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Erfolg asymmetrischer Unterkiefervorverlagerung mit der Herbst-Apparatur

Reiser, Benjamin


Originalveröffentlichung: (2013) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.637 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-102524
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/10252/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Kieferorthopädie
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6086-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.11.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 21.11.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Das Ziel der Arbeit war es, die Effektivität der asymmetrischen Unterkiefervorverlagerung mit der Herbst-Apparatur sowie deren Kurzzeit-Stabilität zu ermitteln. 22 Patienten erfüllten die Einschlusskriterien: abgeschlossener Durchbruch aller Prämolaren und Eckzähne, asymmetrische Distallage der Mandibula (Molarenrelation mit einer Rechts-Links-Differenz von mindestens 0,75 Prämolarenbreiten), keine asymmetrischen Extraktionen oder Nichtanlagen bleibender Zähne, keine kraniofazialen Syndrome, Nachuntersuchungszeitraum von mindestens 12 Monaten, Situationsmodelle aller festgelegten Untersuchungszeitpunkte. Es wurde eine symmetrische Gruppe von 22 Patienten, welche die gleichen Einschlusskriterien erfüllten - mit Ausnahme der asymmetrischen Distallage der Mandibula -, zugeordnet. Diese Patienten wiesen eine symmetrische Distallage der Mandibula vergleichbaren Ausmaßes auf. Es erfolgte ein „Matching“ anhand der skelettalen Reife und gegebenenfalls des chronologischen Behandlungsbeginns. Die Behandlung mit der Herbst-Apparatur betrug durchschnittlich 8 Monate, die sich anschließende Multibracket-Phase durchschnittlich 14 Monate. Der durchschnittliche Nachuntersuchungszeitraum betrug 36 Monate. Kieferorthopädische Situationsmodelle von vor dem Einsetzen der Herbst-Apparatur (T1), unmittelbar nach dem Entfernen der Herbst-Apparatur (T2), unmittelbar nach dem Entfernen der Multibracket-Apparatur (T3) und mindestens 12 Monate nach Behandlungsende (T4) wurden vermessen. Zudem wurden En-Face-Gesichtsfotos der Zeitpunkte T1 und T4 vermessen. Zur statistischen Auswertung der Daten, wurde bei den Patienten der asymmetrischen Gruppe die rechte Unterkieferseite als die Seite der Distalokklusion bzw. stärker ausgeprägten Distalokklusion definiert. Bezüglich der Molarenrelation wiesen zum Zeitpunkt T1, gemäß der im Vorfeld vorgenommenen „Richtung“, beide Gruppen rechts und die symmetrische Gruppe links eine distale Molarenrelation von mindestens 0,75 Pb auf. Über 80 % der Patienten der asymmetrischen Gruppe wiesen links eine neutrale Molarenrelation auf. Zum Zeitpunkt T2 zeigte sich in beiden Gruppen auf beiden Seiten eine durch Überkorrektur hervorgerufene mesiale Molarenrelation. Während zum Zeitpunkt T3 in der asymmetrischen Gruppe 63,6 % und in der symmetrischen Gruppe 77,3 % der Patienten rechts eine neutrale Molarenrelation aufwiesen, war dies links bei jeweils 72,8 % der Patienten beider Gruppen der Fall. Zum Zeitpunkt T4 zeigten in der asymmetrischen Gruppe 68,3 % und in der symmetrischen Gruppe 81,9 % der Patienten rechts eine neutrale Molarenrelation, links war dies bei 68,2 % bzw. 72,7 % der Patienten der Fall. Bezüglich der Eckzahnrelation zeigte sich zum Zeitpunkt T1 