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Räumliche Erreichbarkeit und Beschäftigung in nord- und mittelhessischen Gemeinden

Regional accessibility and employment density in the communities of northern and middle Hessen

Zurbuchen-Spillmann, Barbara


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-86223
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8622/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Räumliche Erreichbarkeit , Beschäftigung , Räumliche Wachstumsmodelle , Regionalpolitik
Freie Schlagwörter (Englisch): Regional accessibility , employment rates , regional growth models , regional policy
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Professur für Projekt- und Regionalplanung, Institut für Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft
Fachgebiet: Agrarwissenschaften und Umweltmanagement
DDC-Sachgruppe: Wirtschaft (VWL)
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.07.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 23.02.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Die Arbeit überprüft, ob für die hessischen Gemeinden ein positiver Zusammenhang zwischen der groß –und der kleinräumigen Erreichbarkeit und der Beschäftigungsentwicklung 1998-2008 nachgewiesen werden kann. Die Erreichbarkeit einer Gemeinde umfasst ihre ökonomische Distanz und ihr ökonomisches Potenzial. Die ökonomische Distanz einer Gemeinde ist relevant für ihre Fähigkeit, externe Wachstumsimpulse aufzunehmen. Dies erfolgt über die Vernetzung mit externen Märkten und den Zugang zu neuen Technologien. Das ökonomische Potenzial einer Gemeinde bestimmt ihre Fähigkeit, weitere Wirtschaftsaktivitäten anzuziehen. Hier gilt, dass Regionen mit einer bereits hohen Dichte an ökonomischen Aktivitäten eine hohe Anziehungskraft aufweisen. Die großräumige Erreichbarkeit ist über mehrere Gemeinden hinweg wirksam, die kleinräumige Erreichbarkeit hingegen beeinflusst nur die Attraktivität einzelner Gemeinden.
Für die großräumige Erreichbarkeit wird die ökonomische Distanz einer Gemeinde erfasst über die Entfernung (in km) zu Autobahnen und Forschungseinrichtungen. Die großräumigen Potenzialvariablen umfassen die Bevölkerungs- und die Unternehmensdichte der Gemeinden. Die kleinräumigen Erreichbarkeitsvariablen sind die Investitionen der Gemeinden in ihre lokale physische Infrastruktur (Distanzvariable) und Wirtschaft (Potenzialvariable).
Die großräumige Erreichbarkeit ist im Rhein-Main-Gebiet signifikant stärker ausgeprägt, als in Nord- und Mittelhessen. Um die regionalpolitischen Möglichkeiten von Gemeinden mit einer relativ schlechten großräumigen Erreichbarkeit zu überprüfen, wurden für 29 EFRE-Fördergemeinden in Nord- und Mittelhessen die Investitionen in die kleinräumige Erreichbarkeit 1998-2008 erhoben.
Mit den erhobenen Daten untersucht die Arbeit folgende Hypothesen:
(1)
Die Beschäftigungsdichte in den hessischen Gemeinden ist positiv abhängig von ihrer guten Erreichbarkeit.
(2)
Beschäftigungsrelevant sind sowohl die großräumige, wie auch die kleinräumige Erreichbarkeit.

