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Todesverlangen bei Sterbenden - Implikationen für Palliative Care

Desire for hastened death in the dying - implications for palliative care

Rave, Florian


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-87369
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8736/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Todesverlangen , Sterbehilfe , Palliativmedizin , Sterben , Hospiz
Freie Schlagwörter (Englisch): eeath , euthanasia , palliative care , dying
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geschichte der Medizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.04.2012
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 14.05.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Diese Arbeit geht der Frage nach, wie häufig und aus welchen Gründen sterbende Patienten
nach einer Abkürzung des Sterbeprozesses durch aktive Sterbehilfe bzw. assistierten
Suizid verlangen. Während die ersten Publikationen im anglo-amerikanischen
Sprachraum knapp 25 Jahre alt sind, hat dieses Thema in Deutschland wissenschaftlich
wenig, aber wachsende Aufmerksamkeit erfahren. Die Literaturrecherche in medizinischen,
medizinethischen und palliativmedizinischen / hospizlichen Zeitschriften zeigt,
daß ca. 0-21 % der am häufigsten untersuchten Patientengruppe der Palliativpatienten
Todesverlangen äußern. Die Gründe dafür scheinen vor allem in psychischen und
sozialen Faktoren zu liegen. Depressionen und Hoffnungslosigkeit finden in den untersuchten
Publikationen am häufigsten Erwähnung, physische Probleme wie Schmerzen
und andere Symptombelastungen scheinen hingegen nur eine untergeordnete Rolle zu
spielen.
Unter ausführlicher Berücksichtigung der historischen Entwicklung von Palliative Care
und der soziokulturellen Umstände ihrer Entstehung wird die Ablehnung von aktiver
Sterbehilfe und assistiertem Suizid analysiert und im Lichte der vorgestellten Forschungsergebnisse
zu Todesverlangen kritisch neu bewertet. Letztere lassen Zweifel an der Richtigkeit
der Hypothese aufkommen, dass Palliative Care aktive Sterbehilfe und assistierten
Suizid überflüssig macht, was in der Sterbehilfedebatte ein häufig benutztes Argumentationsmuster
darstellt. Gleichzeitig wird gezeigt, dass aktive Sterbehilfe und assistierter
Suizid keine unversöhnlichen Gegensätze zu Palliative Care darstellen, sondern durchaus
Überschneidungen in moralischen Werte zeigen, was sich auch in der Zustimmung nicht
unerheblicher Teile der Palliativmedizin und der Hospizbewegung ausdrückt. Palliative
Care wird deswegen die bislang rigoros vertretene Ablehnung von aktiver Sterbehilfe
und assistiertem Suizid überdenken bzw. neu begründen müssen.
Kurzfassung auf Englisch: This thesis is concerned with the question of how frequently and for what reasons dying
patients request a hastened death by euthanasia or assisted suicide. While the first
English-American publications appeared nearly 25 years ago, this subject has received
little but growing scientific attention in Germany. The literature review in medical,
bioethical and palliative journals shows that 0-21% of palliative care patients express a
desire to die. The reasons seem to lie primarily in mental or social factors. Depression
and hopelessness are mentioned most frequently, while physical aspects (like pain or
other burdening symptoms) seem to play only a minor role.
Considering the history of palliative care and the sociocultural circumstances of its
development, the rejection of euthanasia and assisted suicide is analyzed and critically
re-appraised in light of the presented evidence in the literature. The latter questions the
hypothesis that palliative care makes euthanasia and assisted suicide obsolete, a point
regularly made in the euthanasia debate. It is also shown that euthanasia and assisted
suicide are not irreconcilabe opposites but share common values, which is also conveyed
in their approval of a significant minority within palliative care. In conclusion, palliative
care will need to re-evaluate or newly substantiate its rigorous rejection of euthanasia
and assisted suicide.
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