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Zur Bedeutung der klinischen Brustuntersuchung und Brustselbstuntersuchung : eine experimentelle Untersuchung

Waitz, Markus


Originalveröffentlichung: (2013) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.813 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-93674
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/9367/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Gynäkologie und Geburtshilfe
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6010-7
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.02.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 17.04.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Einleitung: Während die klinische Brustuntersuchung die Brustkrebsmortalität gering senken kann, zeigen große randomisierte Studien keinen Vorteil der Brustselbstuntersuchung. Während die BSE von vielen Organisationen weiterhin als Vorsorgeuntersuchung empfohlen wird, ist der Stellenwert der klinischen Brustuntersuchung in der klinischen Praxis unklar. Diese Untersuchung soll die Effektivität beider Methoden in einem experimentellen Aufbau überprüfen.

Material und Methode: Im Rahmen von Workshops und Tagungsterminen hatten Ärzte und Patientinnen die Möglichkeit, ihre Tastfähigkeiten an einem Parcours bestehend aus 24 Silikonbrustmodellen zu überprüfen. Die Brustmodelle unterschiedlicher Größe wurden zuvor mit Tumoräquivalenten in Form von Holzkugeln mit variabler Größe (0,8 – 3 cm) präpariert. Fünf dieser Brustmodelle wurden nicht präpariert.
Insgesamt konnten 68 Probanden in drei Gruppen eingeteilt und in die Auswertung einbezogen werden. (21 Probandinnen mit Mammakarzinom, 22 Probandinnen ohne Mammakarzinom, 25 Ärzte). 200 weitere Ärzte, die auf einer Tagung ohne Zeitdruck die Tastuntersuchung durchführen konnten, dienten in der Diskussion als Kontrollen zur Frage des Einflusses von Zeitbegrenzung bei der Tastuntersuchung . Die Tastergebnisse wurden in einer statistischen Analyse ausgewertet. Die abhängige Variable war die Anzahl der unter den vorgegebenen Versuchsbedingungen (Tastdruck max. 800 g, 20 sec Untersuchungszeit) richtig getasteten Tumoren (TQ = Trefferquote). Die unabhängigen Variablen entsprechen zum einen den einzelnen Probandengruppen und deren Einfluss auf den Tasterfolg (gruppenbezogener Einfluss). Zusätzlich galten brustmodellspezifische Merkmale (Brustgröße, Tumordurchmesser) als brustmodellspezifische unabhängige Variablen.

Ergebnisse: Beim Vergleich der Gruppen untereinander zeigte sich eine signifikant schlechtere Trefferquote bei der Gruppe der Probandinnen mit Mammakarzinom, während die Gruppe der Frauen ohne Mammakarzinom ähnliche Tastergebnisse lieferten wie die Gruppe der Ärzte mit Tastdruckbeschränkung. Eine Zunahme der Trefferquote in allen Gruppen fand sich bei zunehmender Größe der Tumoräquivalente. Eine Abnahme der Trefferquote fand sich bei zunehmender Größe der Prothese.


Schlussfolgerung: Dass Frauen mit Brustkrebs möglicherweise eine weniger effektive BSE durchführen als gesunde Probandinnen, ist in der Literatur bisher nicht beschrieben. Inwiefern mögliche psychologische Merkmale einen Einfluss auf den Tasterfolg haben könnten, muss in einer weiteren Studie geprüft werden. Dass insbesondere kleine Tumore (< 1 cm) signifikant seltener getastet wurden, spricht gegen die BSE und CBE als Früherkennungsmaßnahme. Unverständlicherweise wird insbesondere die BSE weiterhin von vielen Organisationen empfohlen.
Kurzfassung auf Englisch: Introduction: Evidence suggests that CBE could reduce breast cancer mortality rate, whereas great randomized controlled trials suggest no effects of BSE. BSE is still recommended by many organizations in preventing breast cancer, whereas the significant value of the CBE in clinical practice is still unclear. The effect of both methods was statistically evaluated in an experimental trial.

Methods: At several workshops and congresses medical practitioners, female patients suffering from breast cancer and female patients without breast cancer had the possibility to test their breast examination skills on an experimental setting. In 19 of 24 silicon breast forms with different sizes, one tumor equivalent (diameter 0,8 cm to 3,0 cm) was inserted. 5 breast forms were left unprepared.
The dependent variable was the rate of correct detection of tumor equivalents - mean sum of correct positive hits (CPH) - under the preset test conditions (Palpation pressure max. 800 g, examination period 20 sec. of each breast form).
From a total of 268 volunteers 68 were divided into 3 groups. 21 women with breast cancer, 22 women without breast cancer and 25 medical practitioners were palpating under preset test conditions. In addition 200 medical practitioners had no limitations during breast palpation and were tested as a separate introduced in the discussion for control reasons
The independent variables were the 4 different groups of test persons and their influence on the mean sum of correct hits (group-specific influence).
In addition, characteristics of breast forms (size, diameter of tumor) and their influence on the dependent variable were defined as breastmodel-specific independent variable. Retrospective analysis of the collected results was performed.

Results: Comparison of the groups regarding the mean sum of correct hits shows the lowest CPH-rate in the group of women with breast-cancer
(CPH 13,8). The group of women without breast cancer and the group of medical practitioners palpating under the defined preset test conditions achieved similar results of CPH (16 vs. 16,2). Regression analysis of breastmodel-specific independent variables shows a significant increase of CPH by increasing diameter of the tumor equivalents and a decrease of CPH with raising breastmodel-size.

Conclusions: The impression that women with breast cancer might perform a less effective BSE compared to women without breast cancer has so far not been described in the literature. Whether psychological characteristics might have an influence on the effect of BSE, should be verified in a prospective trial. The fact that particularly small tumors (<1cm) were detected less frequently in this study, leads to the assumption that especially BSE is an ineffective method in the early detection of breast cancer. However, BSE is still recommended by various medical associations.
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