Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Einfluss der präoperativen Anämie auf die postoperative Mortalität und Morbidität bei Patienten mit koronarer Bypass-Operation

Anemia before coronary artery bypass surgery as additional risk factor increases the perioperative risk

Rietzschel, Jürgen


Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (455 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-90781
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/9078/

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us


Freie Schlagwörter (Englisch): Anämie , Bypass , CABG , Mortalität
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 25.10.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 21.11.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Anämie ist ein zunehmend häufigerer klinischer Befund. Patienten mit KHK haben aufgrund
der Koronarstenosen eine eingeschränkte Möglichkeit der Anämiekompensation, welche
zusätzlich durch Komorbiditäten beeinträchtigt wird. Es gibt bereits einige Studien, welche
den negativen Einfluss präoperativer Anämie in Bezug auf postoperatives Outcome
beschreiben. Die Frage, ob Anämie ein unabhängiger Risikofaktor oder nur der Ausdruck des
klinischen Bildes eines Patienten ist, wird in der Literatur zum Teil kontrovers diskutiert. In
unserer Studie soll geklärt werden, ob Anämie ein eigenständiger zusätzlicher Risikofaktor in
Bezug auf die 30-Tages Mortalität und Morbidität in Form von MACCE ist. Weiterhin soll
untersucht werden, ob es einen linearen Zusammenhang zwischen präoperativem Kreatinin
und Hämatokrit gibt.
In der vorliegenden Studie wurden 3311 Patienten, welche in den Jahren 2004 bis 2006 an 2
Instituten bypassoperiert wurden, untersucht. Insgesamt waren 171 Patienten anämisch,
definiert als HKT ≤ 33% beziehungsweise Hb ≤ 11 g/dl. Zielgrößen sind zum einen die 30-
Tages Mortalität und zum anderen die Morbidität in Form von MACCE. Mithilfe des exakten
Testes nach Fisher bzw. dem Chi-quadrat-Test, dem Wilcoxon- bzw. Median Test
untersuchten wir Gruppenunterschiede. Anschließend wurde die Strukturgleichheit der
Gruppen überprüft und nach Cohen bewertet. Danach erfolgte die Berechnung der univariaten
Zusammenhänge mit der Zielgröße. Die berechneten Einflussgrößen wurden anschließend in
das Modell der multivariablen logistischen Regression aufgenommen. Zum Schluss erfolgte
die Berechnung der Korrelationskoeffizienten nach Spearman und Pearson zwischen
präoperativem Kreatininwert und Hämatokrit.
Patienten mit Anämie weisen eine signifikant (p<0,0001) höhere postoperative Mortalität
(13,45% vs. 2,26%) und eine deutlich höhere MACCE-Rate (14,62% vs. 5,29%) im Vergleich
zu nicht anämischen Patienten auf. Im Mittel sind anämische Patienten älter, öfter weiblich,
haben einen geringeren BMI und besitzen ein erhöhtes Risikoprofil sowie mehr
Komorbiditäten als die Vergleichsgruppe. In der anämischen Gruppe sind niedrigere EF,
Vorhofflimmern, akuter MI, Dialysepflicht, Diabetes mellitus und Notfalleingriffe häufiger
als bei nicht anämischen Patienten. Sie erreichen durchschnittlich höhere Werte im Euroscore
sowie in der ASA- Klassifikation und haben gleichzeitig eine erhöhte Wahrscheinlichkeit,
peri- bzw. postoperative Erythrozytentransfusionen erhalten zu müssen. Trotzdem zeigte sich
in der multivariablen logistischen Regression unter Berücksichtigung möglicher Störvariablen
ein 3,5-fach erhöhtes Mortalitäts- (OR: 3,523, 95% KI: 2,041-6,081) und ein 2,2-fach
erhöhtes MACCE-Risiko (OR: 2,206, 95%-KI: 1,396-3,485) anämischer Patienten gegenüber
der nicht anämischen Vergleichsgruppe. Eine lineare Korrelation zwischen präoperativem
Kreatinin und Hämatokrit konnte nicht nachgewiesen werden.
In unserer Studie mit über 3300 Patienten konnte Anämie nicht nur als Indikator des
klinischen Risikoprofils bei Patienten mit ACB-Operation identifiziert werden, sondern ist ein
unabhängiger zusätzlicher Risikofaktor. Die Ergebnisse belegen einige Studien, welche
Anämie als unabhängigen Risikofaktor für postoperativ schlechtes Outcome bei ACBOperationen
bereits zeigten 41,55,92. Im Gegensatz zu der Studie von Bell et all 82 blieb in
unserer Untersuchung der negative Effekt von Anämie auch im multivariablen Modell
