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Namibias strahlende Zukunft? : Gesamtwirtschaftliche und soziale Implikationen des Uranabbaus in Erongo

Namibias Radiant Future? : Economic and social implications of Uranium Mining in Erongo

Dorn, Randolf Damion


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-100736
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/10073/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Uranabbau , Namibia , Walvis Bay , Swakopmund , Arandis
Freie Schlagwörter (Englisch): Uranium mining , Namibia , Yellow Cake , Swakopmund , Walvis Bay
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geographie
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geowissenschaften
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 23.09.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Historisch ist Namibias Uranabbau als Fluch zu betrachten. Südafrikas lange Besatzung galt hauptsächlich dem strategischen Rohstoff Uran, u.a. sind die Folgen der Apartheid auch heute noch deutlich spürbar.
Die SWAPO änderte ihre negative Einstellung gegenüber dem Uranabbau nach der Machtergreifung 1990. Heutzutage wird der Uranabbau, v.a. seitens der Regierung als Segen betrachtet.
Die Intensivierung von Bergbauprojekten zur Förderung von Uran seit 2007 beflügelt den wirtschaftlichen Aufschwung der Erongo Region. Die Genehmigungen und EPL Vergaben in ökologisch wertvollen Gebieten unterstreichen das finanzielle Bestreben der Regierung, diesen Aufschwung voranzutreiben. Die Vergabe von EPLs an und in den Gebieten der beiden wichtigsten Aquifere Erongos, wie auch die Genehmigung des Gecko Parks in Swakopmund, offenbart, dass dabei wenig Rücksicht auf die Bevölkerung genommen wird. Die geplanten Superlativen einzelner Projekte (längstes Fließband, größtes Gaskraftwerk, größte Heap Leach Anlage etc.) scheinen in einem der am dünnsten besiedelten Länder maßlos überdimensioniert. Die kleine Bevölkerung von etwa zwei Millionen am, durch den Abbau und Export von Bodenschätzen verdienten, Reichtum teilhaben zu lassen, gelingt der Regierung Namibias offensichtlich nicht. Der immense Ressourcenverbrauch der Uranindustrie äußert sich in steigenden Energie-, Wasser- und Dieselkosten. Während die Infrastruktur für Minenprojekte verbessert wird, scheint der Ausbau der sozialen Infrastruktur zweitrangig, wie der Druck auf die öffentlichen Institutionen zeigt.
Bisher mangelt es an Überwachung der zu erfüllenden Auflagen und der institutionelle Rahmen bezüglich des Uranabbaus zeigt sich defizitär. Die aktuelle Energiekrise in Namibia und die verzweifelte Suche nach raschen Alternativen ist das Ergebnis fehlgeleiteter nationaler Energiepolitik.
Der Uranabbau in Erongo beeinflusst viele Bereiche des Lebens ökonomisch, ökologisch sowie sozial, in verschiedenen Maßstäben und Zeitskalen.
Positive Auswirkungen des Uranium Rushs sind u.a.:
- Staatliche Einnahmequellen
- Zulieferindustrien
- Arbeitsplätze
- Soziale Programme
- Ausbau der Infrastruktur
In die Uranindustrie Involvierte und ihr Außenstehende werden unterschiedlich stark beeinflusst. Die Beteiligten profitieren von einem gehobenen Lebensstandard, meist auf Kosten erhöhter gesundheitlicher Risiken. Die Interessen Außenstehender werden kaum berücksichtigt. 87,5% der Bevölkerung Namibias sind gegen die Nutzung nuklearer Energiequellen. Interessant wäre eine Umfrage, wie viele Namibier gegen den Uranabbau sind, da dieser die Stufe des Nuclear Fuel Cycle ist, indem am meisten Radioaktivität freigesetzt wird. Während die positiven Aspekte nur einen kleinen Teil der Bevölkerung betreffen, sind die negativen Aspekte umfassender und überwiegen:
- Ökologische Langzeitschäden
- Ökonomische Konflikte mit Fischerei und Tourismus
- Wasser- und Energiemangel
- Druck auf die soziale Infrastruktur
- Druck auf die Verkehrsinfrastruktur
- Gesundheitliche Risiken
Probleme und Nutzen unterscheiden sich hinsichtlich des Betriebs und der Stilllegung der Uranminen. Nach dem Erliegen des Uranabbaus entfallen nicht nur die positiven Aspekte. Zusätzlich werden neue, negative Aspekte geschaffen.
Da die Projekte mit wenig Rücksicht auf die Umwelt betrieben und weniger intensiv überwacht werden, wie in Gutachten gefordert, werden unvermeidbare ökologische Schäden und die ökonomische Dimension der Sanierungen sehr wahrscheinlich größer sein, als anfangs vermutet. Der temporär beschränkte finanzielle Nutzen des Uranabbaus stellt sich als äußerst fragwürdig dar. Darüber hinaus wird er der Nachhaltigkeit touristischer Sektoren, die sich gerade in einer positiven Entwicklungsphase befinden, und der Fischereiindustrie entgegenwirken. Da die Fischerei ihre Limitation aufgrund sinkender Fangquoten wohl bereits erreicht hat, liegt das größte nachhaltige Zuwachspotential eindeutig im Tourismussektor.
Aufgrund hoher finanzieller Aufwendungen, derer eine ökologisch korrekte Nachsorge der Minen bedürfte, und anderer, nur teilweise absehbarer Folgewirkungen auf Flora, Fauna und Bevölkerung, entstehen ökonomische Defizite, davon abgesehen, dass die Einnahmequellen aufgrund der Schließungen um 2030 sowieso versiegen müssen.
