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Untersuchungen zum Auftreten und der Bedeutung der Intertrigo in einem Milchviehbestand

Avenarius, Andreas


Originalveröffentlichung: (2012) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (10.933 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-87479
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8747/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5886-9
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.03.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 31.05.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit hatte zum Ziel Informationen zur Häufigkeit, Bedeutung, klinischen Ausprägung, Entwicklung sowie zu Ursachen und Folgen der Euter-Schenkel-Dermatitis bei Milchrindern unter den derzeitigen Produktionsbedingungen in der Milchviehhaltung zu gewinnen. Angaben zu dieser Erkrankung beschränken sich in der Fachliteratur auf wenige, überwiegend ältere Arbeiten.
In einem landwirtschaftlichen Betrieb wurden in der Zeit vom 20. Februar bis zum 19. April 2007 317 Milchrinder der Rasse Deutsche Holstein und Deutsche Holstein-Jersey Kreuzung untersucht, wovon 133 Tiere der Gruppe der Färsen und 184 Tiere der Gruppe der Kühe angehörten. Die Studie umfasste alle Milchrinder, deren Abkalbung in den Beobachtungszeitraum fiel und deren Milchleistung über die Milchleistungskontrolle erfasst wurde. Die Untersuchungen wurden anhand eines Datenerfassungsbogens innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Abkalbung und anschließend wöchentlich am 7., 14. und 21. Tag post partum durchgeführt. In Abhängigkeit vom Auftreten der Euter-Schenkel-Dermatitis wurden die Tiere entweder der Beobachtungsgruppe (Tiere mit Euter-Schenkel-Dermatitis) oder der Kontrollgruppe (Tiere ohne Euter-Schenkel-Dermatitis) zugeordnet. Die statistische Auswertung der Daten erfolgte mit dem Statistikprogramm R, Version 2.8.1.
Folgende relevanten Ergebnisse wurden erzielt:

1. Die Häufigkeit der Euter-Schenkel-Dermatitis lag bei 18 %.

2. Konnte bei nur 4,3 % der Kühe eine Euter-Schenkel-Dermatitis nachgewiesen werden, erkrankten 36,8 % der Färsen an einer Dermatitis im Euterschenkelspalt. Der Altersunterschied war hochsignifikant (p < 0,0001).

3. Bei 80,7 % der Tiere konnte bereits innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Abkalbung eine Euter-Schenkel-Dermatitis diagnostiziert werden. Der Zeitpunkt der Feststellung hing weder mit dem Alter der untersuchten Tiere noch mit den von der Dermatitis betroffenen Gewebeschichten zusammen.

4. Bei 17 Rindern konnte eine vollständige Abheilung der Euter-Schenkel-Dermatitis beobachtet werden. Die Dauer des Krankheitsverlaufs hing dabei sowohl von der flächenmäßigen Ausdehnung der Euter-Schenkel-Dermatitis als auch von den betroffenen Gewebeschichten ab (p < 0,01).

5. Insgesamt 24 (42,1 %) der Euter-Schenkel-Dermatitiden traten einseitig auf, sechs (10,5 %) davon im rechten und 18 (31,6 %) im linken Euterschenkelspalt. Bei 33 (57,9 %) Tieren wurden die Veränderungen auf beiden Seiten erfasst. Euter-Schenkel-Dermatitiden, die beidseitig auftreten, neigen zu großflächigeren Ausdehnungen. Zudem sind vergleichsweise mehr Gewebeschichten von den Alterationen betroffen als bei einseitigen Läsionen. Diese Zusammenhänge sind statistisch signifikant (p < 0,05).

6. Die maximale Ausdehnung der Läsionen im Euterschenkelspalt betrug bei einem (1,8 %) Tier bis Taschenuhrgröße, bei 16 (28,1 %) Tieren bis Handtellergröße und bei 40 (70,2 %) Tieren über Handtellergröße.

7. Bei 39 (68,4 %) Tieren beschränkten sich die Läsionen auf die Hautschicht, bei 18 (31,6 %) Tiere waren zusätzlich die Muskelschichten betroffen. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Alter der Tiere mit Euter-Schenkel-Dermatitis und den betroffenen Gewebeschichten bestand nicht.

8. Abgesehen vom ersten Untersuchungstag konnte an allen folgenden Tagen ein signifikanter Zusammenhang zwischen der maximalen Ausdehnung der Läsionen und den betroffenen Gewebeschichten festgestellt werden. Je mehr Gewebeschichten betroffen waren, desto großflächiger war die Euter-Schenkel-Dermatitis.

9. Je mehr Gewebeschichten bei den Tieren mit Euter-Schenkel-Dermatitis betroffen waren, desto öfter konnte auch Exsudat im Euterschenkelspalt gefunden werden (p < 0,0001).

10. Das Auftreten peripartaler Euterödeme stand stets in einem signifikanten Zusammenhang mit dem Vorkommen von Euter-Schenkel-Dermatitiden. Jedes Tier, das an einer Euter-Schenkel-Dermatitis erkrankt war, wies auch ein Euterödem auf.

11. Es konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Euterform und der Euter-Schenkel-Dermatitis nachgewiesen werden.

