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Untersuchung zur Eignung eines Gewebeklebers zum Verschluss der Hautwunde bei weiblichen Katzen und Kaninchen nach Kastrationen

Harre, Daniela


Originalveröffentlichung: (2012) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.548 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-89730
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8973/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5935-4
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.08.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 12.09.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Die Kastration von weiblichen Katzen und Kaninchen ist ein häufig durchgeführter operativer Eingriff in Kleintierpraxen mit einer relativ hohen Inzidenz an möglichen postoperativen Wundheilungskomplikationen. Einen möglichen Einfluss auf die Komplikationsrate hat die Wahl der Methode des Hautwundverschlusses.
Ziel dieser Arbeit war es daher, den Wundheilungsverlauf nach Durchführung der Kastration und anschließendem Hautverschluss durch Naht- und Klebetechnik bei zwei unterschiedlichen Tierarten hinsichtlich der Komplikationsrate zu beurteilen, um die optimale Methode für die jeweilige Tierart herauszuarbeiten.

Für die Analyse wurden Daten von 54 weiblichen Katzen und 48 weiblichen Kaninchen prä- und postoperativ erhoben und bewertet. Nach dem Losverfahren wurden die Tiere nach Ovariohysterektomie in zwei Gruppen geteilt, die sich nur hinsichtlich des Hautverschlusses unterschieden:

- Gruppe 1: 29 Katzen mit genähtem Hautschnitt
- Gruppe 2: 25 Katzen mit geklebtem Hautschnitt
- Gruppe 3: 16 Kaninchen mit genähtem Hautschnitt
- Gruppe 4: 32 Kaninchen mit geklebtem Hautschnitt

Es wurde bei keinem Tier eine Subkutannaht durchgeführt und postoperativ kein Halskragen oder anderer Leckschutz verwendet. Die Katzen wurden in Rücken-Hängelage operiert, bei den Kaninchen wurde in Rückenlage eine Ovariohysterektomie durchgeführt.

Bei den Tieren wurden präoperativ folgende Parameter erhoben:

- Alter, Rasse
- Allgemeinbefinden, Pflege- und Ernährungszustand
- Körpergewicht, Körperinnentemperatur

Aus einer venösen Blutprobe der Vv. cephalicae bei den Katzen bzw. der Vv. auriculares der Kaninchen wurden folgende Blutparameter am Tag der Kastration und 2 Tage post operationem bestimmt:

- Gesamtleukozyten-, Erythrozyten und Thrombozytenkonzentration
- Hämatokrit, Hämoglobinkonzentration
- eosinophile Granulozyten-, Lymphozyten- und Monozytenanzahl
- Gesamtgranulozytenzahl

Postoperativ wurden die Schnittlänge der Hautwunde, der Zustand der Operationswunde, das Auftreten von Wundheilungsstörungen, die Komplikationsdauer, die Bauchdeckenspannung und die Patientenakzeptanz beurteilt und dokumentiert. Regulär erfolgten die Kontrollen am 2. und 10. Tag nach dem operativen Eingriff, beim Auftreten von Komplikationen längstens bis 14 Tage nach der Kastration.
Die Tiere wurden am Tag der Operation nach Hause entlassen.

Folgende relevanten Ergebnisse wurden erzielt:

- Postoperativ lagen bei den Parametern Schnittlänge, Bauchdeckenspannung und Patientenakzeptanz keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen von Katzen und Kaninchen vor.

- Die Temperatur- und Gewichtsentwicklung war bei beiden Tierarten statistisch signifikant different über die Zeit (p < 0,0001). Bei den Katzen war die wechselseitige Beziehung zwischen Zeit und Gruppe statistisch signifikant (p = 0,038).

- Statistisch signifikante Differenzen bezüglich der Wundheilung insbesondere der Komplikationsrate bestanden zwischen den Gruppen nicht.

- Wundheilungsstörungen wurden im Mittel bei beiden Tierarten 3 Tage nach der Operation diagnostiziert.

