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Der frontale Kreuzbiss mit Zwangsführung : Effektivität der Behandlung mit herausnehmbaren Plattenapparaturen

Effectivity and efficiency of anterior forced crossbite correction

Klewitz, Heidi


Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.012 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-100708
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/10070/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Frontaler Kreuzbiss , Zwangsfuehrung , Plattenapparaturen , Effektivitaet , Effizienz
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Kieferorthopädie
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.08.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 06.09.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, die Effektivität und die Effizienz der Behandlung des frontalen Kreuzbisses mit Zwangsführung mit herausnehmbaren Plattenapparaturen zu beurteilen.

Es sollte weiterhin geklärt werden, ob Zusammenhänge bestehen zwischen dem Behandlungserfolg und prognostisch relevanten Faktoren. Hierzu sollten (1) die Anzahl der Zähne im Kreuzbiss, (2) das Dentalstadium/Wechselgebissperiode, (3) der Bisstyp, (4) Alter und Geschlecht sowie (5) die skelettofaziale Morphologie vor Behandlungsbeginn und die Entwicklung von (6) Overjet und Overbite sowie (7) die Kooperation im Behandlungsverlauf untersucht werden.

Das Patientengut umfasste 65 Patienten (41 männliche und 24 weibliche), die sich zu Behandlungsbeginn in der ersten oder zweiten Wechselgebissperiode befanden und ein Alter zwischen 4 und 12 Jahren aufwiesen. Alle Patienten hatten einen frontalen Kreuzbiss mit Zwangsführung, der mit einer herausnehmbaren Plattenapparatur behandelt wurde. Die vollständigen Dokumentationsunterlagen mussten vorliegen. Ausgeschlossen waren Patienten mit einem kraniofazialen Syndrom oder einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte.

Die Auswertung kieferorthopädischer Situationsmodelle von vor und nach der Behandlung, der Karteikartendokumentation während der Behandlung und einem Fernröntgenseitenbild von vor der Behandlung führte zu folgenden Ergebnissen:

• Von den 65 Patienten wurde für 48 (73,8%) ein erfolgreiches und 17 (26,2%) ein nicht erfolgreiches Behandlungsergebnis ermittelt.
• Der Behandlungszeitraum mit einer herausnehmbaren Plattenapparatur betrug in der Erfolgsgruppe durchschnittlich 5,3 Monate weniger als in der Misserfolgsgruppe.
• Je negativer der OJmin vor Behandlungsbeginn war, desto häufiger konnte die Behandlung nicht erfolgreich abgeschlossen werden (p=0,166). War der OJmax zu Behandlungsbeginn positiv, so wurde mit größerer Wahrscheinlichkeit ein erfolgreicher Behandlungsabschluss erreicht, als bei einem negativen OJmax (p=0,040).
• Je weniger Zähne zu Behandlungsbeginn im frontalen Kreuzbiss standen, desto größer war die Erfolgschance (p=0,010).
• Eine Behandlung in der ersten Wechselgebissperiode (DS1 und DS2) führte eher zum Erfolg, als eine Behandlung in der zweiten Wechselgebissperiode (DS3 und DS4) (p=0,012).
• Patienten mit einem Bisstyp I:4 konnten in 83,3% der Fälle erfolgreich behandelt werden, während dies bei einem Bisstyp III:4 nur bei 60,7% der Patienten gelang (p=0,175).
• Jüngere Patienten konnten die Behandlung häufiger erfolgreich abschließen als ältere Patienten (p=0,010).
• Die Kooperation (Anzahl der Negativeinträge insgesamt) der Erfolgsgruppe war besser als die der Misserfolgsgruppe (p=0,175).
• Für alle weiteren Untersuchungsparameter wie z.B. das Geschlecht und die kephalometrischen Messwerte konnten keine prognostisch relevanten Gruppenunterschiede ermittelt werden.

Schlussfolgernd lässt sich feststellen, dass die Behandlung des frontalen Kreuzbisses mit Zwangsführung mittels herausnehmbarer Plattenapparatur für eine Patientengruppe, die vor Behandlungsbeginn anhand der oben genannten Kriterien ausgewählt wurde, durchaus erfolgsversprechend ist. Beste Erfolgschancen hat ein junger Patient in der ersten Wechselgebissperiode mit einem Bisstyp I:4, bei dem nur 1-2 Zähne im frontalen Kreuzbiss mit Zwangsführung stehen.
Kurzfassung auf Englisch: The present study aimed to evaluate the effectiveness and the efficiency of anterior forced bite treatment with removable acrylic plates.

Furthermore, it was to be tested whether a correlation between treatment success and prognostic relevant factors exists. Therefore, the following variables were examined: (1) number of teeth in crossbite, (2) dental maturity, (3) Angle classification, (4) age and gender, (5) skeletofacial morphology before treatment, and the development of (6) overjet and overbite as well as (7) the cooperation during treatment.

The sample consisted of 65 patients (41 male and 24 female) in the early or late mixed dentition, with an age between 4 and 12 years. All patients showed an anterior forced crossbite and were treated with a removable acrylic plate. Complete records were available. Patients with craniofacial syndromes or clefts were excluded.

The assessment of the dental casts from before and after treatment, the pre-treatment cephalograms, and the patients’ treatment charts revealed the following results:

• A successful crossbite correction was achieved in 48 of the 65 cases (73.8%), while the result was considered as failure in the remaining 17 cases (26.2%).
• The treatment duration with a removable acrylic plate was on average 5.3 months shorter in the success group compared to the failure group.
• The more negative the OJmin was before treatment, the more often treatment ended as failure (p=0.166). The chance for treatment success was higher in case of a positive OJmax before treatment, than in case of a negative OJmax (p=0.040).
• The smaller the number of teeth in anterior crossbite before treatment, the higher was the chance for treatment success (p=0.010).
• Treatment in the early mixed dentition (DS1 and DS2) resulted more often in a successful outcome than treatment in the late mixed dentition (DS3 and DS4) (p=0.012).
• While a treatment success was seen for 83.3% of the Angle Class I patients, this was only true for 60.7% of the Angle Class III patients (p=0.175).
• A successful treatment outcome was more often seen in younger than in older patients (p=0.010).
• The success group exhibited a better cooperation (total number of negative comments) than the failure group (p=0.175).
• For all remaining variables, e.g. gender and the cephalometric variables, no prognostic relevance was found.

In conclusion, anterior forced crossbite treatment with a removable acrylic plate is a promising option for patients selected according to the above criteria. The best chance for treatment success can be expected for a young Angle Class I patient, with only one or two teeth in anterior crossbite, who is treated during the early mixed dentition.
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