgemeinmedizinische Anamnese wurde anhand eines Patienteninterviews ausgefüllt und später mit der Krankenakte ergänzt. Für alle Patienten wurde der Fragebogen nach FOLSTEIN (MMST) durchgeführt, um den kognitiven Zustand der Probanden zu ermitteln, damit im Falle einer Einschränkung in Bezug auf den Fragenumfang im OHIP darauf Rücksicht genommen werden konnte. Danach wurde das OHIP-G (Oral Health Impact Profile) bzw. bei kognitiver Einschränkung das OHIP-G14 beantwortet. Zur Bestimmung des Ernährungszustandes wurde der MNA-Fragebogen (Mini Nutritional Assesment) verwendet. Der zahnmedizinische Befund und die Beurteilung des vorhandenen Zahnersatzes wurden anhand der multizentrischen Dokumentation (MZD) durchgeführt. Mit „Romeo“ (Grad I) wurde nur Zahnersatz beurteilt, der keine Mängel aufwies. Die Bewertung „Sierra“ (Grad II) bekam akzeptabler Zahnersatz, der kleine Mängel aufwies, die jedoch noch akzeptabel und somit noch nicht korrekturbedürftig sind. Mit „Tango“ (Grad III) wurde Zahnersatz bewertet, der korrekturbedürftig war, um zukünftigen Schaden abzuwenden. Mit „Viktor“ (Grad IV) wurde Zahnersatz bewertet, der korrekturbedürftig war, um aktuellen Schaden vom Patienten abzuwenden. Um die statistische Auswertung zu erleichtern, wurden Patienten mit der Klassifizierung Romeo und Sierra der Gruppe A zugeordnet, Patienten der Klassifizierung Tango und Viktor der Gruppe B. Im Anschluss wurde ein Kaufunktionstest durchgeführt, wobei die Pobanden Karottenscheiben definierter Größe innerhalb von 45 Sekunden so klein wie möglich kauen sollten. Anschließend wurde der Zerkleinerungsgrad visuell ausgewertet und fotographisch dokumentiert.
Im Rahmen der statistischen Auswertung zeigte sich ein deutlicher Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Gebisszustand und Kaufunktion (p < 0,001). Mit schlechter werdendem Kautest nimmt der Anteil von Probanden der Gruppe A ab und der Anteil der Probanden der Gruppe B steigt an. Auch auf einen Zusammenhang zwischen der Bewertung des Gebisszustandes, getrennt in Oberkiefer und Unterkiefer, und der Kaufunktion gab es Hinweise (p < 0,001). Mit schlecht bewerteten Oberkieferprothesen konnten bessere Kauergebnisse erzielt werden als mit schlecht bewerteten Unterkieferprothesen. Ebenfalls gab es einen deutlicher Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Versorgungskombinationen und dem Kaufunktionstest (p < 0,001). Kein Proband, der nur mit festsitzendem Zahnersatz versorgt war, erzielte ein schlechtes Kauergebnis. Dagegen erreichte nur ein Proband, der mit zwei Totalprothesen versorgt war, ein gutes Kauergebnis. Zwischen Kaufunktion und Ernährungszustand gibt es ebenfalls Hinweise auf einen Zusammenhang (p = 0,011). Kein Proband mit gutem Kaufunktionstest weist einen schlechten Ernährungszustand auf. Bezüglich des Gebisszustandes und des Alters des Zahnersatzes konnte kein Zusammenhang aufgezeigt werden (p = 0,812). Nach statistischer Auswertung besteht ein Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Gebisszustand und dem letzten Zahnarztbesuch (p = 0,025). Bei den meisten Patienten aus Gruppe A liegt der letzte Zahnarztbesuch weniger als ein Jahr zurück. Der Gebisszustand aller Probanden, die über zehn Jahre nicht beim Zahnarzt waren, wurde der Gruppe B zugeordnet. Es gibt einen deutlichen Hinweis darauf, dass Gruppe A und Gruppe B des Gebisszustandes unterschiedliche Ergebnisse im OHIP-Fragebogen erzielten (p < 0,001). Die Probanden der Gruppe B erreichten eine höhere Punktzahl, das heißt, sie waren unzufriedener als die der Gruppe A.