- Bei Katzen mit genähten Hautschnitten lag die Komplikationsdauer im Durchschnitt bei 6,6 Tagen, wohingegen sie bei Tieren mit geklebten Hautschnitten 8,5 Tage im Mittel betrug. Der Unterschied war jedoch nicht statistisch signifikant.

- Kaninchen mit Wundheilungsstörungen hatten eine Komplikationsdauer bei genähtem Hautschnitt von durchschnittlich 7 Tagen und bei geklebter Hautwunde von 6,2 Tagen. Es lag keine statistisch signifikante Differenz vor.

- Tiere, die präoperativ eine Leukopenie aufwiesen, entwickelten durchgängig
postoperativ Wundheilungsstörungen, unabhängig von der Tierart.

- Katzen und Kaninchen entwickelten postoperativ eine milde Leukozytose. Die Zunahme der Leukozyten war statistisch signifikant (p < 0,0001).

- Sowohl Katzen als auch Kaninchen zeigten einen signifikanten Anstieg des Hämatokrit (p < 0,0001) 2 Tage nach der Kastration. Infolgedessen zeigte sich im Differentialblutbild eine relative Polyzythämie bei den Katzen bzw. eine Hämokonzentrierung bei den Kaninchen.

- Postoperativ entwickelte sich bei beiden Tierarten eine Erhöhung der Thrombozytenanzahl, welche statistisch signifikant war (p < 0,0001).

- Die Zunahme der eosinophilen Granulozyten vom Tag der Kastration bis zum 2. Tag post operationem war bei beiden Tierarten statistisch signifikant
(p < 0,0001). Es lag eine statistische Signifikanz in der Wechselwirkung zwischen der Zeit und den Gruppen vor (Katzen: p = 0,0066; Kaninchen: p = 0,048).

- Der Anstieg der Monozyten über die Zeit war bei den Katzen (p < 0,0001) und den Kaninchen statistisch signifikant (p = 0,0004). Zwischen den beiden Gruppen der Kaninchen lag ein statistisch signifikanter Unterschied vor (p = 0,044).
- Die postoperative Zunahme der Lymphozytenanzahl war bei Katzen und Kaninchen statistisch signifikant (p < 0,0001). Die Korrelation zwischen der Zeit und den Gruppen war bei den Katzen statistisch signifikant (p = 0,013).

- Der Anstieg der Gesamtgranulozytenzahl über die Zeit war bei den Katzen und den Kaninchen statistisch signifikant (p < 0,0001). Die Korrelation zwischen der Zeit und den Gruppen war bei den Katzen statistisch signifikant (p = 0,0037).

Die vorliegende Studie stellt die erste Arbeit dar, in welcher untersucht wurde, welche Wundverschlusstechnik nach Kastration weiblicher Katzen und weiblicher Kaninchen die optimale Methode darstellt. Aus den ermittelten Ergebnissen lässt sich schlussfolgern, dass bei Kaninchen die Klebetechnik die Methode der Wahl sein sollte. Bei vergleichender Betrachtung der Resultate kommen für Katzen nach Kastrationen beide Hautverschlussmethoden grundsätzlich in Frage. Die Gefahr der Entwicklung einer postoperativen Wundheilungsstörung lässt sich durch ein präoperativ angefertigtes Blutbild abschätzen.
Kurzfassung auf Englisch: Castration of female cats and rabbits is routine surgery in small animal practices. There is a relatively high incidence of possible postoperative wound healing complications. It is possible that the chosen surgical technique for wound closure affects the complication rate. The goal of this study was to find the optimal wound closure technique for the two different species by observing the wound healing and complication rate after castration using two different skin closure techniques, skin sutures and tissue glue technique.
For the analysis, pre- and postoperative data from 54 female cats and 48 female rabbits was collected and evaluated. After the random selection the animals were split into two groups only differing in the wound closure technique used after castration:

- Group 1: 29 cats with sutured skin wound
- Group 2: 25 cats with glued skin wound
- Group 3: 16 rabbits with sutured skin wound
- Group 4: 32 rabbits with glued skin wound

A subcutaneous suture was not used in any of the animals, and no Elisabethan collar or other form of wound protection was used postoperatively. In the cats the surgery was performed in dorsal hanging position, and in the rabbits ovariohysterectomy was performed in dorsal recumbency.
These preoperative parameters were collected:

- Age, Breed
- General health, state of care and nutritional status
- Bodyweight and body core temperature

The following parameters from the blood count were determined using a venous blood sample taken from the Vv. Cephalicae in the cats and Vv. Auriculares in the rabbits on the day of surgery and 2 days postoperatively:

- Leukocyte-, Erythrocyte- and plateletconcentration
- Hematocrit, Hemoglobinconcentration
- Eosinophilic granulocytes, lymphocytes, monocytes
- Granulocytesconcentration

Postoperatively, the skin wound length, the condition of the surgical wound, the occurrence of wound-healing disorders, the duration of complications, abdominal wall tension and patient acceptance were evaluated and documented. Thereafter the wounds were controlled on the 2nd and 10th day post surgery, and in cases with complications, up to 14 days postoperatively.
The animals were discharged to their owners on the day of surgery.

The following relevant results were obtained:

- Postoperatively, in the parameters wound length, abdominal wall tension and patient acceptance, there were no significant statistical differences between the respective groups of cats and rabbits.

- In both species there was a statistically significant difference over time (p < 0.0001) in the temperature- and weight development. In the cats the interrelation between time and group was statistically significant (p = 0.038).

- Statistically significant differences regarding wound healing, especially the complication rate, were not present between the groups.

- Wound healing complications were on average diagnosed 3 days post surgery in both species.

- In the cats with sutured skin wounds the duration of complication was on average 6.6 days, whereas in the animals with tissue glued skin wounds it amounted on average to 8.5 days. The difference was however not statistically significant.

- Rabbits with wound healing complications had a duration of complication on average of 7 days by sutured wounds, and by tissue glued wounds on average 6.2 days. No statistical significant difference was present.

- Animals that had leukopenia preoperatively, consistently developed postoperative wound healing complications, irrespective of the animal species.

- Postoperatively, cats and rabbits developed a mild leukocytosis. The increase in leukocytes was statistically significant (p < 0.0001).

- Both cats as well as rabbits showed a significant increase in the hematocrit value (p < 0.0001) 2 days after the castration. Consequently a relative polycythemia was shown in the differential blood count in the cats and a hemoconcentration in the rabbits.

- Postoperatively, an increase in platelet count developed in both animal species, which was statistically significant (p < 0.0001).

- The increase in eosinophilic granulocytes from the day of castration to the 2nd day post surgery was statistically significant (p < 0.0001) in both animal species. A statistical significance in the correlation between the time and the groups was present (cats: p = 0.0066; rabbits: p = 0.048).

- The increase of monocytes over time was statistically significant in the cats (p < 0.0001) and in the rabbits (p = 0.0004). Between the two groups of rabbits there was a statistically significant difference (p = 0.044).

- The postoperative increase in lymphocytes was statistically significant in the cats and in the rabbits (p < 0.0001). In the cats, the interaction between the time and the groups was statistically significant (p = 0.013).

- The increase of granulocytes over time was statistically significant in the cats and in the rabbits (p < 0.0001). In the cats, the interaction between the time and the groups was statistically significant (p = 0.0037).
This study represents the first work, which tries to examine which wound closure technique after castration is the optimal method in female cats and female rabbits. On the basis of the obtained results it can be concluded that for the rabbits the tissue glue technique should the method of choice. By comparative consideration of the results for the cats after castration, both wound closure techniques are worth considering. The risk of the development of a postoperative wound healing complication can be estimated by performing a preoperative blood count.
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