Unzweifelhaft bringen die Uranminen kurzfristigen ökonomischen Wohlstand und dienen der infrastrukturellen Entwicklung der Erongo Region. Die soziale Kluft kann aber sehr wahrscheinlich weder durch soziale Programme, noch durch die wenigen Arbeitsplätze in den Uranminen deutlich verringert werden. Zusätzlich werden mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit dauerhaft nachhaltige Entwicklungsperspektiven des Landes massiv beeinträchtigt.
Kurzfassung auf Englisch: Historically, Namibia´s uranium mining can be regarded as a curse. South Africas prolonged occupation was due to the presence of the strategic mineral uranium, the consequences of the Apartheid-regime are still present. After gaining power in 1990, the year of independence, the SWAPO changed their negative attitude concerning uranium mining. Nowadays, especially on the Governmental side, uranium mining is seen as a blessing for Namibia.
The intensification of mining projects since 2007 has boosted the economy of the Erongo region. The granting of MLs and EPLs in ecological sensitive areas underline the governments financial interests in order to promote the "uranium rush" to gain short term profits. Dispensing EPLs within, or near the most important aquifers in Erongo, as well as the permission for the Gecko Park Swakopmund manifests the thoughtlessness of the Government concerning the affected population. The negative side effects of the "uranium rush", especially the environmental issues can be seen as collateral damage and, is the price to be paid for infrastructural development.
The superlative of certain planned projects (longest band-conveyor, largest gas fired power plant, largest heap leach facility, etc.) seem to be excessively oversized in one of the most sparsely populated countries in the world.
The Namibian Government is obviously not able to allow the small population of approximate two million people to participate in the wealth gained from uranium mining. Instead, the immense consumption of raw materials needed for the mines leads to rising energy, water and fuel costs. While the infrastructure for new mining projects seem to be given priority, the development of the social infrastructure seems to be of secondary importance, as the current pressure on social institutions clearly indicate.
To date, the regulatory framework concerning uranium mining in Namibia is incomplete and there is a lack in monitoring the statutory requirements. The companies involved take advantage of this situation (mining in National Parks, labor rights). Furthermore, the intensification of mining projects have led to supply shortages of energy and water. The current energy and water crisis in Namibia and the desperate search for quick alternatives is the result of mounting economical pressure and an outcome of an errant national energy policy.
Uranium mining in Erongo affects various areas of life economically, ecologically and socially differing in benchmarks and time-scales.
Positive impacts of the uranium rush are:
governmental source of income
ancillary/satellite industry
employment
social programs
development of infrastructure
The uranium affects both individuals who are part of the industry and those who are not. Those involved, profit economically, they have a raised standard of living (possibly at the cost of health risks). The interests of individuals not part of the industry receive little or no attention. 87% of Namibias population are against the use of nuclear energy. It would however be interesting to conduct a survey of how many Namibians were against the exploration of uranium, as it is during this step of the Nuclear Fuel Cycle when the majority of radioactive material is exposed. The positive aspects are enjoyed by a small number of the population, the negative aspects not only outweigh but, are wider reaching:
ecological long term damage (degradation)
economical conflicts with the tourist and fishing industry
water and energy shortages
pressure on social infrastructures
pressure on transport infrastructures
health risks
Problems and benefits differ according to working mines and mine closures. The benefits of a working mine cease after closure, unfortunately the closure of uranium mines cause added problems.
As the projects are undertaken paying little attention to ecological aspects and, with even less monitoring and control then stipulated in the proposal, unavoidable ecological damage will be caused. The ecological dimensions of the rehabilitation process will probably be much greater than initially suspected. Therefore the temporary short term financial advantage of uranium mining is questionable. Moreover, the sustainable tourist industry which is currently in a positive development phase and the fishing industry will both be negatively influenced by the exploration of uranium. The decreasing fishing quota is indicative of the limitation of the fishing industry, consequently, the largest sustainable sector for potential growth is clearly the tourist industry.
Due to high financial costs, that are required for an ecological sound post-rehabilitation support, and other, only partly foreseeable conceivable consequences on flora, fauna and population, economic deficits will most likely arise. Furthermore, the source of income will end around 2030 when mines are forecast to close.
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