Diese Ergebnisse geben also deutliche Hinweise auf kausale Zusammenhänge zwischen prothetischer Versorgung, Kaueffizienz und Ernährungszustand geriatrischer Patienten. Somit wäre die Einführung eines solchen Kautests als routinemäßige Untersuchung in Altenpflegeheimen durchaus sinnvoll und hilfreich. Die Vorteile sind vielversprechend, der Nutzen-Kosten-Vergleich ist sehr gut und der Aufwand für eine generelle Einführung ist überschaubar.
Kurzfassung auf Englisch: The purpose of the present study is to analyze the relationship between prosthetic patient-centered care, the chewing efficiency and the nutritional status of geriatric patients. The objective was to determine the feasibility of the masticatory function test, used in this study, as a simple and economical way to determine the ability of geriatric people to chew efficiently. With such a test even dentally untrained nurses could easily assess the chewing efficiency of their patients directly at the nursing home. With the results from the masticatory function test, deficiencies in the patients chewing efficiency can be detected early and further tests or treatments can be arranged at an early stage. This could help to avoid a poor nutritional status of the elderly patients.
This work was conducted as an exploratory study. Overall, 88 patients in the age of 60 or above were examined. All of whom were treated as an inpatient in the geriatric department of “St. Bonifatius Hospital” in Lingen/Ems. After introducing each patient to the most crucial points of the study, the anamnesis was done through interviewing the patients and later supplementing it with their medical record. The survey FOLSTEIN (MMST) was asked to every patient, in order to detect limitations in the patient’s mental state. In the case of no mental limitations the full Oral Health Impact profile (OHIP-G) was conducted, while the shortened OHIP-G14 was used for patients with indications for mental limitations. To assess the nutritional status, the MNA-questionnaire (Mini Nutritional Assessment) was used. The diagnostic dental findings and the evaluation of the dental prosthesis were accomplished using the multicenter survey. The results are categorized as following: “Romeo” or grade I means that the dental prosthesis is without any deficiencies. The category “Sierra” (grade II) describes small deficiencies, which are, however, not as severe to justify a treatment. “Tango” (grade III) rated dental prosthesis’s, which need revision in order to prevent future intricacies, while “Viktor” (grade IV) describes a prosthesis, which needs immediate correction. Later, during the analysis, the patients in the category “Romeo” and “Sierra” were pooled to group A and patients with the result “Tango” and “Viktor” became group B. Subsequently, the masticatory function test was conducted using slices of carrots with a defined size. The patients were asked to chew those for 45 seconds to pieces as small as possible. The results were assessed visually and documented using a digital camera, giving a better score for finely chewed pieces.
During the statistical analysis a correlation was found between the state of the denture and the ability to chew well (p<0.001). With an inferior result in the mastication test, the proportion of patients belonging to group A is getting smaller, while the proportion of group B patients increases. Likewise the separate assessment of the upper and lower jaw resulted in a correlation between those two variables (p<0.001). With both, the upper and the lower jaw prosthesis evaluated deficient, the upper jaw prosthesis’s achieved superior results in the mastication test compared to the deficient lower jaw prosthesis’s. The nutritional status and the result in the masticatory function test, also show a correlation (p<0.001). None of the subjects, which are carrying only fixed prosthesis, accomplished the masticatory function test with a bad result. However, only one subject with two total prosthesis’s achieved a good score in the mastication test. When looking at the relationship of the chewing ability and the nutritional state, again an indication of correlation can be observed (p=0.011). None of the subjects with a good result in the masticatory function test manifested a poor nutritional status. Regarding the state of the denture and the age of the prosthesis, no relation could be proven (p=0.812). But a correlation was found between the state of the denture and the time since the last dentist was consulted (p=0.025). In the group A, most of the subjects stated their most recent visit at a dentist within the last year, while all subjects, that have not been at a dentist for the past 10 years, were found in group B. A strong relation was observed between the state of the denture, categorized in group A and B, and the results in the OHIP survey (p<0.001). The subjects in group B reached an overall higher score then subjects from group A, meaning they are more unsatisfied with their denture.
As presented in this study, there are sufficient results indicating a strong indication of correlation between the state of the prosthesis, the chewing efficiency and the nutritional state of geriatric patients. Hence, the introduction of a masticatory function test, like the one used in this study, as a routine examination would be reasonable and of great benefit for the geriatric patient. The advantages are the favorable cost-benefit ratio and the simplicity of the test, which makes its introduction to nursing homes easier.
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