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Die Auswirkungen des Schulübertritts auf die Entwicklung von Fähigkeitsselbstkonzept, Depression und physischen Beschwerden

The impact of school transition on the development of academic self-concept, depressive symptoms, and physical discomfort

Kreppold, Muriel Maria Rebekka


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-90219
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/9021/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Schulübertritt , Selbstkonzept , Depression , Physische Beschwerden , emotionales Erleben
Freie Schlagwörter (Englisch): school transition, self-concept , depression , physical discomfort , emotions
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.04.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 15.10.2012
Kurzfassung auf Deutsch: In der Längsschnittstudie stehen die Entwicklung des Fähigkeitsselbstkonzepts am Schulübertritt und die Auswirkungen des Fähigkeitsselbstkonzepts von Schüler(inne)n auf den Depressionswert nach dem Schulübertritt im Mittelpunkt der Betrachtungen. Der Schulübertritt wird häufig als ein kritisches Lebensereignis beschrieben. Er zieht unter anderem Veränderungen des Bezugsrahmens nach sich und hat Folgen für die psychische Anpassung.
Die Entwicklung des Fähigkeitsselbstkonzepts über den Schulübertritt und die Auswirkungen des Fähigkeitsselbstkonzepts auf den Depressionswert wurden in der Längsschnittstudie mit einem Erhebungszeitpunkt in der vierten Klasse und einem Erhebungszeitpunkt in der fünften Klasse untersucht. An der Studie nahmen zu beiden Erhebungszeitpunkten in der vierten und fünften Klasse 639 Schüler(innen) aus mehr als 20 bayerischen Schulen teil.

Bezüglich der Entwicklung des Fähigkeitsselbstkonzepts wurden das Auftreten eines Big-Fish-Little-Pond-Effects (BFLPE) sowie die Gültigkeit des Referenzrahmenmodells überprüft. Im Mittelpunkt der Studien zum BFLPE steht die Beobachtung, dass sich – neben dem individuellen Lernerfolg – auch der Lernerfolg der Gruppe (Schulklasse, Schule) auf das Fähigkeitsselbstkonzept einer Person auswirkt. Die Ergebnisse der Studie lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Die Mathematik- und Deutschfähigkeitsselbstkonzepte der Hauptschüler(innen) steigen von der vierten Klasse zur fünften Klasse wie erwartet signifikant an. Dagegen sinken die Mathematik- und Deutschfähigkeitsselbstkonzepte der Gymnasiast(inn)en von der vierten zur fünften Klasse erwartungsgemäß signifikant ab. Bei den Realschüler(inne)n sinkt von der vierten zur fünften Klasse das Mathematikfähigkeitsselbstkonzept signifikant ab, während sich das Deutschfähigkeitsselbstkonzept nicht signifikant verändert. Die schulartspezifische Entwicklung des Fähigkeitsselbstkonzepts über den Schulübertritt hinweg ist gut im Rahmen des BFLPE zu erklären.
Das ursprünglich von Marsh entwickelte Referenzrahmenmodell – im englischen Sprachraum wird dieses Modell als Internal-/External Frame of Reference Model bezeichnet – stellt eines der bedeutsamsten Modelle über die Struktur und Entwicklung fachspezifischer Fähigkeitsselbstkonzepte dar. Zusammenfassend erbringt die Studie bei schulartspezifischer Betrachtung keinen Nachweis für die Gültigkeit des Referenzrahmenmodells über den Schulübertritt hinweg. Dies widerspricht den bisherigen Annahmen, dass das Referenzrahmenmodell über die meisten Länder und Klassenstufen hinweg Gültigkeit haben sollte. Der Schulübertritt als kritisches Lebensereignis mit seinen Folgen wie z.B. einem Bezugsgruppenwechsel könnte – bei schulartspezifischer Betrachtung – einen Zeitpunkt in der Entwicklung der Schüler(innen) darstellen, zu dem das Referenzrahmenmodell nur bedingt Anwendung finden kann.

Ein weiteres Ziel der Studie ist es, den längerfristigen Einfluss des Fähigkeitsselbstkonzepts vor dem Schulübertritt auf den Depressionswert nach dem Schulübertritt zu untersuchen. Die theoretischen Grundlagen stellen das Konzept der Risiko- und Schutzfaktoren, das Vulnerabilitäts-Stress-Modell und die Sozialkognitive Theorie von Bandura dar. Der Schulübertritt mit allen Folgeerscheinungen kann bei den betroffenen Schüler(inne)n in hohem Maße Stress auslösen. Nach dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell wird davon ausgegangen, dass sich angeborene und erworbene Vulnerabilitäten zusammen mit Lebensereignissen, die Stress verursachen, auf die Entstehung und den Verlauf depressiver Erkrankungen und physischer Beschwerden auswirken. Als eine mögliche Vulnerabilität für die Entstehung oder Aufrechterhaltung einer Depression wurde ein niedriges (Fähigkeits-)Selbstkonzept identifiziert.
In der Studie konnte das Fähigkeitsselbstkonzept tatsächlich als Moderator in der Beziehung zwischen Lernerfolg und Depressionswert angesehen werden. Ein niedriger Lernerfolg in der fünften Klasse führt bei den Hauptschüler(inne)n nur dann zu einer Erhöhung des Depressionswerts in der fünften Klasse, wenn gleichzeitig das Fähigkeitsselbstkonzept in der vierten Klasse niedrig ist. Die Ergebnisse bezüglich der Beziehung zwischen Lernerfolg, Fähigkeitsselbstkonzept und Depressionswert sind komplex.

Insgesamt gesehen liefert die in dieser Arbeit vorgelegte Studie einen Beitrag dazu, das Bedingungsgefüge zwischen Fähigkeitsselbstkonzept und Lernerfolg über den Schulübertritt hinweg sowie die Auswirkungen des Schulübertritts auf die Depression und die physischen Beschwerden genauer zu untersuchen.
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