12. Das Auftreten der Euter-Schenkel-Dermatitis korreliert mit einem Rückgang der Milchmenge und dem Eiweißgehalt der Milch.

13. Tiere mit Euter-Schenkel-Dermatitis zeigten häufiger starke Abwehrbewegungen beim Melken (p < 0,0001). Die Anzahl betroffener Gewebeschichten hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Abwehrreaktionen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung zum Auftreten und der Bedeutung der Euter-Schenkel-Dermatitis bei der Milchkuh zeigen, dass diese Erkrankung in einer industriemäßigen Milchproduktionsanlage mit 18 % eine hohe Prävalenz besitzt. Typischerweise tritt diese Erkrankung im peripartalen Zeitraum auf und kommt bei Färsen ca. 6,1 Mal häufiger vor als bei Kühen. Die Euter-Schenkel-Dermatitis, deren multifaktorielle Entstehung eng an das Vorkommen von peripartalen Euterödemen und deren Ausprägung gebunden ist, korreliert mit einem Rückgang der täglichen Milchleistung und des Eiweißgehaltes der Milch.

Kurzfassung auf Englisch: The objective of this study was to gain information about the incidence, relevance, cause, development, clinical appearance and consequences of udder-thigh dermatitis (i.e. lesions on the lateral aspect of the udder and the medial aspect of the thigh) in dairy cattle in present production conditions.
General information about this medical condition is limited to a few, mostly older studies.

An agricultural farm with a herd of 2774 Holstein Friesian and Holstein Friesian / Jersey crossbreds was chosen for the study. Three hundred and seventeen cattle - 133 heifers and 184 cows - were examined during the period 20.02.2007 to 19.04.2007.
All cattle that calved during the period of study and whose lactation performance was subjected to an external monthly quality control scheme were included in the study.
Clinical examination was performed on the day of calving and repeated on the 7th, 14th and 21st days post partum.
For statistical purposes the cattle were separated into groups based on whether udder-thigh dermatitis had or had not been diagnosed.
Statistical analysis was performed using the software Statistic Program R, Version 2.8.1.

Significant results were as follows:

1. The incidence of udder-thigh dermatitis was 18%.

2. Udder-thigh dermatitis occurred in 4.3% of mature cows and in 36.8% of primiparous cattle. This difference in age was highly significant (p < 0.0001).

3. 80.7% of udder-thigh dermatitis lesions were diagnosed within the first 24 hours post partum. Onset of clinical signs did not significantly differ between mature and primiparous cattle, nor was it related to the depth of tissue lesions in the udder cleft.

4. Complete healing of the lesions was observed in 17 cattle. The duration of clinical signs was unrelated to the size or depth of the lesions (p < 0.01).

5. 24 cases of udder-thigh dermatitis (42.1%) were diagnosed as unilateral. Of these, 6 cases (10.5% of all diagnoses) involved the right udder cleft and 18 cases (31.6%) involved the left. 33 cases of udder-thigh dermatitis (57.9%) occurred bilaterally. Bilateral lesions involved statistically (p < 0.05) larger and deeper lesions than unilateral cases.

6. The maximum size of lesions was up to pocket watch size in 1 (1.8%) case, up to the size of the palm of a hand in 16 (28.1%) cases and exceeded the size of the palm of a hand in 40 (70.2%) cases.

7. In 39 (68.4%) cattle the lesions were restricted to dermal layers. In 18 (31.6%) cattle deeper muscle layers were involved. A significant association between the age of the examined cattle and the depth of lesions was not observed.

8. With the exception of the first day of examination (i.e. within the first 24 hours post partum) all following examinations revealed a significant association between the maximum size of the lesions and the depth of tissue layers affected. Larger lesions were associated with involvement of deeper tissues.

9. Lesions involving deeper tissue layers of the udder cleft were more likely to produce a discharge (p < 0.0001).

10. The development of perinatal udder oedema was strongly associated with the occurrence of udder-thigh dermatitis. All cattle diagnosed with udder-thigh dermatitis were concurrently diagnosed with udder oedema.

11. Udder shape was not significantly associated with the incidence of udder-thigh dermatitis.



12. There was a significant association between prevalence of udder-thigh dermatitis and a reduction in milking performance. A decrease in daily milk production as well as a reduction in protein concentration of the milk was observed in cattle with udder-thigh dermatitis.

13. Cattle with udder-thigh dermatitis showed more defensive movements during the milking process (p < 0.0001) however these were unrelated to the depth of lesions.

The results of this study into the incidence and relevance of udder-thigh dermatitis in dairy cattle revealed that this medical condition has a high incidence (18%). Further studies on different farms would be required to ascertain whether this is indicative of the dairy industry as a whole.
Typically udder-thigh dermatitis occurs in the perinatal period and the incidence was 6.1 times higher in primiparous cattle than in mature cows in this study.
The pathogenesis of udder-thigh dermatitis is multifactorial; however its occurrence is closely associated with perinatal udder oedema. Udder-thigh dermatitis leads to a reduction in lactation performance by decreasing both the daily milk volume and the protein concentration of the milk.
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