in beiden Gruppen rechts, sowie in der symmetrischen Gruppe links bei ca. 80 % der Patienten eine distale Eckzahnrelation von mindestens 0,75 Pb. Über 90 % der Patienten der asymmetrischen Gruppe wiesen links eine neutrale Eckzahnrelation auf. Während sich zum Zeitpunkt T2 in beiden Gruppen eine durch Überkorrektur hervorgerufene mesiale Eckzahnrelation zeigte, wiesen zum Zeitpunkt T3 in beiden Gruppen jeweils ca. 50 % der Patienten rechts eine distale Eckzahnrelation von 0,25 Pb auf. Links zeigte sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Gruppen. 90 % der Patienten der asymmetrischen Gruppe wiesen eine neutrale Eckzahnrelation auf, was bei nur ca. 35 % der Patienten der symmetrischen Gruppe der Fall war. Zum Zeitpunkt T4 zeigten über 45 % der Patienten beider Gruppen eine stabile Eckzahnrelation rechts. In ca. 50 % der Fälle kam es in beiden Gruppen jedoch zur Rezidivneigung nach distal. Links wiesen über 75 % der Patienten der asymmetrischen Gruppe eine neutrale Eckzahnrelation auf, was bei nur ca. 35 % der Patienten der symmetrischen Gruppe der Fall war. Die Variable Overjet zeigte zum Zeitpunkt T1 einen leichten Unterschied zwischen den beiden Gruppen (asym.: 6,3 mm; sym.: 8,0 mm; p ≥ 0,05). Zum Zeitpunkt T2 war dies ebenfalls der Fall (asym.: -1,6 mm; sym.: 0,0 mm; p < 0,05), wohingegen zu den Zeitpunkten T3 (asym.: 2,7 mm; sym.: 2,3 mm) und T4 (asym.: 3,0 mm; sym.: 3,2 mm) kein Unterschied bestand. Die Mittellinienverschiebung nach rechts zeigte zum Zeitpunkt T1 einen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen (asym.: 1,7 mm; sym.: 0,3 mm; p < 0,001). Dieser konnte zu den Zeitpunkten T2 (asym.: 1,0 mm; sym.: 0,5 mm), T3 (asym.: 0,4 mm; sym.: 0,4 mm) sowie T4 (asym.: 0,6 mm; sym.: 0,3 mm) nicht beobachtet werden. Die Mittellinienverschiebung nach links zeigte zu keinem Zeitpunkt (T1 - asym.: 0,2 mm; sym.: 0,5 mm; T2 - asym.: 0,4 mm; sym.: 0,5 mm; T3 - asym.: 0,0 mm; sym.: 0,3 mm; T4 - asym.: 0,3 mm; sym.: 0,3 mm) einen Unterschied zwischen den Gruppen. Der Winkel zwischen Bipupillarlinie und Cheilionlinie wurde zum Zeitpunkt T1 bei 59 % der asymmetrischen und bei 76 % der symmetrischen bzw. zum Zeitpunkt T4 bei 65 % der asymmetrischen und bei 85 % der symmetrischen Patientengruppe als symmetrisch bewertet. Hinsichtlich des Winkels zwischen der Bipupillarlinie perpendicular und der Verbindungslinie Subnasale-Weichteilmenton wurde zum Zeitpunkt T1 bei 77 % der asymmetrischen und bei 67 % der symmetrischen bzw. zum Zeitpunkt T4 bei 85 % der asymmetrischen und bei 71 % der symmetrischen Patientengruppe eine Symmetrie ermittelt. Aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchung kann festgestellt werden, dass die Behandlung der asymmetrischen Distallage („Class-II-subdivision“) mit der Herbst-Apparatur ähnlich erfolgreich ist wie die Behandlung der symmetrischen Distallage. Das erzielte Therapieergebnis war zum Nachuntersuchungszeitpunkt stabil. Es zeigte sich bei den asymmetrischen Patienten jedoch eine leichte Tendenz der Molarenrelation zur mesialen Überkorrektur. Die Gesichtsasymmetrie wurde durch die asymmetrische Unterkiefervorverlagerung weder positiv noch negativ beeinflusst.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this study was to assess the effectivity of Class II subdivision treatment with the Herbst appliance, as well as its short-term stability.
