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Essalltag und Doing Family : Eine vergleichende empirische Studie zwischen Deutschland und Frankreich

Daily eating routines and Doing Family in Germany and France : Results of a scientific study

Bauer, Maike


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-89771
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8977/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Familienwissenschaften , Haushaltswissenschaften , Essalltag , Doing Family , qualitative Sozialforschung
Freie Schlagwörter (Englisch): family research , home economics , daily eating routines , doing family , qualitative social research
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Haushaltswissenschaften
Dokumentart: Masterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 12.09.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Die Arbeit rekonstruiert Ausprägungen und Typen von Doing Family im Essalltag in Familienhaushalten unter den Bedingungen von Zweiverdienerarrangements in einem kulturellen Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich. Im Zentrum der Arbeit steht einerseits die Frage, wie Doing Family im Essalltag charakterisiert ist und andererseits, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sich zwischen den beiden untersuchten Ländern aufzeigen lassen, die unterschiedlichen kulturellen, sozialstrukturellen und familienpolitischen Rahmenbedingungen unterliegen.
Zur Beantwortung der forschungsleitenden Fragestellung wurden qualitative, leitfadengestützte Interviews mit jeweils drei Familienmitgliedern in je fünf Familien in Deutschland und Frankreich durchgeführt. Mittels komparativer Analysen wurde zunächst der Essalltag rekonstruiert, um dann anhand von Dimensionen spezifische Ausprägungen und Typen von Doing Family im Essalltag herauszuarbeiten. Auf dieser Basis wurden zudem die interviewten Familien in Deutschland und Frankreich miteinander verglichen.
Die durchgeführte explorative Studie bestätigt die Bedeutung des Essalltags für Doing Family. Sowohl in den untersuchten deutschen Familien als auch in den untersuchten französischen Familien wird im Essalltag der Charakter und die Art der Ausprägung von Doing Family deutlich. Der Essalltag stellt einen mehrdimensionalen Gelegenheitsraum für Doing Family dar. Da eine Familie aus einzelnen Akteuren besteht, können Vorstellungen von Doing Family voneinander abweichen.
Neu ist, dass sich in dieser Studie kulturelle Unterschiede gezeigt haben, einerseits im Essalltag und andererseits sowohl im Doing Family selbst als auch in der Art, wie Familie definiert wird. Kultur macht also sowohl Praxis- als auch Sinnebene der Herstellung von Familie aus. Für den theoretischen Ansatz von Doing Family bedeutet dies, dass Doing Family immer vor dem Hintergrund von Kultur gesehen werden muss. Das Doing Family des Essalltags erschließt gesellschaftlich-kulturelle Werte und Wertorientierungsmuster. Es unterliegt strukturellen Einflussfaktoren und nationalen Routinen und Ritualen. Obwohl die Essalltage in Deutschland und Frankreich prinzipiell zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen, sind innerhalb der untersuchten Familien dennoch Tendenzen zu länderspezifischen und voneinander divergierenden Vorstellungen und Praxen von Doing Family zu erkennen. Die Essalltage der untersuchten deutschen Familien sind gemeinschafts- und familienorientierter. Während Familie von ihnen bewusst und explizit inszeniert wird, weisen die untersuchten französischen Familien eher einen Laissez-faire-Charakter auf, der viel individuellen Raum lässt. Der Stellenwert familialer Kommunikation wird analog von den untersuchten deutschen Familien stärker hervorgehoben. Der Essalltag der französischen Familien ist von mehr Regeln und Konflikten geprägt. Weiterhin sind die untersuchten französischen Familien tendenziell außenorientierter als die deutschen.
Allen untersuchten Familien dieser Studie ist jedoch gemeinsam, dass familiale Praktiken und familiales Handeln, also das, was Familien tun, unabdingbare Elemente und grundlegende Basis für die Herstellung und immer wiederkehrende Reproduktion einer Familie sind. Substantielles Resultat ist die Erkenntnis, dass Doing Family im Essalltag das Doing Family des Alltags und der familialen Lebensführung widerspiegelt. Familien sind eben nicht nur, was sie essen, sondern vielmehr wie sie essen.
Kurzfassung auf Englisch: The paper shows characteristics and forms of the Doing Family concept in a cultural comparison between German and French households in evaluating daily eating habits thereby taking into account the conditions of dual income. On one part the paper focuses on the characterization of the concept concerning daily eating routines, and alternatively on the differences and similarities with regard to culture, social structure and family affaires.
Qualitative structured interviews in Germany and France were made with three family members of five families, respectively, in order to approach the problem. By using comparative analysis, the daily eating routine was reconstructed in order to elaborate the degree of specifications and types of the doing family concept. On this basis the interviewed families in Germany and France were then compared with each other.
The explorative study which was conducted confirms the significance of the daily eating routine for the Doing Family concept. Character and type of specification of the Doing Family concept becomes apparent in the eating routine of the investigated German families as well as the French families. The daily eating routine displays a multi-dimensional opportunity for the Doing Family concept. Given that a family consists of different protagonists, the idea of the Doing Family concept could vary.
The study displays cultural differences concerning daily eating routines, the Doing Family concept itself, as well as the definition of family. The Doing Family concept has always to be seen in relation to culture. The Doing Family concept makes the daily eating routine accessible to socio-cultural values and value orientated models. It is liable to structural influence and national routines and rituals. Although the daily eating routines in Germany and France basically show numerous similarities, tendencies towards country-specific and divergent ideas and practices of the Doing Family concept were indicated. The daily eating routines in the studied German families are community- and family-orientated. While family is implemented consciously and explicitly by them, the studied French families feature a rather “Laissez-faire”-character, which allows much individual room. The value of familial communication is being emphasized consequently in the investigated German families. The daily eating routines of the French families are shaped to a greater extend by rules and conflicts. Furthermore, the studied French families tend to be more extroverted than the German families.
All studied families share the feature that familial practices and familial actions, as to say things that families do, are vital elements, and the essential base for the creation and constantly recurring reproduction of a family. However, the quintessence is the realization that the Doing Family concept in the daily eating routine reflects the Doing Family concept in a day-to-day life and familial lifestyle equally. So families are not only what they eat, but in fact how they eat.
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