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Ernährungs- und Gesundheitsverhalten von Nürnberger Grundschulkindern vor dem Hintergrund ihrer sozioökonomischen Situation

Health- and Nutrition behaviour of primary school children living in Nuremberg, Germany considering their socio-economic background

Walter, Carina


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-87152
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8715/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Ernährungsverhalten , Ernährungsmuster , Verzehrsmotive , Ernährungsstatus , Grundschüler
Freie Schlagwörter (Englisch): Nutrition behaviour , dietary pattern , food choice motives , Nutrition status , primary school children
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Ernährungswissenschaft
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Haushaltswissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.05.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 27.04.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund und Ziele
In Deutschland wächst etwa jedes sechste Kind in Armut auf. Ziele der Studie sind aufzuzeigen, inwieweit sich der Ernährungs- und Gesundheitsstatus sowie das das Ernährungs- und Gesundheitsverhalten von Nürnberger Viertklässlern aus Familien mit unterschiedlichem sozioökonomischem Status (SES) unterscheidet. Ein weiteres Ziel ist es, das Ernährungs- und Gesundheitsverhalten der Viertklässler sowohl aus eigener Perspektive als auch aus Perspektive ihrer Eltern zu erfassen. Insbesondere soll das Maß der Übereinstimmung zwischen den Angaben der Eltern und Kindern bestimmt werden. Auf Basis der Ergebnisse werden zielgruppenspezifische Handlungs-empfehlungen zur Optimierung des Ernährungs- und Gesundheitsverhaltens formuliert.

Methoden
In dieser quantitativen Querschnittsstudie füllten die Kinder Fragebögen zum Ernährungs- und Gesundheitsverhalten aus (Lebensmittelverzehr, Alkohol- und Tabakkonsum, körperliche Aktivität) (n=170). Ihr Ernährungsstatus wurde anhand von antropometrischen Messungen (Körpergröße und -gewicht) und die Analyse zahlreicher Blutparameter ermittelt (n=141). Die Eltern machten in einer telefonischen Befragung Angaben zum Ernährungs- und Gesundheitsverhalten ihrer Kinder sowie zur sozioökonomischen Situation der Familie.

Ergebnisse
Der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder ist in Familien mit niedrigem SES höher als in Familien mit mittlerem und hohem SES. Kinder aus Familien mit niedrigem SES weisen ein ungünstigeres Ernährungsmuster auf und sind zu einem geringeren Anteil Mitglied in einem Sportverein als Kindern aus, mittlerem und hohem SES. Unabhängig vom SES der Familie bevorzugen Kinder die Lebensmittel, die sie zu Hause regelmäßig angeboten bekommen. Nach eigenen Angaben haben 62 % der befragten Viertklässler schon einmal Alkohol probiert und 9 % bereits einmal geraucht. Unterschiede zwischen den SES-Gruppen bestehen dabei nicht. Kinder aller SES-Gruppen weisen ein ungünstiges Fettsäureprofil auf. Unterschiede zwischen den SES-Gruppen werden deutlich im Serumgehalt von Triglyceriden (höher bei Kindern aus Familien mit niedrigem SES) und HDL-Cholesterin (niedriger bei Kindern aus Familien mit niedrigem SES), was sowohl auf ein ungünstiges Ernährungsmuster als auch auf geringe körperliche Aktivität bei Kindern aus Familien mit niedrigem SES hinweist. Kinder aus Familien mit niedrigem SES verbringen mehr Zeit vor dem Fernseher und/oder dem Computer verglichen mit Kindern aus Familien mit höherem SES. Dabei stimmen die Angaben der Kinder zur Bildschirmzeit (TV und PC) besser mit den Angaben ihrer Eltern überein als die Angaben zur ihrer sportlichen Aktivität.

Schlussfolgerung
Ein Bündel an zielgruppenspezifischen verhältnis- und verhaltenspräventiven Maßnahmen ist notwendig, um den Ernährungs- und Gesundheitsstatus sowie das verhalten vor allem von Kindern aus Familien mit niedrigem SES positiv zu beeinflussen. Die Maßnahmen müssen individuell auf die jeweiligen Lebensumstände von Kindern und ihren Eltern sowie auf deren soziales Umfeld ausgerichtet sein, um nachhaltig gesundheitsfördernde Lebensbedingungen zu schaffen. Zur Etablierung von Präventionsmaßnahmen ist die Vernetzung aller Akteure insbesondere aus den Feldern Politik, Schule, Medizin, Sportverein, Sozialarbeit notwendig. Daneben müssen neue Zugangswege zu Familien mit niedrigem SES gefunden werden.
Kurzfassung auf Englisch: Background
In Germany, about one in six children grows up in poverty. The primary aim is to analyse socio-economic differences in health and nutrition behaviour as well as in nutrition and health status of fourth grade primary school children living in Nuremberg, Germany. A further aim is to analyse the pupils’ nutrition and health behaviour not only from their own perspective but also from the perspective of their parents. Thereby, data agreement concidering the statements of parents and their children is to be determined. Based on these results, public health recommendations will be developed in order to improve nutrition and health behaviour of the target population.

Methods
In this quantitative cross-sectional study nutrition and health behaviour of fourth grade primary school children was assessed using standardised questionnaires which were completed by the children during classes at school (n=170). Nutritional status was assessed by measuring anthropometric data. In addition, various parameters obtained from children’s blood samples have been analysed (n=141). Sociodemographic indicators were derived from parental telephone interviews. Parents were also asked questions on their children’s physical activity and inactivity as well as alcohol and tobacco consumption.

Results
The proportion of overweight and obese children is higher in families with low SES compared to families with middle or high SES. More children from families with low SES show an unfavorable dietary pattern compared to children from families with middle or high SES. Fewer children from families with low SES are members of sports club in comparison to children from families with middle or high SES. Children of all SES-groups prefere the food they are offered at home. According to the answers of fourth grade primary school children, 62 % of them have already tried alcohol, and 9 % have tried smoking cigarettes. Thereby no differences between SES groups have been discovered. Regarding blood analysis, children of all SES groups have an unfavourable fatty acid pattern. SES-group-specific differences appear in serum levels of triglycerides (higher in children from low SES families) and HDL (lower in children from low SES families) indicating that children from low SES families show an unfavourable dietary pattern an are less phisically active. Children from families with low SES spend more time watching television or using the computer, compared to children from families with higher SES. Overall, data agreemtent of children and their parents is stronger for children’s screen-time than for their physical activity.

Conclusion
A bundge of target group specific behavioural preventive actions is needed in order to influence nutrition and health behaviour of children from families with low SES in a positive way. To positively influence nutrition and health behaviour of children from families with low SES, it is crucial to formulate group-specific behavioural prevention strategies. These prevention strategies must be individually tailored to the particular circumstances of children and their parents in their social environment in order to create sustainable healthy living conditions. Moreover, better networking of all stakeholders in the fields of politics, school, medicine, sports club, social work is necessary to establish effective preventive actions. Also, new ways of access to children and their parents have to be found.
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