Basierend auf den untersuchten Daten kann mit Methoden der Regressions- und Shift-Analyse nachgewiesen werden, dass die Unterschiede in der großräumigen Erreichbarkeit die Beschäftigungsentwicklung signifikant beeinflussen. Gemeinden mit einer geringen ökonomischen Distanz haben eine signifikant höhere Beschäftigungsdichte. Dasselbe gilt für Gemeinden mit einem höheren ökonomischen Potenzial. Wie die Shift-Analyse aufzeigt, ist bei der Unternehmensdichte auch die Sektorstruktur relevant. Für eine hohe Beschäftigungsdichte bedarf es einem hohen Anteil Beschäftigter im dritten und einem geringen Anteil Beschäftigter im zweiten Sektor.
Im Gegensatz zu den Beschäftigungseffekten der großräumigen Erreichbarkeit können für Investitionen in die kleinräumige Erreichbarkeit keine eindeutigen Effekte festgestellt werden. Desweiteren konnte für den Untersuchungszeitraum kein Durchsickern der Wachstumsimpulse aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Nord- und Mittelhessen festgestellt werden. Eine weitere Stärkung des Rhein-Main-Gebiets ist deshalb nicht zu empfehlen. Vielmehr sollte, um einen Ausgleich der Beschäftigungsdichte zu erreichen, in eine verbesserte großräumige Erreichbarkeit in Nord- und Mittelhessen investiert werden.
- Da die großräumige Erreichbarkeit nicht von einzelnen Gemeinden gesteuert werden kann, liegt die regionalpolitische Verantwortung für Beschäftigungswachstum in Nord- und Mittelhessen hauptsächlich beim deutschen Staat und dem Land Hessen.
- Die politische Beeinflussung kann im Rahmen einer verbesserten Verkehrsinfrastruktur und Universitätsdichte in Nord- und Mittelhessen erfolgen. Möglichkeiten liegen ebenfalls im Rahmen einer erhöhten Attraktivität für Unternehmen und Bevölkerung zur Stärkung des ökonomischen Potenzials.
- Allerdings müssen bezüglich der Unternehmensansiedlung Überlegungen zur Sektorstruktur angestellt werden. Die Untersuchung zeigt, dass sich Unternehmen des dritten Sektors im Allgemeinen positiv, jene des zweiten Sektors im Allgemeinen negativ auf die Beschäftigungsentwicklung im Untersuchungszeitraum ausgewirkt haben. Für einzelne Firmen kann der Effekt von diesen allgemeinen Resultaten abweichen.
- Für Investitionen in die kleinräumige Erreichbarkeit von Gemeinden in Nord- und Mittelhessen konnten keine Beschäftigungseffekte festgestellt werden. Die Gemeinden sind aufgefordert, ihre Investitionen zu überdenken.
- Nicht zuletzt müssen Spillover-Effekte zwischen den Gemeinden beachtet werden. So zeigt die Untersuchung, dass ein hohes ökonomisches Potenzial einer Gemeinde zu negativen Beschäftigungseffekten in den Nachbargemeinden führt. Bei der Stärkung des ökonomischen Potenzials vereinzelter Gemeinden kann es damit gesamtwirtschaftlich zu einem Nullsummenspiel kommen.
Kurzfassung auf Englisch: The present thesis analyses if a positive relationship exists between the large and small scale accessibility of the hessian communities and their employment development 1998-2008. The accessibility of a community consists of its economic distance and its economic potential. The economic distance of a community determines its capability to capture external growth impulses via the connection to other markets and new technologies. The economic potential of a community determines its capability to attract new economic activities, whereby regions with an already high density of economic activities are considered as more attractive. While the large scale accessibility is relevant for several communities, the small scale accessibility determines the attractivity of a single community.
For the large scale accessibility, the economic distance of a community is captured by its distance (in km) to highways and research institutions. The large scale economic potential is captured by a community’s density in population and enterprises. The variables of a community´s small scale accessibility are the investments in its physical infrastructure (distance variables) and local economy (potential variable).
The large scale accessibility is significantly better in the communities belonging to the southern Rhein-Main area than in the northern and middle hessian communities. In order to analyze the political possibilities of communities with a relatively poor large scale accessibility, the employment effects of investments in the small scale accessibility of 29 northern and middle hessian communities (1998-2008) were considered.
Based on the collected data, the work discusses the following hypothesizes:
(1)
The employment density of the hessian communities is positively related to their accessibility.
(2)
Both, the small and the large scale accessibility of a community are important for its employment perspectives.

Using the collected data, methods of regression and shift-analysis are used to show that the differences in large scale accessibility have a significant effect on the communities’ employment density. Communities situated in a short distance to highway and research infrastructure (in the year 1998) as well as communities with a high density in population and business activities (in the year 2000) have a significantly higher employment density in the final year of the evaluation period (2008). The shift-analysis furthermore clarifies that for the business density, the sector structure has a relevant effect on employment density. In order to guarantee a high employment density, a community needs to have a high share of employees in the third and a low share of employees in the second sector.
While a good large scale accessibility seems to have a positive effect on employment density, no employment effects could be found for the communities´ investments in their own small scale accessibility. Furthermore no trickledown effect of growth impulses from the central Rhein-Main area to the northern und middle hessian communities could be observed during the study period. In order to reach a more balanced distribution of employment densities in Hessen it is therefore not recommended to further strengthen the Rhein-Main communities or to invest in small scale accessibility enhancement programs. It is rather important to improve the large scale accessibility of peripheral communities in northern and middle Hessen.
- As programs aimed at improving the large scale accessibility are beyond the competence and financial possibilities of single communities, the main responsibility for better employment growth in northern and middle Hessen is in the hands of the German government and the hessian state.
- The suggested policy measurements are an improvement of the traffic and university infrastructure in northern and middle Hessen. Further possibilities lie in raising the attractivity of the communities for population and business in order to strengthen the economic potential.
- However, if business is to be attracted, considerations concerning the sectoral structure must be undertaken. The study shows that firms that are active in the third sector have a tendentially positive, firms active in the second sector a tendentially negative effect on employment density. For specific firms, the results might differ from these overall tendencies.
- The data analyzed could not prove any employment effects of investments in the small scale accessibility in northern and middle hessian communities. Investments in small scale accessibility therefore should be reconsidered.
- Last but not least spillover effects between the communities must be considered. The analysis shows that a high economic potential of a community causes negative employment effects in its neighboring communities. If the economic potential of single communities is improved, zero-sum games between the communities might be possible.
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