bestehen. Eine mögliche Korrelation zwischen Anämie und Kreatinin, wie sie bei Bell et al 82
gezeigt wurde, konnte nicht bestätigt werden.
Die gefundenen Ergebnisse zeigen, dass Anämie als eigenständiger, unabhängiger
Risikofaktor zu den bestehenden Faktoren und Scores hinzugefügt werden muss.
Weiterführende prospektiv randomisierte klinische Studien sollten untersuchen, ob gezielte
Therapien das Outcome bypassoperierter anämischer Patienten verbessern.
Kurzfassung auf Englisch: Anemia is an increasingly frequent clinical finding. Patients with coronary artery disease have
a limited possibility of anemia compensation due to coronary artery stenosis which is
additionally impaired by comorbidities. There are already some studies describing the
negative influence of preoperative anemia in relation to a postoperative outcome. In literature
available it is controversially discussed whether anemia is an independent risk factor or only a
marker for severity of clinical desease. In the present studie we want to determine whether
anemia is an independent and aditional risk factor in relation to 30-day mortality and
morbidity in terms of MACCE. Furthermore, we want to clarify whether there is a linear
relationship between preoperative creatinine and hematocrit.
In the years 2004-2006, 3311 patients were examined who were presented for CABG-only
surgery in a two-institutional database. A total of 171 patients had anemia, defined as HCT ≤
33% or Hb ≤ 11 g / dl. Our target value were first 30-day mortality and second morbidity in
terms of MACCE. We examined group differences using the Fisher exact test or Chi-square
test and the Wilcoxon or median test. Subsequently, the structural similarity of the groups
reviewed and evaluated according to the distribution of Cohen. After the calculation of the
univariate correlations performed with the target values. The calculated parameters were put
into the model of multiple logistic regression. Finally, we calculated the Spearman and
Pearson correlation coefficient between preoperative creatinine and hematocrit.
Patients with anemia have a significantly (p <0.0001) higher postoperative mortality (13.45%
vs. 2.26%) and MACCE rate (14.62% vs. 5.29%) compared to non-anemic patients. On
average, anemic patients are older, more often female, have a lower BMI and have a higher
risk profile and more comorbidities than the comparison group. In the anemic group, lower
EF, atrial fibrillation, acute MI, dialysis, diabetes mellitus and emergency procedures are
more frequently performed than in non-anemic patients. On average, they reach higher values
in EUROScore as well as classification of ASA and have also an increased likelihood to
become peri-and postoperative red blood cell transfusions. Nevertheless, in multivate logistic
regression taking into account possible confounding variables, anamic patients have a 3.5-fold
higher mortality rate (OR: 3.523, 95% CI: 2.041 to 6.081) and the MACCE-rate increase 2.2-
fold (OR: 2.206, 95% CI: 1.396 to 3.485) compared with the non-anemic control group. A
linear correlation between preoperative hematocrit and creatinine could not be detected.
In our study with more than 3300 patients anemia could be identified as an independent
additional risk factor and not only as an indicator of clinical risk profile in patients with
CABG-surgery. The results supported some studies that already revealed anemia as an
independent risk factor for poor outcome after CABG-surgery showed 41,55,92. In contrast to
the study by Bell et all 82 in our study remained the negative effect of anemia when
multivariate logistic regression was performed. A possible correlation between anemia and
creatinine which was shown by Bell et al 82 could not be confirmed.
Our finding results show that anemia is a separate, independent risk factor in addition to the
existing factors and has to be added to current risk scores. Further prospective randomized
clinical trials should be confirmed to investigate whether specific therapies improve the
outcome of anemic patients presented for CABG-surgery.
Lizenz: Veröffentlichungsvertrag für Publikationen ohne Print on Demand