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Die Aussagekraft humanspezifischer Bluttests zur Einschätzung des postmortalen Intervalls bei Knochenfunden

Kölzer, Sarah Christina


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-101110
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/10111/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Postmortales Intervall , Forensische Osteologie , Luminol , Hexagon-OBTI-Test , RSID-Bluttest
Freie Schlagwörter (Englisch): postmortem interval , forensic osteology , luminol, Hexagon-OBTI test , RSID blood test
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Rechtsmedizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.08.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 08.10.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Mit dem Ziel, neue, praktisch anwendbare Methoden zur Einschätzung des Postmortal-Intervalls (PMI) zu erhalten, wurden im ersten Teil einer Versuchsreihe 39 humane und fünf tierische Langknochen mit bekanntem PMI im Erdlager (0,2 bis ca. 2000 Jahre) mit zwei zur Einschätzung des PMI etablierten Methoden (UV-Fluoreszenz an der frischen Sägefläche und Luminol-Test) und zwei erstmals unter dieser Fragestellung eingesetzten Methoden (Hexagon-OBTI®-Test und Combur®-Test) verblindet untersucht. Die dem Experiment zugrunde liegende Hypothese bestand in der Annahme, dass die mit dem PMI zusammenhängende Chemilumineszenz der Luminolreaktion auf dem Vorhandensein von verbliebenem Hämin bzw. Hämoglobin in der Knochensubstanz beruht.

Die Ergebnisse bestätigten, dass das Fehlen von Chemilumineszenz und eine deutliche Reduktion der UV-Fluoreszenz eine stärkere Aussagekraft bezüglich des Ausschlusses eines forensisch relevanten PMI besitzen als umgekehrt eine positive Luminolreaktion und eine vollständige UV-Fluoreszenz. In beiden Fällen wurden die Grenzen der Methoden unter dieser Fragestellung deutlich. Insbesondere für Proben mit einer positiven Luminolreaktion könnte die Anwendung von unbedingten Methoden zur Schätzung des PMI angezeigt sein. Entgegen unserer Erwartungen lieferten sowohl der Combur®-Test als auch der Hexagon-OBTI®-Test, die beide ursprünglich zum Blutnachweis konzipiert wurden, für alle Proben ein negatives Ergebnis.

Daher wurden im zweiten Versuchsteil fünf der vorher 39 Knochenproben aus fünf Liegezeiten im Erdlager (ebenfalls 0,2 bis ca. 2000 Jahre) ausgewählt und erneut mit dem Hexagon-OBTI®-Test und zusätzlich mit dem ebenso für den Nachweis von Blutspuren entwickelten RSID®-Bluttest verblindet untersucht. An den Proben wurden insgesamt fünf Versuchsreihen nach Packungsanleitung und unter Abwandlung der Standardprotokolle der Hersteller durchgeführt. Hierbei sollte geprüft werden, ob mit vorgeschalteten Reaktionsschritten bzw. längerer Inkubationszeit das Hämoglobin oder seine Bestandteile aus dem Knochen gelöst werden und somit in Abhängigkeit des PMI positive Testergebnisse resultieren können. Vier Versuchsreihen erbrachten für alle Proben ein negatives Ergebnis und eine Versuchsreihe für alle Proben ein gleichermaßen schwach-positives Resultat.

Aufgrund der Ergebnisse lässt sich konstatieren, dass die hier verwendeten Schnelltests, die auf dem Nachweis von Blut beruhen, zur Eingrenzung des postmortalen Intervalls von Knochenfunden trotz Abwandlung der Standardprotokolle nicht geeignet sind. Zur Frage des postmortalen Abbaus von Hämoglobin in Knochen sind weitere, grundlegende Untersuchungen notwendig.
Kurzfassung auf Englisch: With the goal of obtaining additional practically applicable methods for estimating the postmortem interval (PMI) of skeletal remains, 39 samples of human and five samples of domestic animal long bones with known PMI (PMI=0.2 to approximately 2000 years) were tested with two established methods (UV-fluorescence of a freshly sawn cross-section and the luminol test) and two screening tests (Hexagon-OBTI® test and Combur® test) that were being tried out in this context for the first time. The hypothesis underlying this experiment was the supposition that the PMI-related chemiluminescence of the luminol reaction for bone is based on the presence of persisting hemin from hemoglobin molecules in bone.

Our results showed that lack of luminescence and reduced UV-fluorescence were more meaningful results for estimating PMI and excluding forensic relevance than a positive luminol reaction or strong UV-fluorescence, as both of the latter findings revealed the limitations of these methods in this particular context. Particularly for cases showing a positive luminol reaction, the use of additional absolute dating methods may be indicated. Against our expectations, both the Combur® test strips and the Hexagon-OBTI® test, which were both devised to demonstrate blood, delivered negative results for all samples.

Therefore, in a second step of this serial experiment, five out of the 39 bone samples from five different epochs (also 0.2 to approximately 2000 years) were selected and tested again in a blind setup with the Hexagon-OBTI® test and additionally with the RSID® blood test, which was also originally developed for the identification of human blood. Five test series were conducted applying modified standard protocols of the manufacturers. The aim was to find out whether hemoglobin or its metabolites can be dissolved from the bone with prior reaction steps or a prolonged time of incubation and if positive test results can be achieved dependent on the PMI. Four test series yielded negative results for all bone samples and one test series gave a uniformly weak positive result.

It can be stated that rapid tests based on the detection of blood are not suitable for the determination of the PMI of bone samples despite the modification of the standard protocols. Further thorough research is required to clarify the postmortem degradation of hemoglobin in bones.
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