22 patients fulfilled the inclusion criteria: all premolars and canines fully erupted, Class II subdivision malocclusion (molar relationship showing a right-left difference of at least 0.75 cusp widths), no asymmetric extractions or agenesis of permanent teeth, no craniofacial syndromes, follow-up period of at least 12 months, study models of designated time points. A symmetric group of 22 patients who fulfilled the same inclusion criteria - except for Class II subdivision malocclusion - was matched. Patients in this group showed a symmetric Class II malocclusion of comparable extent. Matching was based on the skeletal maturity and - if applicable - chronological start of treatment.
On average Herbst appliance treatment lasted 8 months; the subsequent multibracket-phase amounted to 14 months on average. The mean follow-up period was 36 months.

Study models from before Herbst appliance treatment (T1), immediately after Herbst appliance treatment (T2), immediately after multi-bracket appliance treatment (T3) and at least 12 months after the end of treatment (T4) were evaluated. In addition, en-face photographs from T1 and T4 were assessed. For statistical reasons, data modification (mirroring of values) was performed to have all study models of the SUB group exhibit the Class II relationship on the same side (“right” side). At T1, a Class II molar relationship of at least 0.75 cusp widths was seen in both groups on the right side as well as in the symmetric group on the left side. About 80% of the patients in the subdivision group had a Class I molar relationship on the left side. Due to overcorrection, both groups showed a Class III molar relationship on both sides at T2. At T3, 63.6% of the subdivision group and 77.3% of the symmetric group showed a Class I molar relationship on the right side, while 72.8% of both groups showed a Class I molar relationship on the left side. At T4, 68.3% of the subdivision group and 81.9% of the the symmetric group showed a Class I molar relationship on the right side while this was the case in 68.2% of the subdivision group and 72.7% of the symmetric group on the left side. A Class II canine relationship of at least 0.75 cusp widths existed in both groups on the right side as well as in about 80% of the symmetric group on the left side at T1. About 90% of the subdivision group showed a Class I canine relationship on the left side. At T2, both groups showed a Class III canine relationship due to over-correction. At T3, about 50% of both groups exhibited a Class II canine relationship of 0.25 cusp widths on the right side. Concerning, the left side, there was a clear difference between the groups. While 90% of the subdivision group showed a Class I canine relationship, this was only seen in about 35% of the symmetric group. At T4, more than 45% of both groups showed a stable Class I canine relationship on the right side while more than 75% of the subdivision group and 35% of the symmetric group showed a Class I canine relationship on the left side. The overjet showed a slight difference between the groups at T1 (SUB: 6.3 mm; SYM: 8.0 mm, P ≥ 0.05) and T2 (SUB: -1.6 mm; SYM: 0.0 mm, p <0.05), whereas at T3 (SUB: 2.7 mm; SYM: 2.3 mm) and T4 (SUB: 3.0 mm; SYM: 3.2 mm) no difference was seen.
The midline shift to the right showed a significant difference between the groups at T1 (SUB: 1.7 mm; SYM: 0.3 mm, p <0.001). However, at T2 (SUB: 1.0 mm; SYM: 0.5 mm), T3 (SUB: 0.4 mm; SYM: 0.4 mm) and T4 (asym: 0.6 mm; sym: 0.3 mm) no difference was seen. For the midline shift to the left left, no group difference was seen at any time (T1 - subdivision: 0.2 mm; symmetric: 0.5 mm; T2 - subdivision: 0.4 mm; symmetric: 0.5 mm; T3 - subdivision: 0.0 mm; symmetric: 0.3 mm; T4 - subdivision: 0.3 mm; symmetric: 0.3 mm). Cheilion line inclination was found to be symmetric in 59% of the subdivision and 76% of the symmetric patients at T1 and, respectively, 65% of the subdivision and 85% of the symmetric patients at T4. Chin position was found to be symmetric in 77% of the subdivision and 67% of the Symmetric patients at T1 and, respectively, 85% of the subdivision and 85% of the symmetric patients at T4.
The results of this study showed that Herbst-Multibracket treatment of Class II subdivision malocclusions proved to similarly successful as treatment of symmetric Class II malocclusions. Good short-term stability of the achieved treatment outcome was observed. However, a slight tendency of Class III molar relationship overcorrection was found in subdivision patients. Asymmetric mandibular advancement affected facial asymmetry neither positively nor negatively.
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